Gestern fand in Israels Nationalbibliothek in Jerusalem, unweit der Knesset, eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des 7. Oktober und die Gefallenen des Krieges statt. Erinnerungsbücher erzählen dort von den Menschen, die wir verloren haben. „Wir schreiben das Leben.“ Ich stand vor all diesen Gesichtern, 2.054 Gesichtern auf der digitalen Gedenkwand, und plötzlich überkam mich ein seltsames, schmerzhaftes Gefühl: Irgendwie kenne ich sie alle. Natürlich kannte ich nicht jeden persönlich. Aber in den vergangenen drei Jahren sind diese Gesichter Teil unseres Lebens geworden. Wir haben sie in den sozialen Netzwerken gesehen, im Fernsehen und in den Zeitungen. Wir haben ihre Geschichten gehört, ihre Eltern kennengelernt, ihre Partner, ihre Kinder. Wir sahen Bilder von Hochzeiten, Reisen, aus der Armee und aus Schulzeiten. Menschen, die uns vor drei Jahren völlig unbekannt waren, gehören heute zur großen israelischen Familie. Und jedes Gesicht hat einen Namen. Hinter jedem Namen steht eine ganze Welt, die plötzlich abgebrochen wurde. „Selbst im Tod lebe ich weiter.“ Genau darin liegt die Idee dieser Erinnerungsbücher. Ihre Geschichten werden aufgeschrieben, damit etwas von ihrem Leben bleibt, ihre Stimmen, ihre Träume, ihre...
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