Doch Oren Shalom und seine Frau Avishai sind in der Negev-Wüste zu Hause, sie haben fünf Kinder. „Sicherheit hat nicht unbedingt mit einem sicheren Ort zu tun. Zuallererst hat Sicherheit mit dem Ort zu tun, an den Gott dich sendet, es ist auch der Ort, für den du sterben würdest. Das macht den Unterschied aus für uns als Familie und für all die Menschen, die hier leben“, sagt Oren. Unter anderem pflegt er den Weinberg unserer Leser in der Wüste. Lesen Sie die erste Folge eines dreiteiligen Berichts.
Ich war immer überzeugt davon, dass ich nicht für mich selbst lebe. Noch nicht einmal ausschließlich für meine Familie. Ich muss meinen Beitrag für mein Land und für mein Volk leisten. Meine Großeltern mütterlicherseits sind mein größtes Vorbild. 1912 kamen sie aus dem Jemen nach Israel. Sie waren aktive Zionisten, Großvater arbeitete mit Ben Gurion zusammen. Es lag ihm am Herzen, dieses Land aufzubauen. Später kehrte er der Politik den Rücken und gründete den Moschav Beer Milka, wurde Bauer. Er war ein geistlicher Mann und hat mich sehr inspiriert. Wenn er gefragt wurde, warum er Alijah gemacht habe, war seine Antwort: „Dies ist die richtige Zeit!“ Er hatte ein Gespür für die Zukunft und wusste, dass die Zeit gekommen war, dass alle Juden ins verheißene Land zurückkehren sollten. Seine Tochter, meine Mutter, lehrte mich und meine vier Brüder, Israel zu lieben.
In meiner Jugend war ich in der zionistischen Jugendbewegung. Die Armee war für mich kleinen Jungen ein erstrebenswertes Ziel. Ich wollte ein Kämpfer sein. Und mein Traum wurde wahr. Heute diene ich in der Reserve, aber ich bin immer noch aktiv an der Verteidigung meines Landes beteiligt. Nicht nur in dem Moschav, in dem wir leben, sondern das gesamte Gebiet entlang der Grenze zu Ägypten.
Vor nicht langer Zeit haben wir ein Anti-Terror-Team aufgestellt, ein Spezialkommando aus zwanzig ehemaligen Armee-Kämpfern, die alle aus den fünf Dörfern der Umgebung stammen. Der IS oder Daesch, wie wir ihn nennen, befindet sich gleich auf der anderen Seite der Grenze. Unser Team ist daher unverzichtbar. Wir sind bei der israelischen Armee angestellt, unser Einsatzgebiet beschränkt sich aber auf unsere Gegend. Alle Mitglieder unseres Teams haben in der israelischen Armee in Spezialeinheiten gedient. Es sind die besten Kämpfer, die man sich wünschen kann.
Die Kämpfe zwischen der ägyptischen Armee und dem IS auf der Sinai-Halbinsel sind manchmal so nahe, dass man sie von unserem Haus aus sehen kann. Es ist äußerst wichtig, immer in Alarmbereitschaft zu sein. Da die Muslimbruderschaft in Kairo nicht mehr das Sagen hat, haben wir genauso viel Interesse daran, den IS zu bekämpfen, wie die ägyptische Armee. Doch auch die Hamas ist auf der Sinai-Halbinsel aktiv, weil sie darauf aus ist, Israel zu attackieren. Letztendlich sehen alle extremen islamischen Gruppen Israel als Haupt-Angriffsziel.
Meine Kinder sind an die Situation gewöhnt, wie alle Familien in dieser Nachbarschaft. Wenn etwas passiert, wissen sie, was zu tun ist, selbst wenn sie noch klein sind. Unsere Frauen waren alle in der Armee und bleiben ruhig und konzentriert, wenn etwas passiert.
Für die Menschen, die in den Städten leben, ist es sehr schwer nachzuvollziehen, wie wir leben. Selbstverständlich lieben wir den Frieden, aber wir haben dieses Leben gewählt, als wir in den Negev gezogen sind. Wir sind wachsamer als normal, wie es auch nicht normal ist, ständig mit einer Waffe herumzulaufen. Ich hoffe und bete, dass dies eines Tages nicht mehr nötig sein wird.
Trotz allem sind wir frei und glücklich und mit unserem Leben zufrieden. Der Bezug zum Land gibt innere Freiheit. Man weiß, wofür man lebt. Ich weiß nicht, wie ich leben würde, hätte ich dieses Zugehörigkeitsgefühl nicht. Ich bin gläubig und vertraue auf Gott, weiß aber auch, dass dieses Land ein Teil davon ist. Man kann seinen Glauben nicht von dem Ort, den Gott einem zum Leben gegeben hat, trennen. Das Land ist ein Teil der gesamten Komplexität der Menschheit. Das ist die jüdische Denkweise. Wie man Geist, Seele und Leib nicht trennen kann, kann man auch uns nicht vom Land trennen.




