Krankenhausdirektor will „unmoralische“ COVID-Auffrischungsimpfung nicht

Der stellvertretende Leiter eines der größten Krankenhäuser Jerusalems hat am Sonntag für Aufsehen gesorgt, als er ankündigte, eine dritte Dosis des COVID-19-Impfstoffs abzulehnen – zumindest vorläufig.

von Israel Heute Redaktion |
Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Professor Dan Turner ist stellvertretender Direktor des Shaare Zedek Medical Center, und mit der Entscheidung der Regierung von letzter Woche, Bürgern über 50 Jahren Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus anzubieten, ist er nun berechtigt, diese dritte Impfung in Anspruch zu nehmen.

Premierminister Naftali Bennett ist fest davon überzeugt, dass die vollständige Impfung aller israelischen Bürger und die Durchführung von Auffrischungsimpfungen für alle Menschen der Schlüssel zur Verhinderung eines weiteren Lockdowns und zur Bekämpfung der Delta-Variante ist.

Israel war das erste Land, das eine COVID-19-Auffrischungsimpfung zugelassen und mit deren Verabreichung begonnen hat, und fast eine Million Bürger haben bereits die dritte Dosis erhalten.

Prof. Turner lehnt dies derweil ab. „Ich habe viel über diese sehr komplexe Angelegenheit nachgedacht“, sagte er gegenüber Channel 12 News. „Es ist ein Konflikt zwischen wissenschaftlichen, ethischen und humanitären Erwägungen – daher habe ich beschlossen, eine dritte Dosis zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu akzeptieren.“

Mehr noch, Turner glaubt nicht, dass irgendjemand jetzt eine Auffrischungsimpfung bekommen sollte. „Die Entscheidung Israels, eine dritte Dosis anzubieten, ist sehr beunruhigend, wenn man bedenkt, dass es andere Länder gibt, die noch nicht mit einem Impfprogramm begonnen haben“, so Turner weiter.

Der Professor erklärte, dass er und seine Kollegen sich als Ärzte darauf konzentrieren sollten, alle Kranken zu heilen. Und das gilt auf globaler Ebene. Israel und andere wohlhabende Nationen sollten ihren eigenen Bürgern keine nationale Priorität einräumen, betonte er.

„Die Worte des Chefs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) klingen wie ein Protest, der zum Himmel schreit: Es gibt Länder, in denen nur ein Prozent der Bevölkerung geimpft ist. Israel gibt jetzt eine dritte Impfung aus, und das ist weder richtig noch moralisch“, schloss Turner.

Letzte Woche hatten hochrangige WHO-Beamte Israel und eine kleine Handvoll anderer Länder indirekt dafür gerügt, dass sie ihre Bevölkerung übermäßig impfen, obwohl ein Großteil der Welt noch nicht in der Lage ist, eine ausreichende Menge an Impfstoffdosen zu erhalten. Darüber hinaus stellten sie fest, dass Behauptungen wie die von Bennett, wonach Auffrischungsimpfungen notwendig seien oder sich sogar positiv auf die Infektionsraten auswirken würden, wissenschaftlich nicht haltbar seien.

Israel hat sich in dieser Angelegenheit gegenüber der WHO taub gestellt.

Auf einer Dringlichkeitssitzung des Corona-Kabinetts in der vergangenen Woche ging Wohnungsbauminister Ze’ev Elkin so weit, dass er vorschlug, jedem Israeli, der für die Auffrischungsimpfung in Frage kommt, diese aber verweigert, den „Grünen Pass“ (Impfbescheinigung) zu entziehen.

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