Jerusalem, wir haben ein Problem

Netanjahus rechtliche Probleme haben Israels rauhen Wahlkampf auf beispiellose Weise an den Rand des Wahnsinns gebracht.

Manchmal wünschte ich, ich wäre auf dem israelischen Raumschiff, das vor etwas einer Woche zum Mond gestartet ist. Aber ich befinde mich noch immer inmitten des manchmal anregenden, meist frustrierenden, nicht ganz so fröhlichen Rennen eines weiteren israelischen Wahlkampfes.

Die Kandidaten schmeicheln sich erneut damit, wie sie auf wundersame Weise unsere Nation schützen, unsere Spaltungen heilen und für jedes Interesse sorgen werden. Und im nächsten Atemzug nehmen sie sich mehr Zeit dafür, ihre Gegner anzugreifen, als realistische Lösungen anzubieten. Wir müssen wieder einmal eine Seite wählen, mit den Fingern zeigen, wie schrecklich die andere Seite ist, und einen Kandidaten auswählen, der weniger schlecht ist als der sehr schlechte. Flieg mich zum Mond…

In den letzten Tagen ging der größte Teil der Kritik von allen Seiten in Richtung “Otzma Yehudit” (Jüdische Kraft). Dafür wird die Rassismuskarte eingesetzt und die Angst, dass Kahana aus dem Grab zurückkommen könnte, um uns zu jagen. Ist es rassistisch, Israel zu einem jüdischen Staat zu erklären und zu fordern, dass alle Bürger, einschließlich der Araber, unserer Flagge die Treue halten? Ist es falsch, Israel von den Terroristen und ihren Unterstützern zu befreien, die offen unsere Zerstörung fordern und unseren Lebensstil bedrohen?

Ein bekannter Rabbiner (ich erwähne lieber keine Namen) verglich “Otzma Yehudit” mit den Nazis. Hier bei uns kann man niedriger nicht gehen. Eine solche Sprache zu benutzen ist, als würde man “eine Mücke ausspucken und ein Kamel verschlucken” – man sinkt in die eigene Grube der Selbstzerstörung.

Während ich dies schreibe, haben wir gerade erfahren, dass Netanjahu wegen möglicher Korruption angeklagt wird, und in einem Atemzug wurden die Chöre aller politischen Seiten gegen unseren Premierminister entfesselt. Noch bevor die Gerichtsverhandlung begonnen hat, sind der vorhergesehene Spott, die Anschuldigungen und das ungezügelte Zeigen mit den Fingern gelöst und füllen die Titelseiten der heutigen Tageszeitungen.

Warum fällt es uns so schwer, unsere Aufmerksamkeit auf die wirklichen und harten Fragen zu richten, mit denen wir alle in dieser Nation zu kämpfen haben? Warum sprechen wir nicht über ehrliche Lösungen für unsere Verteidigungsbedürfnisse, unsere überfüllten Schulen, Krankenhäuser und Autobahnen? Können wir nicht unsere ständigen Kämpfe gegen den anderen beilegen und gemeinsam besprechen, wie wir unseren jungen Leuten helfen können, nachdem sie im Militärdienst ihr Leben riskiert haben, um uns zu schützen, einen guten Job zu finden oder genug zu verdienen, um eine Wohnung in unserem wahnsinnig überteuerter Immobilienmarkt kaufen zu können?

Oder wie wäre es mit ein paar Worten zu den in Kürze anstehenden US-Friedensvorschlägen? Hat jemand ein Wort darüber gehört, was Netanjahu oder einer der anderen Kandidaten über den Trump / Kushner-Plan denkt? Es scheint, dass unsere Politiker sich so sehr gefürchtet haben, zu allem Stellung zu nehmen, dass sie am Ende für nichts stehen. Im heutigen politischen Klima ist es einfacher, Ihren Gegner niederzuschlagen, als sich zu äußern und krotisiert zu werden.

Vielleicht finden wir den bösartigen Schlamm, der täglich über unsere Bildschirme verschmiert wird, unterhaltsam. Vielleicht genießen wir etwas zu sehr die skandalöse Sensationslust des Kampfes, weil er unsere eigenen Frustrationen und Wut widerspiegelt. In jedem Fall fällt es schwer, sich vorzustellen, wie ein Politiker freiwillig auf die Möglichkeit verzichten würde, zu beleidigen und zu beschimpfen, solange wir bereit sind, seinen Schlamm zu schlucken.

Vielleicht ist eine Reise zum Mond doch keine so schlechte Idee. Es ist still. Kein Fernsehen, keine Telefone. Ich wette, ich bekomme eine viel klarere Sicht auf die wirklichen Probleme, über die wir sprechen könnten, und möglicherweise auch einige echte Lösungen. Zumindest habe ich gehört, dass die Erde aus dem Weltall viel besser aussieht.

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