Wahlen: Viel Aufruhr um Kleinkram, weil es nichts Besseres zu reden gibt

Ist der Chef der blau-weißen Partei, Benny Gantz, nur ein schlampiger Redner, oder sagen seine sich ansammelnden Fehler etwas über seine Führungsqualitäten aus?

Benny Gantz
Gili Yaari/Flash90

Dies ist die jüngste öffentliche Debatte, nachdem Gantz ein berühmtes hebräische Sprichwort falsch zitierte: „Wenn die Zedern in Flammen aufgehen würden, was würden die Moose sagen?” Gantz sagte „Schatten” statt „Flamme” und das Land war in Aufruhr.

Dies ist die neueste Ergänzung von Gantz’ wachsender Liste nachlässiger Redewendungen, die begann, als er noch Stabschef war. Die Israelis erinnern sich noch gut an seine „Anemonenrede”, die er direkt am Ende der Militäroperation 2014 gegen Gaza hielt. „Wir hatten einen heißen Sommer”, sagte er damals, „dem der Herbst folgen wird. Der Regen wird den Staub der Panzer wegwaschen. Die Felder werden grün und die ‘rote Farbe’ … von Anemonen, Blumen und Stabilität werden hier sein für viele Jahre kommen.” (Anmerkung: Rote Farbe heißt auf Hebräisch „Zeva Adom“, was als Code für Raketenalarm benutzt wird). Seit dieser Rede ging der Alarm tausende Male los und das Schwarz der brennenden Felder hat das Rot der Anemone ersetzt.

Gantz’ fadenscheinige Reden wurden fortgesetzt, nachdem er nach seinem Eintritt in die politische Arena immer häufiger aufgetreten war. Als er vor ein paar Wochen mit der Presse sprach und erklärte, warum er sich selbst widersprach, als er gleichzeitig sagte, dass er sich an einer Regierung unter Netanjahu beteiligen und nicht beteiligen würde, sagte er scherzhaft: „Mein rechtes Ohr ist die Seite des M-16 Gewehrs, daher habe ich die Frage wahrscheinlich nicht gehört.” Gantz verwies auf das sehr bekannte Phänomen der „klingelnden Ohren”, unter dem Soldaten zu leiden haben wegen des lauten Krachs der Gewehre nahe an ihren Ohren. Tage später zeigte er sich mit seinem Handy am rechten Ohr. Das war genug, um seinen Witz in ein ernstes Problem der Zuverlässigkeit zu verwandeln.

In einem anderen Interview sagte Gantz: „Mein Name ist nicht Gabbay [ehemaliger Chef der Arbeitspartei] und mein Vorname beginnt nicht mit einem G.” Während der letzten Wahlen sagte er leidenschaftlich: „Ich werde die nächste Regierung bilden und niemand wird uns aufhalten, nicht die Öffentlichkeit, nicht die Politiker und sonst jemand.” Bei einer LGBT-Versammlung fiel er erneut. „Ich werde die Gesetzgebung vorantreiben, die die Bestrafung der LGBT-Gemeinde aufheben wird”, unterrichtete er die verblüffte Menge falsch.

Patzer dieser Art wurden auch vorher benutzt, um politische Gegner zu schmälern. Die frühere Kulturministerin Miri Regev, um nur eine zu nennen, wurde zu einer völligen Idiotin, nachdem sie sich einige Male schlecht ausgedrückt hatte. „Ich habe in meinem Büro große Verbesserungen vorgenommen, von denen ich glaube, dass auch zwei Minister nach mir das nicht reparieren können”, sagte sie einmal. Der „Ich werde Netanjahu vereint halten”- Versprecher von Itzhak ‘Boogie’ Herzog, ehemaliger Chef der Arbeitsartei, während einer Wahldebatte zwischen ihm und Netanjahu im Jahr 2015, kam ihm teuer zu stehen.

Aber es scheint, dass diesmal solche Patzer aufgebläht werden, nur weil es nichts anderes gibt, worüber man reden könnte. Wenn politische Lager ihre ideologischen Plattformen auf „Nur nicht Bibi” reduzieren und „Nur Bibi” sagen, produzieren sie einen flachen Diskurs, der sich auf ansonsten irrelevante Angelegenheiten konzentriert, die ignoriert worden wären, wenn wichtigere Dinge auf den Tisch gelegt würden.

Es gibt jedoch Menschen, die darauf bestehen, dass Gantz’ Art von Fehlern nicht nur einen inkompetenten Führer bloßstellt, sondern auch Menschen aufdeckt, die ihrem jüdischen Erbe entfremdet sind. Das sagt der bekannte Rechtsjournalist Shimon Riklin. In Bezug auf die beschatteten Zedern sagt er: „Dies ist kein ehrlicher Fehler [der Haltung der blau-weißen Führung gegenüber dem Judentum]. Es beleuchtet ihr inneres Wesen: Sich um jeden Preis vom Judentum loszulösen und diejenigen verspotten, die dem Judentum treu bleiben .”

Auch wenn Riklin Recht hat, was ich nicht glaube, bleibt die Tatsache bestehen, dass Kleinigkeiten immer wichtiger werden, weil es an besseren Dingen fehlt, über die man sprechen kann.

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