Umfrage: Die meisten jungen Araber wollen den Nahen Osten verlassen

Der allgemeinen Ansicht zum Trotz ist der jüdische Staat einer der wenigen, in dem junge Araber zufrieden sind.

Umfrage: Die meisten jungen Araber wollen den Nahen Osten verlassen
Illustration - Hadas Parush/Flash90

Israel als der große und hartnäckige Feind der arabischen Welt ist eine Vorstellung, die vor unseren Augen in mehrfacher Hinsicht bröckelt.

Der jüdische Staat sollte ein Ort sein, an dem ein Araber nur Diskriminierung und Rassenhass erwarten konnte. Es ist ein “Apartheid”-Staat, sagte man uns. Warum also ist Israel einer der ganz wenigen Orte im Nahen Osten, aus dem junge Araber nicht versuchen zu fliehen?

 

Der Versuch, zu entkommen

Seit 2008 führt die in Dubai ansässige Forschungsgruppe ASDA’A BCW jedes Jahr den “Arab Youth Survey” durch. Und von Jahr zu Jahr werden die Zahlen immer schlechter.

Die 2020-Ausgabeder Umfrage ergab, dass mehr junge Araber als je zuvor keine Zukunft für sich selbst im Nahen Osten sehen. Diese Situation wird zweifellos durch die Corona-Krise verschärft, aber auch durch Korruption in der Regierung und sektiererische Gewalt angetrieben, die, wenn überhaupt, nur geringe wirtschaftliche Hoffnungen zulassen.

Von den Arabern im Alter von 18 bis 24 Jahren wollen 42 Prozent aus dem gesamten Nahen Osten und Nordafrika auswandern, und 15 Prozent unternehmen Schritte in diese Richtung.

Diese Prozentzahlen mögen vielleicht nicht sofort beunruhigend klingen, aber wenn man sich die Zahlen ansieht, beginnt man zu verstehen, warum Länder wie Israel, die Golfstaaten und die EU-Mitgliedsstaaten über eine neue Einwanderungswelle besorgt sind.

  • 66 Prozent der Bevölkerung im Nahen Osten und Nordafrika ist unter 30 Jahre alt;
  • 578 Millionen ist die Gesamtbevölkerung dieser Regionen;
  • 380 Millionen fallen in diese jüngere demografische Gruppe;
  • 42 Prozent oder 160 Millionen Menschen aus dieser Bevölkerungsgruppe wollen auswandern;
  • 57 Millionen Migranten werden eine neue Heimat brauchen, wenn auch nur 15 Prozent, die auswandern wollen, am Ende erfolgreich sein werden.

 

Nicht so fruchtbarer Halbmond

Am ausgeprägtesten ist das Problem in Nordafrika und im sogenannten fruchtbaren Halbmond, einer Region, die heutzutage ihrer alten Beschreibung nicht mehr ganz gerecht wird.

Im Libanon würden überwältigende 77 Prozent der jungen Erwachsenen das Land verlassen, wenn sie die Chance dazu hätten, gefolgt von Libyen (69 %), Jemen (66 %), Irak (65 %), den palästinensischen Gebieten (58 %), Jordanien (56 %), Syrien (54 % – wäre wahrscheinlich höher, wenn nicht schon so viele ausgewandert wären), Sudan (54 %), Tunesien (52 %) und Marokko (46 %).

 

Glück kann nicht mit Geld gekauft werden?

Auf der Liste der arabischen Länder, aus denen die Mehrheit der jungen Menschen auswandern möchte, fehlen die ölreichen Golfstaaten.

Der Golfstaat mit dem höchsten Prozentsatz derer, die von Bord gehen wollen, ist Bahrain (28 %), aber das hat wahrscheinlich etwas damit zu tun, dass im Inselemirat eine schiitische Mehrheit von einer sunnitischen Minderheit regiert wird.

Nur 18 Prozent der jungen Kuwaiter wollen auswandern, in Oman wollen nur 12 Prozent fliehen, und nur 6 Prozent der jungen Saudis würden dem Königreich den Rücken kehren.

Es überrascht nicht, dass die wohlhabenden Vereinigten Arabischen Emirate ganz unten auf der Liste standen: Nur 3 Prozent der Bürger im Alter von 18 bis 24 Jahren gaben an, dass sie eine Auswanderung in Erwägung ziehen würden.

 

Israelische Koexistenz

Obwohl es nicht Teil dieser Umfrage war, hätte Israel, wenn es Teil dieser Umfrage gewesen wäre, ebenfalls ganz unten auf der Liste gestanden.

In einer anderen Umfrage, dem jährlichen Welt-Glücksbericht, der vom UN Sustainable Development Solutions Network veröffentlicht wird, rangiert Israel durchgehend unter den 15 glücklichsten Ländern der Welt.

Nun könnten einige versuchen, diese Platzierung ausschließlich der jüdischen Mehrheit Israels zuzuschreiben. Aber eine andere jährliche Umfrage des israelischen Zentralamts für Statistik hat ebenso beständig gezeigt, dass eine überwältigende Mehrheit der israelischen Araber mit ihrem Leben im jüdischen Staat zufrieden ist.

In der 2018-Ausgabe der Umfrage sagten 80,7 Prozent der israelischen Araber, dass sie mit ihrem Leben zufrieden sind, und unglaubliche 89 Prozent sagten, dass sie sich sicher und geborgen fühlen.

Nun, klingen diese Zahlen wie Zahlen, die man von einem “Apartheidstaat” erwarten würde, oder entsprechen sie eher einem Land, das erfolgreich die Koexistenz zwischen seiner Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung gefördert hat?

 

Ein stiller Wunsch nach Annexion

Dass der jüdische Staat Israel einer der wenigen Orte im Nahen Osten ist, in dem Araber leben können, ist den Palästinensern nicht entgangen.

Als Israel in der ersten Hälfte dieses Jahres viel Lärm um die Annexion des Jordantals und anderer Teile des sogenannten “Westjordanlandes” machte, hat die internationale Gemeinschaft diesen Schritt als Verbrechen gegen die Palästinenser beschrien.

Aber als sie von Reportern direkt angesprochen wurden, gaben viele Durchschnittspalästinenser zu, dass sie einfach nur ein ruhiges und sicheres Leben führen wollten, und glaubten, dass die israelische Herrschaft ihnen dafür eine bessere Chance bot.

Ich selbst besuchte einige der palästinensischen Dörfer in der “Annexionszone” und stellte fest, dass viele, wenn nicht sogar die meisten der jungen Erwachsenen dort nicht besorgt darüber waren, von Israel regiert zu werden. Sie wollten nur sichergehen, dass sie israelischen Wohnsitz und Personalausweise für sie und ihre Familien erhalten. (Siehe: Wer das Land nimmt, muss auch das Volk nehmen)

Natürlich ist Israel zu besorgt um seine eigene Demografie, um eine große Zahl neuer arabischer Bürger aufzunehmen. Aber die Tatsache, dass sich fast alle israelischen Araber zufrieden und sicher fühlen und dass viele Palästinenser am liebsten mit ihnen tauschen würden, widerlegt einmal mehr die Behauptung, kein Araber würde sich jemals dafür entscheiden, in Israel zu leben. Diese schändliche Ehre gebührt den arabischen Staaten um uns herum.

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