Umfrage : 20 % der Briten glauben, dass Juden hinter COVID-19 stecken

„Neue und einzigartige Welle des Antisemitismus“

Umfrage : 20 % der Briten glauben, dass Juden hinter COVID-19 stecken
Illustration - Yossi Aloni/Flash90

Einer von fünf Briten ist der Meinung, dass die Juden in gewisser Weise für die Entstehung des Coronavirus (COVID-19) verantwortlich seien, um die Wirtschaft aus finanziellen Gründen gegen die Wand zu fahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Universität Oxford, die im Ausschuss für Einwanderungs-, Absorptions- und Diaspora-Angelegenheiten der Knesset diskutiert wurde.

Die Untersuchung mit dem Titel “Oxford Coronavirus Explanations, Attitudes, and Narratives Survey” befragte vom 4. bis 11. Mai 2020 im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 2.500 englische Erwachsene.

Die vorgelegte Aussage “Juden haben den Virus geschaffen, um die Wirtschaft aus finanziellen Gründen zum Einsturz zu bringen” beantworteten 5,3% der Befragten mit “stimme ein wenig zu “, 6,8% mit “stimme in gewisser Weise zu, 4,6% mit “stimme sehr zu” und 2,4% mit “stimme vollkommen zu”, während etwa 80,8% der Befragten überhaupt nicht damit einverstanden waren.

David Bitan, Vorsitzender des Knesset-Ausschusses, sagte während der Sitzung am Montag, dass die Pandemie “eine neue und einzigartige Welle des Antisemitismus in der ganzen Welt ausgelöst hat: Die Juden, Zionisten oder der Staat Israel sind an der Pandemie schuld und werden davon profitieren”.

Dieser Antisemitismus, sagte er, “wird von Rechtsextremen, ultrakonservativen Christen und Islamisten verbreitet, hauptsächlich über Medien in verschiedenen Sprachen – soziale Netzwerke, Fernsehkanäle, Radio und die Presse”.

Bitan sagte weiter, dass Islamisten den Staat Israel als COVID-1948 bezeichneten, in Anlehnung an das Jahr der Staatsgründung, “und dies ist die gefährlichste Pandemie für die Menschheit”.

Dem “Bericht über den weltweiten Antisemitismus” zufolge, der vom Kantor-Zentrum für das Studium des zeitgenössischen europäischen Judentums veröffentlicht wurde, gab es im Jahr 2019 im Vergleich zu 2018 einen Anstieg um 18 % an größeren Gewaltfällen, 456 Fälle im Jahr 2019 gegenüber 387 im Jahr 2018. Sieben Menschen wurden bei antisemitischen Angriffen getötet.

In Deutschland verzeichnete die Polizei bundesweit 1.839 antisemitische Vorfälle gegenüber 1.799 Vorfällen im Jahr 2018, das sind durchschnittlich fünf Vorfälle pro Tag.

Die 1.805 registrierten Fälle im Vereinigten Königreich im Jahr 2019 bedeuten einen Anstieg von 7 % im Vergleich zu 2018. In den USA gab es im Jahr 2019 111 gewalttätige antisemitische Vorfälle, in Australien 33.

Mindestens 53 Synagogen sowie 28 Gemeindezentren und Schulen wurden angegriffen. 2019 gab es zudem einen Anstieg der lebensbedrohlichen Bedrohungen um 47 % und einen Anstieg der Angriffe auf Privatbesitz um 24%.

Laut einer von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) veröffentlichten Studie haben 41% der Juden im Alter von 16-34 Jahren in den letzten fünf Jahren erwogen, wegen Antisemitismus aus Europa auszuwandern.

Bitan sagte, Israel investiere nicht genügend Mittel in den Kampf gegen den Antisemitismus. Er forderte die Einrichtung eines Ministerkomitees, das sich mit dem Thema befassen solle.

Yaakov Haguel, amtierender Direktor der Zionistischen Weltorganisation (World Zionist Organization), sagte, die Corona-Pandemie sei zu einer Zeit ausgebrochen, in der der Antisemitismus auf dem höchsten Stand seit dem Holocaust sei und Juden Angst hätten, jüdische Symbole in der Öffentlichkeit zu tragen.

“Die sozialen Netzwerke werden mit antijüdischen Botschaften überflutet”, sagte er und fügte hinzu, dass offensichtliche und unverhohlene antijüdische Rhetorik während der George-Floyd-Demonstrationen in den USA beobachtet worden sei. Sobald die Pandemie abklinge, werde sich der Antisemitismus verstärken, warnte Haguel.

Yogev Karasenty, Direktor für die Bekämpfung von Antisemitismus im Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten, sagte, seit Ausbruch der Pandemie seien rund 700.000 antisemitische Nachrichten auf Twitter gepostet worden.

Er erörterte die anti-israelischen Aktivitäten der extremen Linken in den USA und den Versuch, die Bürgerunruhen mit Israel in Verbindung zu bringen.

Karasenty sagte auch, dass es einen starken Zulauf auf Verschwörungstheorie-Kanäle auf Telegram in Deutschland gebe, und fügte hinzu, dass die Pandemie dazu benutzt werde, alte antisemitische Verschwörungstheorien, einschließlich Blutverleumdungen, über soziale Medien zu verbreiten.

Yigal Palmor, Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen bei der Jewish Agency, erwähnte das harte Vorgehen der britischen Labour-Partei gegen den Antisemitismus innerhalb der Partei. Prof. Dina Porat, Leiterin des Kantor-Zentrums für das Studium des zeitgenössischen europäischen Judentums, sagte, die Falschmeldung, wonach Juden den Coronavirus verbreiten würden, sei bereits in liberale und gebildete Teile der Bevölkerung durchgedrungen.