„Vor nächstem Kontrollpunkt abbiegen..“

Ein Start Up aus Ramallah hat eine neue Navigations-App entwickelt, die arabischen Fahrern in Judäa und Samaria hilft, Kontrollpunkte und lange Staus zu vermeiden.

Autoschlange vor Kontrollpunkt
Nati Shohat/Flash90

In Israel gibt es mittlerweile wohl kaum einen Autofahrer, der nicht die israelische Navigations-App Waze benutzt, um schnell und mit möglichst wenig Staus auf dem Weg zum Ziel zu kommen. Der Grund, warum gerade Waze so erfolgreich ist, liegt darin, dass die Benutzer durch ihre Meldungen von Verkehrsbehinderungen wie am Straßenrand stehende Fahrzeuge, Unfälle, Polizeikontrollen und auch Blitzer Kameras andere Fahrer rechtzeitig warnen können, damit sie eine alternative Strecke fahren können, die Waze automatisch anbietet.

Der Schreiber dieser Zeilen wurde Dank Waze mehr als einmal vor einem langen Stehen in einer Verkehrsschlange gerettet und erreichte sein Fahrziel dadurch ohne größere Probleme (allerdings hängt der Erfolg der Technik noch immer vom Menschen ab, der sie bedient, wie hier nachzulesen ist).

Die arabische Bevölkerung von Judäa und Samaria, rund 3 Millionen, hat es da etwas schwieriger. Während die 450.000 jüdischen Bewohner von Judäa und Samaria wegen den für sie errichteten Umgehungsstraßen relativ zügig ans Ziel kommen, haben es die arabischen Autofahrer bei ihrer Fahrt nicht nur mit unerwarteten Verkehrsstaus, Unfällen oder Blitzer Kameras zu tun, sondern auch mit den Kontrollpunkten der israelischen Sicherheitskräfte, die sich an vielen Stellen in den sogenannten „Gebieten“ befinden. Diese Checkpoints können auch völlig unerwartet, je nach der Sicherheitslage, plötzlich errichtet werden, was für die arabischen Fahrer verständlicherweise als Hindernis angesehen wird.

Das arabische Start Up Doroob aus Ramallah hat jetzt eine Navigations-App entwickelt, die den Fahrern helfen soll, diese Kontrollpunkte während der Fahrt zu vermeiden und dadurch deutlich schneller ans Ziel zu kommen. Ähnlich wie die israelische Waze-App warnt der Doroob Navigator die Fahrer vor Hindernissen auf dem Weg. Der Schwerpunkt liegt hier allerdings bei der Meldung von Kontrollpunkten und spontanen Kontrollen der israelischen Sicherheitskräfte. Die Fahrer können, wie bei Waze, selber über Verkehrsbehinderungen, aber auch über plötzlich errichtete Kontrollpunkte, informieren. Die App schlägt alternative Routen mit möglichst wenigen dieser Checkpoints und das Vermeiden vom Fahren durch jüdische Siedlungen an. Die „normalen“ Navigations-Apps unterscheiden nicht zwischen arabischen und jüdischen Wohnorten oder arabischen und jüdischen Autofahrern.

פורסם על ידי ‏‎Doroob‎‏ ב- יום שלישי, 22 בינואר 2019

In einem Interview mit Reuters erzählte der Entwickler der App und Gründer von Doroob, Mohammed Abdel Haleem, dass man die Karten von Grund auf neu gestalten musste. „Sicherheitsmauer, Siedlungen, Checkpoints, die bestehenden Navigations-Apps sind sich dieser Komplexität gar nicht bewusst“, erklärte er. Die Notwendigkeit einer selbstständigen App sei ihm bewusst geworden, nachdem er einmal von Google Maps bei einer Fahrt von Bethlehem nach Ramallah in ein entferntes Tal geschickt wurde.

Je mehr Benutzter, desto zuverlässiger wird die neue Navigatons-App arbeiten, die zwei Monate nach ihrem Start bereits von 22.000 Fahrern benutzt wird.

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