Meine kleine weiße Kippa

„Was hat es für einen Sinn, unser jüdisches Erbe zu huldigen und in Israel zu leben, wenn wir Angst haben, als israelische Juden zu leben?”

Auf dem Weg zur Synagoge in Istanbul griff ich in meine Jackentasche, setzte meine Kippa auf, zögerte und sah mich um. Hat mich jemand gesehen? Schämte ich mich, jüdisch zu sein?

Im Gegensatz zu meinem Zuhause in Israel war niemand auf der belebten Straße jüdisch. Die Kippa aufzusetzen würde mich bloßlegen. „Ist es notwendig, mich öffentlich zur Schau zu stellen? Warum sollte ich darauf hinweisen, dass ich Jude bin? Warum nicht warten, bis ich in der Sicherheit der Synagoge bin?“, fragte ich mich.

Ich habe nicht gezögert, weil ich mich schäme, jüdisch zu sein. Ich habe über 30 Jahre lang studiert, ausführlich geschrieben, Vorträge gehalten und argumentiert, dass Jesus mich jüdischer gemacht hat, nicht weniger. Ich bin stolz auf mein jüdisches Erbe und meinen jüdischen Messias.

Warum störte mich eine kleine weiße Seidenkippa so sehr? Ich nehme an, ich habe mich gefragt, wie viel es mir bedeutet, Jude zu sein und wie sehr ich als Jude auffallen wollte. Als ich an dieser Straßenecke stand, habe ich verstanden, dass ich nur als Jude leben konnte, wenn ich bereit bin, mich den Konsequenzen, die daraus entstehen, zu stellen.

Sogar auf der Reise in die Türkei wurde ich mit der schmerzlichen Wahrheit konfrontiert, dass es an vielen Orten der Welt gefährlich sein kann, wenn man jüdisch oder israelisch ist. Einige der messianischen Freunde, mit denen ich unterwegs war, hatten amerikanische Pässe dabei. Sie sagten, es sei einfacher, als Amerikaner einzureisen. „Warum sind Sie nach Israel ausgewandert, wenn Sie sich hinter Ihrer US-Staatsbürgerschaft verstecken”, fragte ich sie. „Was hat es für einen Sinn, unser jüdisches Erbe zu umarmen und im gelobten Land zu leben, wenn wir Angst haben oder uns schämen, als israelische Juden zu leben?”

Als ich schließlich meine kleine Kippa aufgesetzt hatte und mich umsah, war es, als hätte eine göttliche Hand meinen Kopf angehoben, und ich konnte über die überfüllten Straßen und den lauten türkischen Markt hinwegsehen. Ich habe verstanden, dass das Leben als Jude in einer feindlichen Welt der einzige Weg ist, die Dinge zu erhalten, die mir wichtig sind. Dass ich das Wunder und die Schönheit, Jude oder Anhänger von Jesus zu sein, niemals wirklich erfahren würde, bis ich den Mut hatte, für meinen Glauben aufzustehen, wenn es darauf ankommt.

Das Aufsetzen meiner kleinen Kippa zwang mich, mich mit meinem Volk zu identifizieren und es zu vertreten, als ich langsam auf die Ahrida-Synagoge zuging, die älteste und schönste Synagoge in Istanbul, die vor der muslimischen Eroberung im Jahr 1453 gegründet wurde und bis heute ständig in Gebrauch ist.

Bild: Kuppel der Synagoge in Istanbul (Foto: Creative Commons)

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