Wie das Pflanzen von Bäumen Beduinen in Rage versetzt

Hat Israel tatsächlich die Souveränität über seine südliche Negev-Region? Die Ereignisse dieser Woche stellen dies in Frage.

Beduinen streiten sich mit israelischen Polizisten über die Anpflanzung von Bäumen auf staatlichem Land in der Negev-Region. Foto: Atia Mohammed/Flash90

Berichten zufolge randalieren dieser Tage Beduinen im Süden Israels, weil sie das Pflanzungsprojekt des Jüdischen Nationalfonds (NFL) ablehnen. Aber hegen sie ernsthaft Hass auf Bäume, die auf staatlichem Land gepflanzt werden?

Das Wort „Unruhen“ erklärt nicht einmal ansatzweise die Gründe für diesen gewalttätigen „Protest“ der Beduinen. Das Anzünden von Autos, das Werfen von Steinen, der Versuch, einen Zug zum Entgleisen zu bringen, all das und mehr ist nur ein Scharmützel im Unabhängigkeitskrieg der Beduinen, der Teil des palästinensischen Unabhängigkeitskrieges ist, der gemeinhin als palästinensischer Terror bezeichnet wird.

Um dies besser zu verstehen, sollte man sich die Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds vor Augen führen und was er symbolisiert. Der NFL wurde 1901 gegründet und markierte den Moment, in dem der Zionismus von Worten zu Taten überging. Das Ziel des NFL war die Rückgewinnung von Land in Israel mit jüdischem Geld und im Namen des jüdischen Volkes. Daher wird der NFL mehr als jede andere Organisation mit dem Zionismus in Verbindung gebracht. Jeder Jude aus der ganzen Welt dürfte mit der „Blue Box“, einem blauen Spendenkästchen, vertraut sein.

„Jahrzehntelang“, so heißt es auf der  Webseite des Jüdischen Nationalfonds (JNF), „war die Blue Box ein fester Bestandteil in jüdischen Häusern und Einrichtungen auf der ganzen Welt. Als Verkörperung der zionistischen Vision der Selbstbestimmung der Juden in ihrer angestammten Heimat wurde die einfache Sammelbox zu einem verbindenden Symbol der Hoffnung. Die Blue Box ist zwar weitgehend den Online-Spenden gewichen, aber sie ist auch heute noch ein jüdisches Kultursymbol.“

Das Pflanzen von Bäumen ist eines der Markenzeichen des JNF. Auch Mitglieder von Israel Heute sind mit dem JNF-Projekt „Pflanz einen Baum“ vertraut. In Israel kennt jedes Kind die JNF-Baumpflanzung zu Tu biSchwat, dem jüdischen Neujahrstag für Bäume. Seit der Gründung hat der JNF mehr als 240 Millionen Bäume in Israel gepflanzt, um das Land zu schützen, die Bodenerosion zu verhindern, die Landschaft zu begrünen und lebenswichtige Ökosysteme zu erhalten. Der Erfolg des JNF bei der Anpflanzung von Bäumen in Israel hat dazu geführt, dass sich die Wälder auf natürliche Weise vergrößert und Wüstenland zurückgewonnen haben.

Die Betonung des Anpflanzens von Bäumen war der Versuch, Jesajas Vision zu verwirklichen: „Die Wüste und die Einöde werden sich ihrer freuen, und die Wüste wird sich freuen und blühen wie die Rose. Sie wird üppig blühen und sich mit Freude und Gesang freuen“ (Jesaja 35,1-2).

Und genau das ist es, was die Beduinen in Aufruhr versetzt. Andere Erklärungen für die Gewalt der Beduinen, die es in vielen Formen gibt, wie z.B. Landraub, Schutzgelder, massiver Diebstahl von Waffen und Munition aus Armeestützpunkten in großem Stil, wären gelinde gesagt falsch.

Wer das bezweifelt, den sollten die Worte des ehemaligen Leiters der Islamischen Bewegung, dem ehemaligen Knessetmitglied Ibrahim Abdallah Sarsour überzeugen. In einem von ihm mittlerweile gelöschten Tweet schrieb er:

„Nachdem die Kräfte der Ausrottung heute, Montag, in den arabischen Negev zurückgekehrt sind, haben die Mitglieder der Vereinigten Arabischen Liste beschlossen, dass sie, anstatt in der Knesset anwesend zu sein, in den Negev gehen werden, bis der Angriff auf die arabischen Bürger des Negev gestoppt wird.“

Für Sarsour und seine arabischen Freunde stellt der Süden Israels ein besetztes Gebiet dar, weshalb die Gewalt der Beduinen eine Kampagne zur Befreiung des Negev von der zionistischen Besatzung ist, die sich in der NFL-Aufforstung dieses trockenen Landes manifestiert.

Der Vorsitzende der Ra’am-Partei, Mansour Abbas, stand dem nicht nach. In einem Interview mit dem Fernsehsender 12 sagte er am Dienstag: „Ich kann es (das JNF-Pflanzprojekt) nicht länger tolerieren … Ich kann mich nicht zurückhalten, wenn sie mir in die Brust schießen. Der Negev ist Ra’ams (ein muslimisches Gebiet). Ich verlange, dass die Anpflanzung gestoppt wird … bis das geschieht, werden wir nicht im Sinne der Koalition stimmen.“ Diese Drohung bedeutet, dass die Regierung zusammenbrechen wird, sollte das Anpflanzungsprojekt nicht eingestellt werden.

Bis jetzt wird das Pflanzungsprojekt trotz der Gewalt fortgesetzt. Doch Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident Yair Lapid hat bereits erklärt, er wolle „die Situation neu bewerten“, was einen Stopp der Anpflanzungen bedeuten würde, während Ministerpräsident Naftali Bennett sich nicht äußert. Angesichts des Charakters dieser antizionistischen Regierung ist es nur eine Frage der Zeit, bis man den JNF auffordern wird, die Beduinen in Ruhe zu lassen und Bäume in Tel Aviv oder anderswo zu pflanzen.

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox