Umstrittener Verkauf von Nazi-Gegenständen mit gutem Ende

Ein libanesischer Geschäftsmann kaufte fast alle angebotenen Gegenstände, um sie dann dem Jüdischen Volk zu übergeben

von Israel Heute Redaktion |
Jad Vashem Foto: Michal Fattal/Flash90.

Zu Beginn des Monats sorgte eine von einem Münchner Auktionshaus angekündigte Versteigerung für viel Aufsehen und Empörung. Im Rahmen einer Auktion unter dem Titel ‚Deutsche Zeitgeschichte ab 1919‘ sollten unter anderem auch um die 840 Gegenstände angeboten werden, die Nazis gehörten, darunter mehrere Gegenstände aus dem Besitz von Adolf Hitler, wie ein Zylinder und eine Luxusausgabe seines Buches „Mein Kampf“.

Der Vorsitzende der Europäischen Jüdischen Organisationen, Rabbiner Menachem Margolin wandte sich an das Auktionshaus und forderte die Absage der Versteigerung. In einem Brief machte er auch auf den Zeitpunkt der angekündigten Auktion aufmerksam, an dem man sich an die Kristallnacht vor 81 Jahren erinnert hatte und „in der wir erneut auf dem ganzen Kontinent Schikanen gegen Juden und jüdische Gräber erleben. Diese Gegenstände sind in Blut getränkt.“

Auch in Deutschland reagierte man kritisch auf diese seltsame Versteigerung. Es konnte aber nichts dagegen unternommen werden. „Sie sollte gesellschaftlich geächtet werden“, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein.

Ausgerechnet in Deutschland so eine Auktion zu veranstalten, war sicher auch für die noch in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden ein Schlag ins Gesicht.

Am Ende gab es jedoch eine überraschend positive Wende. Wohl fand die umstrittene Auktion statt und das sogar mit einem noch größeren Erfolg als erwartet, um die 80 Prozent der angebotenen Gegenstände wurden verkauft, doch die Gegenstände wurden nicht von Neo-Nazis erworben, wie befürchtet worden war, sondern von einem libanesischen Geschäftsmann, Abdallah Chatila, der fast alle angebotenen Gegenstände ersteigern konnte, darunter eine Zigarren-Box des Nazi-Führers und mehrere handgeschriebene Briefe, 600.000 Euro hat er dafür investiert. Alle diese Gegenstände will er nun dem jüdischen Volk übergeben, wie er in einem Interview mit einer französischen Zeitung erklärte. Damit wolle er verhindern, dass diese Gegenstände in falsche Hände geraten würden. Am Anfang habe er geplant, sie zu vernichten, doch dann entschied er sich, sie an die jüdischen Organisationen zu übergeben, die dann bestimmen sollen, was damit gemacht werden soll.

Rabbiner Menachem Mergolin war gerührt über diesen Akt. „Auf einen derartigen Akt der Großzügigkeit und Solidarität waren wir nicht vorbereitet“, sagte er. „Herr Chatila hat unsere Schmerzen in Bezug auf diese Auktion verstanden und etwas getan, auf das niemand vorbereitet war. Wir unterstützen seine Aussage, dass diese Gegenstände keinen Platz auf dem Markt haben und vernichtet werden müssen. Daher entschied er sich, sie den Juden zu geben und zeigte damit ein bemerkenswertes Gewissen und Verständnis.“

Rabbiner Mergolin bedankte sich bei Chatila und lud ihn ein, an einer Delegation von 100 Abgeordneten aus ganz Europa nach Auschwitz teilzunehmen, um aus erster Hand sehen zu können, wo die nationalsozialistische Ideologie hinführt. Auch möchte man ihm eine Auszeichnung für seine noble Tat geben.

Eine Frage bleibt jedoch offen. Das Auktionshaus aus München hat mit dieser Versteigerung nicht wenig Geld verdient, den Berichten zufolge kommen 25 Prozent der Einnahmen in die eigene Kasse. Die Leiter des Auktionshauses würden gut daran tun, diesen Gewinn für einen guten Zweck zu spenden, vielleicht für den Kampf gegen den aufkommenden Antisemitismus oder für die jüdischen Gemeinden in Deutschland. Denn sich durch den ehemaligen Besitz der Nazis heute selbst zu bereichern, das macht nun wirklich keinen guten Eindruck.

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