„Wer verbrennt Felder, auf denen er arbeitet?“

In Israel erwägt man, zunächst 5000 Menschen aus Gaza die Möglichkeit zu geben, auf der anderen Seite des Grenzzaunes zu arbeiten.

von Dov Eilon |
Feld
Ein Feld im Grenzgebiet zum Gazastreifen Foto: Nati Shohat/Flash90

Die israelischen Sicherheits-Institutionen befassen sich zurzeit mit der Frage, ob man zunächst einmal 5000 Bewohner des Gazastreifens im Rahmen eines Testprojekts die Erlaubnis geben soll, die Grenze nach Israel zu überschreiten, um dort in den anliegenden israelischen Orten zu arbeiten.

Dass man überhaupt damit begonnen hat, über diese Möglichkeit zu diskutieren, zeigt, dass sich die Lage im Süden, die Spannung zwischen der Hamas und Israel, beruhigt zu haben scheint. Nach dem Vorfall, bei dem ein Hamas-Angehöriger von einem israelischen Soldaten erschossen wurde, obwohl dieser sich darum bemühte, arabische Demonstranten von Grenzzaun fernzuhalten, hat die israelische Armee ihre Anweisungen bezüglich des Schießbefehls auf Menschen, dies sich dem Grenzzaun nähern, geändert. Nun ist es den Sicherheitskräften der Hamas, die für eine Beruhigung am Grenzzaun sorgen wollen, erlaubt, sich auch bewaffnet in der Nähe des Grenzzaunes aufzuhalten.

Auch die recht zurückhaltende Reaktion der Hamas auf den Vorfall zeigt, dass es einen Dialog zwischen den Seiten geben muss. Die Hamas schoss am Freitagabend zwei Raketen auf offene Gebiete (schließlich musste reagiert werden) und schien nicht an einer weiteren Eskalation interessiert zu sein.

Medienberichten zufolge ist der israelische Sicherheitsdienst noch etwas skeptisch in Bezug auf die Frage, ob man 5000 Arbeitern aus Gaza eine Arbeitserlaubnis geben soll. Man befürchtet, einige dieser Arbeiter könnten ihre Aufenthaltserlaubnis in Israel für terroristische Zwecke ausnutzen.

Die israelische Armee unterstützt dieses Projekt allerdings. „Die Menschen in Gaza werden es vorziehen, in Israel zu arbeiten, anstatt Terror-Tunnel zu graben“, sagte ein Sicherheits-Beamter. Jeder der 5000 Arbeiter würde sich einer gründlichen Sicherheitskontrolle unterziehen müssen, sowohl bei der Einreise wie auch bei der Rückkehr in den Gazastreifen, erklärte der israelische Beamte. In Israel würden die Arbeitskräfte aus dem Gazastreifen um die 5300 Shekel im Monat verdienen im Vergleich zu den 1000 Shekel, das durchschnittliche Monatsgehalt im Gazastreifen. Ein besseres Gehalt bedeute auch eine größere Kaufkraft und damit einen Anschub für die Wirtschaft in Gaza.

Auch auf israelischer Seite würde es sich lohnen, Arbeiter aus dem Gazastreifen zu beschäftigen. Sie wären billiger als die Gastarbeiter aus Thailand, die momentan auf den Feldern im Süden Israels beschäftigt sind. Ein weiterer Gewinn sei die Annahme, das man seitens der Bewohner des Gazastreifens wohl kaum mehr daran interessiert sei, die israelischen Felder in Brand zu stecken, wenn doch genau diese Felder die Verdienstgrundlage für sie seien würden. „Niemand will Felder verbrennen, auf denen man arbeitet.“

Sollten die 5000 Arbeiter aus Gaza die Arbeitserlaubnis am Ende erteilt bekommen, wäre dies zunächst ein Test. Sollte er erfolgreich sein, könnten weitere Bürger aus dem Gazastreifen auf eine Arbeit jenseits des Grenzzauns hoffen. Hunderttausende warten dort auf die Möglichkeit, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Beide Seiten würden nur daran gewinnen.

 

Mehr Geld, mehr Umsatz – Markt in Gaza (Foto: Hassan Jedi/Flash90)

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox