Israelische Millennials haben kaum Hoffnung auf Frieden

Einer Studie zufolge sind zwei Drittel der Israelis der Meinung, dass der israelisch-palästinensische Konflikt nie enden wird.

Israelische Millennials haben kaum Hoffnung auf Frieden
Nati Shohat/Flash90

Die meisten israelischen und palästinensischen Millennials gehen davon aus, dass der Konflikt nie enden wird. Im Vergleich zu anderen Konflikten auf dieser Welt sei die Generation Millennial in Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt die am pessimistischsten eingestellte, fand eine Studie des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) heraus.

Die Studie wurde unter mehr als 16.000 jungen Leuten durchgeführt, die nach 2000 geboren worden sind, also eben jener Generation zugeordnet werden. Die Teilnehmer kamen aus 16 verschiedenen Ländern und Gebieten, die momentan konfliktbeladen sind, darunter auch aus Israel. Die gestellten Fragen bezogen sich unter anderem auf die Einstellung der Teilnehmer zu Krieg allgemein, zur Zweckdienlichkeit bewaffneter Kämpfe und Werte, die den Standards des internationalen Humanitären Völkerrechts entsprechen.

Die Antworten der israelischen und palästinensischen Millennials waren besonders ergreifend. Zwei Drittel (65 %) der Israelis glauben, dass der israelisch-palästinensische Konflikt nie enden wird. Sie sehen die Möglichkeit, dass ihr Problem eines Tages gelöst werden wird, damit am pessimistischsten von allen Teilnehmern. Nur 18 % der jungen Israelis glauben, dass der Konflikt noch in ihrer Lebenszeit enden wird. Nur 8 % denken, der Konflikt könnte in den nächsten 20 Jahren gelöst werden.

Palästinensische Millennials sind auch pessimistisch, jedoch weniger als die Israelis. 52 % glauben, der Konflikt werde nie enden. 17% glauben, er werde noch zu ihren Lebzeiten enden und 11 % sagen, der Konflikt könnte in den nächsten 20 Jahren beigelegt werden. Fast niemand der Israelis oder Palästinenser glauben an ein Ende des Konflikts in den nächsten fünf Jahren.

 

Lauert der 3. Weltkrieg schon am Horizont?

Die Ergebnisse der Studie weisen auf die großen Sorgen hin, die die Millennial Generation plagen. Darunter ist auch die Befürchtung, dass es eine reale Möglichkeit auf einen großflächigen Krieg in ihrer Lebenszeit geben werde. Die starken Spannungen im Nahen Osten scheinen diese Sorgen nur noch zu verstärken. Fast die Hälfte aller Studienteilnehmer rechnen damit, dass bald ein dritter Weltkrieg ausbrechen werde. Unter den israelischen Millennials sind 56 % davon überzeugt, dass dieser Weltkrieg kurz bevor stehe.

„Diese Angst der Generation Millennium könnte den derzeitigen Anstieg in der rhetorischen Polarisierung und Entmenschlichung reflektieren“, sagte IKRK-Präsident Peter Fan. „Sollten sich die Befürchtungen der Generation Millennial in Bezug auf den 3. Weltkrieg bewahrheiten, wird es weltweit enormes Leid und Elend geben.“

Gleichzeitig ist die breite Mehrheit der Teilnehmer aller Länder (insgesamt 75 %; darunter Israelis 82 % und Palästinenser 51 %) der Meinung, dass ein Krieg eingeschränkt werden müsse. 61 % der Israelis und 59 % der Palästinenser denken, dass Zivilisten bei Kämpfen so weit wie möglich verschont werden müssen. 32 % der Israelis und 22 % der Palästinenser sind der Überzeugung, dass Kämpfer „das tun müssen, was nötig ist, um das Ziel zu erreichen“, egal wie viele zivile Opfer dies mit sich bringen würde. 15 % der Studienteilnehmer anderer Länder stimmten dieser Aussage zu.

 

Worüber sorgen sich Millennials am meisten?

Junge Israelis (69 %) sehen den Terrorismus als größtes Problem, mehr als Krieg und bewaffnete Konflikte (49,2 %), Armut (46 %) oder Korruption (41,2 %).

Unter den Palästinensern ist die Arbeitslosigkeit mit 63 % die größte Sorge, danach kommen Korruption (51,5 %), Armut (48 %) und eine schwache Wirtschaft (46 %).

60 % der Israelis glauben, dass es genauso wichtig ist, auf die emotionalen Nöte der Opfer einzugehen, wie auf medizinische Notfälle.

Im weltweiten Vergleich sind Israelis mit den Genfer Konventionen weitaus vertrauter. 73 % gaben an, die Artikel zum Schutz von Zivilisten im Falle bewaffneter Konflikte zu kennen. Allerdings ist das Vertrauen in die Wirksamkeit dieses Abkommens nicht sehr hoch. Nur 43% der Israelis (weltweit 54%) glauben, dass die Konventionen das Leid im Falle eines Krieges letztendlich auch wirklich mindern können.

Wollen Sie mehr Nachrichten aus Israel?
Kicken Sie hier für unseren täglichen freien Newsletter.

Kommentare: