Heute früh hat im Bezirksgericht in Jerusalem der Prozess gegen den ehemaligen Minister Gonen Segev begonnen. Er wird der Spionage für den Iran und der Bereitstellung von Informationen für den Feind beschuldigt. Es ist das erste Mal, dass der ehemalige Umwelt- und Energieminister in der Öffentlichkeit zu sehen ist, seit seiner Verhaftung im Mai, die zunächst streng geheim gehalten worden war.
Der israelische Nachrichtendienst (Shin Bet) hat gleichzeitig mit dem prozessbeginn weitere Informationen zur Veröffentlichung freigegeben. Segev soll demnach als Agent rekrutiert und für den iranischen Geheimdienst tätig gewesen sein. Im Jahr 2012 soll es zu ersten Kontakten zwischen Segev und Beamten der iranischen Botschaft in Nigeria gekommen sein. Segev lebte in den letzten Jahren in Nigeria, nachdem er in Israel eine Haftstrafe wegen Drogenschmuggel abgesessen hatte.
Weiter soll sich Segev zweimal in Teheran mit seinen iranischen Kontaktpersonen getroffen haben. Weitere Treffen hätten weltweit in Hotels und Wohnungen stattgefunden, die den Iranern für ihre geheimen Aktivitäten dienten- Segev soll bei diesen Treffen den Iranern Informationen bezüglich des israelischen Energie-Sektors, Sicherheits-Komplexen in Israel und auch israelischen Persönlichkeiten, die im diplomatischen Bereich und der israelischen Sicherheit tätig waren. Dafür soll der ehemalige Minister Kontakte zu israelischen Bürgern aus diesen Bereichen geknüpft haben mit dem Ziel, sie in Kontakt mit iranischen Geheimdienst-Agenten zu bringen, die den Israelis vob ihm als iranische Geschäftsleute vorgestellt worden.
Segev habe Dutzende von Berichten an die Iraner gegeben, mit dem Ziel, der Sicherheit Israels zu schaden, erklärte der Sicherheitsdienst.
Die Gerichtsverhandlung findet hinter verschlossenen Türen statt. Für einige der Anklagepunkte sieht das Gesetz als Höchststrafe die Todesstrafe vor, allerdings wird angenommen, das diese, auch in diesem schwerwiegenden Fall, nicht angewendet werden wird, wie schon in früheren Spionagefällen.
In der israelischen Öffentlichkeit ist man nach wie vor erstaunt darüber, wie ein ehemaliger Minister der israelischen Regierung sich gegen den Staat wenden konnte und für einen der Erzfeinde Israels spionierte.
Bild: Gonen Segev beim Eintreffen im jerusalemer Bezirksgericht, heute früh (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)




