Israel Heute Morgen – „Wo kommst du eigentlich her?“

Israel ist so einzigartig und originell wie kein anderes Land.

Jaffastrasse in Jerusalem Regen
Yonatan Sindel/Flash90

Vor 16 Jahren sind wir (meine Eltern und meine Geschwister) als Deutsche zum Judentum konvertiert und nach Israel eingewandert. Vor der Abreise sagte uns die Frau von dem Gemeinderabbiner, dass wir vorsichtig sein sollen, die Israelis seien „sehr warmherzig“, ja geradezu aufdringlich… So kommt man im Supermarkt im Gespräch mit einer Frau, die man noch nie zuvor gesehen hat, schnell zu Themen wie „Was arbeitet dein Mann?“, „Habt ihr schon eine Wohnung gekauft?“, oder „Wie lange seid ihr schon verheiratet und wie viel Kinder habt ihr?“, in Deutschland würde das einem natürlich nicht passieren.

Wir leben als Familie jüdisch orthodox und ich fahre jeden Tag in einem orthodoxen Bus zur Arbeit, die Männer vorn, die Frauen hinten (ich finde es angenehm). Aber nicht alles ist so, dass man es sich gleich annimmt. So sitzen bei der „Frauenabteilung“ im Bus ein Großteil der Frauen mit Perücke, ich möchte meine Haare jedoch nicht mit „Haaren“ bedecken, so trage ich ein Kopftuch.

Was ich in Israel am meisten mag, ist die Vielfältigkeit, auf der Straße läuft einem so gut wie alles über den Weg: orthodoxe Juden, Nonnen, Muslime, unreligiöse Juden, philippinische Gastarbeiter, ausländische Volontäre; an jeder Ecke hört man eine andere Sprache: Hebräisch, Englisch, Französisch, Arabisch und auch viel Deutsch! Fast jeden Tag auf dem Nachhauseweg begegne ich deutschen Touristen. Die Jaffa-Straße in Jerusalem kommt mir langsam wie New York vor, man kommt nicht mehr durch die Straßen!

Israel ist außerdem so einzigartig und originell wie kein anderes Land. So hielt letztens der Busfahrer mitten auf der Straße an und schrie zum Bäcker am Straßenrand: „Wie viel kostet der Kuchen da?“ „19 Schekel!“, schrie es aus der Bäckerei zurück (ziemlich teuer für einen Kuchen muss ich zugeben). „Bring mir den Kuchen und 1 Schekel!“, ruft wiederum der Busfahrer. Zum Glück beeilt sich der Verkäufer, etwas gestresst vom Hupkonzert hinter dem Bus. Im Bus angekommen erhält der Verkäufer anstelle von einem „Danke“ die Frage „Gibt es bei euch keine Tüten?“, beide verabschieden sich lachend und der Busfahrer ist so nett und fährt weiter…

Die Standardfrage in Israel ist: „Wo kommst du eigentlich her?“ Wenn man aus Deutschland kommt, hat man in der Regel nur zwei Antworten. Entweder man stammt von Holocaustüberlebenden ab oder ist konvertiert. Ist man konvertiert, kommt dann auf die Antwort ein Berg von weiteren Fragen und auch „Antworten“. So meinen die einen „Haben wir denn nicht schon genug Juden in Israel?“ oder „Wow!“ Man rollt entweder den roten Teppich aus oder meint nur arg mürrisch „Mir fällt es schon schwer das alles einzuhalten, warum tust du dir das freiwillig an?“ Auf jeden Fall entwickeln sich daraus immer sehr interessante Diskussionen.

Was das Wetter betrifft, seit gestern Nachmittag regnet und donnert es hier fast pausenlos. Ob das noch lange so weitergehen wird? Hier ist das Wetter für heute in Israel:

Vom Norden bis Zentrum des Landes Regenfälle und Gewitter. An der Küste und in der Tiefebene akute Gefahr von Überschwemmungen. Auf dem Hermon Berg wird es weiter schneien. Kalt. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 7 Grad, Tel Aviv 13 Grad, Haifa 12 Grad, Tiberias am See Genezareth 12 Grad, am Toten Meer 20 Grad, Beersheva 14 Grad, Eilat am Roten Meer 19 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist seit gestern um beeindruckende 23 Zentimeter (!) angestiegen und liegt jetzt bei -211.10 m unter dem Meeresspiegel.

So, jetzt muss ich weiter arbeiten, denn wir haben uns viele neue Projekte für unsere Kunden ausgedacht. Nach Feierabend eile ich dann nach Hause zu meinen 8 Kindern. In Deutschland werde ich dafür nur belächelt oder für verrückt gehalten, in Israel hingegen umarmt und als „tüchtige Frau“ bezeichnet, hier sind Kinder noch ein Segen. Da ziehe ich meine 8 halb deutschen Kinder doch lieber in Israel auf…

Ich und meine Kollegen von Israel Heute wünschen Ihnen jetzt einen angenehmen Donnerstag.

Shalom aus Jerusalem!

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