Russische und ukrainische Rabbiner liefern sich Schlagabtausch über Invasion

Der oberste russische Rabbiner unterstützt Putins Bemühungen, die Ukraine zu „entnazifizieren“, während der ukrainische Oberrabbiner sagt, das sei ein Haufen Unsinn

von Israel Heute Redaktion | | Themen: Russland, Ukraine
Der Oberrabbiner von Russland Berel Lazar (L) und der Präsident der Jüdischen Föderation von Russland, Rabbiner Alexander Boroda (R) mit dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Museum für Judentum und Toleranz in Moskau am 29. Januar 2018. Foto: Flash90

Nicht nur unter den israelischen Juden gehen die Meinungen darüber auseinander, wie Russlands Einmarsch in der Ukraine zu bewerten ist. Spitzenrabbiner aus beiden Ländern lieferten sich in diesem Monat in den Medien einen Schlagabtausch über den anhaltenden Krieg und die Rolle des Antisemitismus und der Juden.

Bereits im Dezember letzten Jahres hatte Russland in der UN-Generalversammlung eine Resolution eingebracht, die, was damals noch nicht bekannt war, ein Vorspiel für den aktuellen Krieg war.

Die Resolution 76/149 trägt den Titel „Bekämpfung der Verherrlichung des Nazismus, des Neonazismus und anderer Praktiken, die dazu beitragen, zeitgenössische Formen von Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Intoleranz zu schüren“.

Die Ukraine und die Vereinigten Staaten waren die einzigen beiden Länder, die dagegen gestimmt haben.

US-Beamte erklärten, dass sie zwar die Verherrlichung des Nationalsozialismus ablehnen, der Wortlaut der russischen Resolution jedoch gegen den ersten Verfassungszusatz der USA verstoße. Der Grund, warum die Ukraine gegen die Resolution gestimmt hat, ist weniger klar, aber zumindest in Russland wurde der Eindruck erweckt, dass das Land zu den Ländern gehört, die einen besorgniserregenden Anstieg des Nazismus erleben.

Und genau das sagte Rabbiner Alexander Boroda Anfang dieses Monats der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Interfax.

„In den letzten Jahren gab es eine systematische Verherrlichung von Nazi-Verbrechern [in der Ukraine], Fackelmärsche und ähnliches“, so der Vorwurf von Rabbiner Boroda, Vorsitzender des Vorstands der Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands (FJCR).

Er erklärte, dass in der Ukraine zwar „eine relativ große und weitgehend wohlhabende jüdische Gemeinde lebt, gleichzeitig aber Verbrecher, die für den Tod der Vorfahren dieser Juden verantwortlich sind, verherrlicht werden“.

Rabbi Boroda arbeitet Hand in Hand mit dem russischen Oberrabbiner Berel Lazar, beide sind enge Vertraute von Wladimir Putin. Zu Beginn seines Einmarsches in der Ukraine betonte Putin, dass eines seiner Motive die „Entnazifizierung“ des Landes sei.

Als Antwort auf Rabbi Boroda erklärte einer der Oberrabbiner der Ukraine, Rabbi Moshe Reuven Azman, gegenüber der Jerusalem Post, dass „Juden auf der russischen Seite, die diesen Krieg unterstützen, das Massaker an Juden unterstützen“.

„Das russische Militär begeht Kriegsverbrechen in der Ukraine“, fügte er hinzu. „Sie töten Frauen und Kinder. Niemand hat sie gebeten, uns als Land zu ‚entnazifizieren‘.“

Rabbi Azman merkte an, dass er Rabbi Boroda gut kenne und vermutete, dass er sich vielleicht gezwungen fühlte oder sogar gezwungen wurde, sich zur Unterstützung von Putins Krieg zu äußern: „Ich verstehe, dass die Rabbiner in Russland vielleicht keine andere Wahl haben, weil der ‚eiserne Vorhang‘ sich wieder durchsetzt.“

Es ist bemerkenswert, dass die Ukraine zwar eine belastete Vergangenheit in Bezug auf den Holocaust und Verbindungen zu Nazi-Deutschland hat, das Land aber heute von einem jüdischen Präsidenten geführt wird, der sich großer Beliebtheit erfreut.

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