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Internationale Polizeivertreter gedenken in Berlin der Reichspogromnacht

Bei einer Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge in Berlin erinnerten internationale Polizeivertreter an die Novemberpogrome von 1938. Der 94-jährige Holocaust-Überlebende George Shefi berichtete von seinen Kindheitserlebnissen und warnte vor dem zunehmenden Antisemitismus.

Die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße in Berlin. Hier erinnerten internationale Polizeivertreter an die Reichspogromnacht von 1938. Foto: Adobe Stock

Anlässlich des bevorstehenden 88. Jahrestages der Reichspogromnacht haben sich am Donnerstag internationale Polizeivertreter in der Neuen Synagoge in Berlin versammelt. Teilnehmer aus Deutschland, anderen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten erinnerten an die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 und befassten sich mit der Verantwortung der Sicherheitsbehörden für den Schutz jüdischen Lebens.

Die Veranstaltung unter dem Motto „Nicht unter unseren Augen – ‚Nie wieder‘ in die Tat umsetzen“ wurde im Rahmen einer internationalen Initiative gegen Antisemitismus organisiert. Zu den beteiligten Organisationen gehörten die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Jüdische Gemeinde zu Berlin und der Internationale Marsch des Lebens.

Die Gedenkveranstaltung sollte ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und für die Sicherheit jüdischer Gemeinden setzen. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus müsse mit konkreter Verantwortung in der Gegenwart verbunden werden.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke, betonte bereits im Vorfeld der Veranstaltung, dass jüdisches Leben untrennbar zu Deutschland gehöre. Es sei nicht hinnehmbar, wenn Juden Angst haben müssten, ihre Religion offen auszuüben, eine Synagoge zu besuchen oder ihre Kinder in jüdische Einrichtungen zu schicken.

Kopelke warnte zugleich vor dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten dürfe sich nicht auf Gedenkveranstaltungen beschränken. Entscheidend sei, heute Verantwortung zu übernehmen und jüdisches Leben konsequent zu schützen.

Er verwies zudem auf die besondere historische Verantwortung Berlins. Die Stadt, von der die systematische Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden maßgeblich ausging, müsse heute ein Ort sein, an dem jüdisches Leben ohne Angst sichtbar stattfinden könne.

Holocaust-Überlebender kehrt nach Berlin zurück

Zu den Rednern gehörte auch der 94-jährige Holocaust-Überlebende George Shefi, der als Kind die Reichspogromnacht von 1938 in Berlin erlebt hatte.

Als damals fast Siebenjähriger musste er miterleben, wie die Synagoge seiner Schule in Flammen aufging. Nun kehrte er nach Berlin zurück, um vor Polizeiführungskräften aus aller Welt über seine Erfahrungen zu sprechen.

Die internationale Gedenkveranstaltung in der Neuen Synagoge in Berlin wurde auch auf YouTube übertragen. Hier ist die Aufzeichnung der Veranstaltung zu sehen:

Einem Bericht der Jerusalem Post zufolge zeigte sich Shefi in seiner Rede tief besorgt über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und weltweit. Polizeibeamte stünden an vorderster Front im Kampf gegen Judenhass und müssten deshalb besonders wachsam bleiben.

Juden seien auch heute vielerorts nicht sicher, warnte der Holocaust-Überlebende. Der Hass auf Juden, den er als Kind erlebt habe, bestehe weiterhin.

Seine Teilnahme verlieh der Veranstaltung eine besondere historische Bedeutung. Während immer weniger Menschen aus eigener Erfahrung über die Verbrechen der Nationalsozialisten berichten können, gewinnt die Weitergabe ihrer Erinnerungen an nachfolgende Generationen zunehmend an Bedeutung.

Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938

Die Wahl Berlins als Veranstaltungsort hatte eine besondere historische Bedeutung. Während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im gesamten Deutschen Reich Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte zerstört und jüdische Bürger misshandelt, ermordet oder verhaftet.

Die brennende Synagoge in Frankfurt am Main während der Novemberpogrome im November 1938. Foto: Center for Jewish History, NYC, Public domain, via Wikimedia Commons.

Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung wurden rund 30.000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Die Pogrome markierten eine weitere Eskalation der nationalsozialistischen Judenverfolgung und einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum Holocaust.

Auch die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße in Berlin wurde während der Ausschreitungen angegriffen. Der Berliner Polizeibeamte Wilhelm Krützfeld griff damals ein und verhinderte, dass ein gelegtes Feuer das Gebäude zerstörte.

Die 1866 eingeweihte Synagoge gehörte zu den bedeutendsten jüdischen Gotteshäusern Deutschlands. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie schwer beschädigt. Heute erinnert das Centrum Judaicum in der teilweise wiederhergestellten Neuen Synagoge an die Geschichte jüdischen Lebens in Berlin.

Krützfelds Eingreifen zeigt, dass selbst während der nationalsozialistischen Herrschaft einzelne Polizeibeamte bereit waren, sich der Gewalt gegen jüdische Einrichtungen entgegenzustellen. Sein Verhalten steht im deutlichen Gegensatz zur Beteiligung großer Teile des damaligen Polizeiapparats an der Verfolgung der Juden.

Internationale Zusammenarbeit gegen Antisemitismus

Die Berliner Gedenkveranstaltung war Teil einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Polizeiorganisationen und jüdischen Einrichtungen. Ziel ist es, die Lehren aus dem Holocaust mit den heutigen Aufgaben der Sicherheitsbehörden zu verbinden.

An der internationalen Initiative sind auch amerikanische Einrichtungen beteiligt, die sich mit Polizeiarbeit, öffentlicher Sicherheit und dem Verhältnis zwischen Sicherheitsbehörden und gesellschaftlichen Gemeinschaften beschäftigen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Polizeiführungskräfte aus der Geschichte lernen und antisemitischen Bedrohungen frühzeitig entgegentreten können. Die internationale Zusammenarbeit soll dazu beitragen, Erfahrungen auszutauschen und den Schutz jüdischer Gemeinden zu verbessern.

Die Gewerkschaft der Polizei sieht darin auch eine Verpflichtung für die deutsche Gesellschaft. Der notwendige Schutz jüdischer Einrichtungen verdeutliche zugleich, dass jüdisches Leben in Deutschland weiterhin besonderen Sicherheitsbedrohungen ausgesetzt sei.

Die Botschaft der Berliner Gedenkveranstaltung richtet sich deshalb nicht allein auf die Vergangenheit. Die Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 soll auch heute zu konkretem Handeln verpflichten. Der Schutz jüdischen Lebens und der entschlossene Kampf gegen Antisemitismus bleiben zentrale Aufgaben von Staat, Polizei und Gesellschaft.

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Patrick Callahan

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