Israel Heute Morgen – Dürfen wir feiern?

Wir leben in einer fast unmöglichen Realität. Daher weiß ich gar nicht, mit welchen Worten ich diesen Tag beginnen soll. Dürfen wir feiern trotz der Ereignisse im Gazastreifen? Wir Israelis nehmen jeden Grund zum feiern gerne an, wir scheinen das einfach zu brauchen. Das Wetter: Es wird immer wärmer.

Guten Morgen liebe Leser!

Wir leben in einer fast unmöglichen Realität. Daher weiß ich gar nicht, mit welchen Worten ich diesen Tag beginnen soll. Bei den gestrigen Unruhen an der Grenze zum Gazastreifen sind letzten Berichten zufolge 58 Menschen ums Leben gekommen. Gleichzeitig wurde hier in Jerusalem die Eröffnung der neuen amerikanischen Botschaft gefeiert. Und am Abend feierte Netta mit 20.000 Fans auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv Israels Sieg bei der „Eurovision“ (siehe Titelbild mit Video).

Es mag im Ausland keinen guten Eindruck gemacht haben, dass bei uns gestern gefeiert wurde, in Jerusalem und in Tel Aviv, während im Gazastreifen 58 Menschen ums Leben kamen und mehr als 1000 verletzt wurden. Für die Welt mag es sogar unmöglich erscheinen, ich habe viele sehr sehr kritische Kommentare in den Netzwerken gelesen. „Kriegsverbrecher“, „Terroristen“ und „Kindermörder“ waren nur einige der Worte, mit denen wir, die Israelis bezeichnet wurden.

Wie soll ich also diesen Tag beginnen? Es ist eben nicht alles schwarz oder weiß, die Realität ist ganz anders, als viele im Ausland denken mögen. Es waren eben keine friedlichen Demonstranten, die gestern zu zig tausenden auf den Grenzzaun zugingen, Steine und Molotov-Cocktails warfen und begannen, den Zaun zu zerschneiden, um die Grenze nach Israel zu durchbrechen und dann vielleicht in eines der israelischen Kibbutzim einzudringen, wie die Hamas gestern gedroht hatte. Man würde nicht alleine sterben, hieß es in einem von ihr veröffentlichten Video. Jeder, der sich gestern dem Grenzzaun näherte, war sich der Gefahr bewusst, die israelische Armee hatte mehrmals davor gewarnt. Aber anscheinend zogen viele die 100 Dollar, die die Hamas jedem Teilnehmer an den Protesten versprochen hatte, ihrem eigenen Leben vor. Wahnsinn. Niemand hätte gestern ums Leben kommen müssen. Wann erkennt die Welt endlich, dass es die Hamas ist, die den Gazastreifen zusammen mit seinen Bürgern kaputt macht, tötet?

Drei Schlagzeilen für drei Ereignisse von gestern in der Zeitung Jediot Achronot: „Historischer Tag“ (Jerusalem), „Kampftag“ (Gaza) und „Spielzeug (Toy)-Tag“ (Tel Aviv)

Trotz allem wurde gestern auch gefeiert, erst die Eröffnung der amerikanischen Botschaft, ein wirklich historischer Moment, und am Abend dann Israels Sieg beim Eurovision Song Contest. 20.000 Menschen versammelten sich gestern Abend auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv, um zusammen mit Netta den Sieg zu feiern. Endlich hatten wir wieder einen Grund, auf dem Rabin-Platz, der so oft ein Ort der Tauer ist, zu feiern. Für den Außenstehenden mag diese Feier eines Sieges bei der „Eurovision“ als übertrieben erscheinen. Aber wir scheinen manchmal einfach einen Grund zum Feiern zu brauchen. Es scheint uns ein Gefühl des Zusammenhalts zu geben, gerade jetzt in dieser nicht einfachen Zeit, wo wir vom Norden und Süden bedroht werden. Und es wurde gefeiert, ausgiebig. Und im nächsten Jahr dann in Jerusalem.

Vom Wetter gibt es nicht viel zu erzählen, es hat sich etwas beruhigt. Es soll wärmer werden, viel wärmer, jeden Tag etwas mehr.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen, die nun normal für die Jahreszeit sind. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 24 Grad, Tel Aviv 25 Grad, Haifa 23 Grad, Tiberias am See Genezareth 31 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Beersheva 29 Grad, Eilat am Roten Meer 34 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei -213.365 m unter dem Meeresspiegel.

Und jetzt kann ich nur hoffen, dass es heute endlich wieder ruhiger werden wird, ein Menschenleben ist mehr als 100 Dollar wert. Ich wünsche Ihnen und uns einen angenehmen und sehr ruhigen Dienstag. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov