Ruhe im Süden?

“Ruhe” scheint ein relativer Begriff zu sein. Nicht alle verstehen darunter das Gleiche. So standen gestern wieder israelische Felder im Süden in Flammen, 10 Tage nach der Einigung auf eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

Vor zehn Tagen einigten sich die Hamas und Israel nach einer weiteren “Runde”, bei der nicht weniger als 700 Raketen und Mörsergranaten vom Gazastreifen aus auf den Süden Israels geschossen wurden, auf eine Waffenruhe. Diese Einigung wurde von vielen Seiten kritisiert. Israel habe erneut nachgegeben und Schwäche gezeigt. Es gebe keine Abschreckung mehr, waren einige der Kritiken gegen die israelische Zustimmung zur Waffenruhe.

Nun hatte man auf israelischer Seite nicht unbedingt die freie Wahl, nur wenige Tage vor dem Gedenktag und den Feiern zum 71. Geburtstag des Landes. Und dann war da noch die Eurovision, die seit Anfang dieser Woche das ganze Land beschäftigt. Eine Absage dieser Veranstaltung hätte Israel sehr geschadet, besonders was die Austragungen weiterer großer internationaler Veranstaltungen betrifft. So stimmte man also der Waffenruhe zu und erhoffte sich, dass es nun auch wirklich ruhig werden wird. Die Menschen im Grenzgebiet zum Gazastreifen haben genug gelitten. Sie bekamen jetzt sogar Freikarten zur Eurovision.

Aber es sieht so aus, als würden beide Seiten etwas anderes unter dem Begriff Ruhe verstehen. Auf der einen Seite haben die Raketenangriffe tatsächlich aufgehört, es gibt keine Sirenen mehr, die die Menschen mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen und in die Schutzräume rennen lässt. Ja, es ist ruhig. Aber dann sind da ja noch die Feuer- und Sprengstoff-Ballons. Sie scheinen bei der Abmachung zwischen Israel und er Hamas vergessen worden zu sein oder die Terroristen der Hamas haben das Abkommen falsch verstanden. Vielleicht sollten wir Verständnis für sie haben, immerhin hatten sie in der Vergangenheit ja auch völlig aus Versehen zwei Raketen auf das Zentrum Israels abgefeuert. Irren ist ja schließlich menschlich.

So waren vielleicht auch die Feuerballons von gestern nur ganz aus Versehen auf den israelischen Feldern im Süden gelandet und haben zu Bränden geführt. An insgesamt fünf verschiedenen Stellen musste die israelische Feuerwehr ausrücken, um das Feuer zu löschen. Sie wurden zum Glück relativ schnell unter Kontrolle gebracht.

”Friedliche Demonstrationen” am Grenzzaun, gestern (Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90)

Auch am Grenzzaun war es noch vor den Ballons alles andere als ruhig. Tausende von Arabern randalierten wieder an mehreren Stellen des Grenzzaunes. Gestern wurde von ihnen der sogenannten Nakba-Tag begangen, der an den Tag der israelischen Staatsgründung erinnern soll, der von den Arabern als eine Katastrophe angesehen wird. Die Randalierer verbrannten Autoreifen und warfen Steine auf die israelischen Sicherheitskräfte, die ihrerseits mit Mitteln zur Auflösung von Demonstration versuchten, die Ruhe wieder herzustellen. Arabischen Angaben zufolge sollen 60 der sogenannten “friedlichen Demonstranten” dadurch verletzt worden sein.

Aber sonst war es ruhig gestern. Vielleicht müssen wir uns einfach daran gewöhnen, dass man hier bei uns im Nahen Osten unter Ruhe etwas ganz anderes versteht.

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