Großes Finale und Neuanfang

Mögen die Worte Gottes unsere Herzen schlagen lassen

von Anat Schneider |
Foto: Yossi Aloni/Flash90

Der große abschließende Thora-Teil (Parashat V’zot habracha) beginnt mit diesen Worten:

„Vor seinem Tod segnete Mose, der Mann Gottes, die Israeliten mit diesen Worten:  Der Herr kam vom Berg Sinai… Feuer fuhr aus seiner rechten Hand… Der Herr liebt die Stämme Israels… Sie werfen sich vor ihm nieder und achten auf seine Worte.“ (5.Mose 33)

Sukkot markiert den Abschluss des traditionellen Jahreszyklus der Lektüre der gesamten Thora (die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel). Dieser Teil besiegelt das Buch 5.Mose. Unmittelbar danach beginnt ein neuer Lese-Zyklus der Thora, wir beginnen wieder in 1.Mose.

Der letzte Thora-Abschnitt aus 5.Mose 33 beginnt mit den Worten des Abschieds von Moses von seinem Volk. Es ist ein Abschied, von einem Ort des Segens, aus einem Gefühl des Wohlbefindens und der Vorsorge heraus, so wie ein Großvater, der im hohen Alter von seinen Kindern und Enkeln Abschied nimmt. Hier haben wir den letzten Willen und das Testament eines geistlichen Vaters für sein Volk. Hier sehen wir, wie Moses seine irdische Reise in einem dramatischen Moment beendet, so wie das Volk seine 40-jährige Reise durch die Wüste abschließt.

Zuerst richten sich Moses‘ Worte an Israel als Ganzes, und dann wendet er sich an jeden einzelnen Stamm. Das erinnert sehr daran, wie Jakob dieselben Stämme in 1.Mose 49 segnete. Jakob sprach jeden Sohn einzeln an. Und nun sind diese Söhne zu Stämmen geworden. Und diese Stämme sind zusammen ein Volk, eine Nation geworden. Die Nation ist dabei, in ihr Land hinüberzugehen, nach Hause zu kommen. Dieser Teil der Thora endet mit dem Tod des größten Anführers Israels, des Mannes, der von Angesicht zu Angesicht mit Gott sprach (5.Mose 34,10) und dieses Volk auf den Weg des Lebens führte.

Was nun? Ist dies das Ende? Bleiben wir mit Mose außerhalb des Verheißenen Landes und trauern um seinen Tod? Wo ist das Happy End?

In der Thora gibt es, anders als in einem klassischen Hollywood-Film, kein vollkommenes Happy End. Tatsächlich gibt es überhaupt kein Ende. Wir beenden die letzten Verse des 5.Buches Mose und kehren sofort zum Anfang der Thora zurück. Für immer und ewig. Was gewesen ist, ist was sein wird (Pred. 1,9).

So symbolisch. So ewig. So unendlich. Mose vollendet. Mose beginnt.

Moses‘ Blick in das Gelobte Land vom Berg Nebo im benachbarten Jordanien.

Jedes Mal, wenn wir lesen, steigt die Spannung, obwohl wir genau wissen, was passieren wird. Es wird Chaos und Dunkelheit herrschen, und es wird Licht sein, und die Schöpfung wird beginnen. Und alles wird vor unseren Augen wieder „neu verkörpert“ werden. Jedes Jahr aufs Neue, alles ist neu… jeden Morgen neu.

Jedes Mal, wenn wir Abschied nehmen müssen, erleben wir wieder eine Trennung. Liebe ist immer neu. Jede Geburt und jeder Tod. Und uns allen, ganz gleich, wo wir sind, wie den Kindern Israel, ist befohlen, jeden Tag neu zu beginnen.

Seid stark und mutig! Wacht auf in der Hoffnung, die Stimme Gottes zu hören, die in die Dunkelheit spricht, und neu anzufangen.

Und jedes Mal, wenn wir das 1.Buch Mose lesen, ist es anders als zuvor. Unsere Perspektiven wachsen und verändern sich langsam. Selbst wenn wir die gleichen Worte lesen, scheinen sie sich mit uns zu verändern. Jeden Tag ist die Sonne neu, eine „andere Art von Gleichem“. Beendet, aber noch nicht das Ende der Geschichte.

Ich für meinen Teil möchte heute jedem von Ihnen einen Glückwunsch-Segen senden, für erneutes Handeln und gute Taten. Mögen Sie spüren, dass Erneuerung in Ihrem Leben pulsiert, Ihren Tag erfüllt, Sie in Ihrer Berufung, in Ihrem Schicksal führt. Mögen Sie voll und ganz, in der Gegenwart, mit Leidenschaft leben und sich auf jeden Augenblick konzentrieren. Mögen Sie schauen und sagen, wie Gott es getan hat: „Es ist sehr gut“. (1. Mose 1,31)

Ich wünsche uns allen für die nächsten 12 Monate in der Bibel viel Glück. Mögen die Worte Gottes unsere Herzen schlagen lassen, und möge jede Lektüre unsere Augen und unsere Seele öffnen, um genau das zu sehen, was wir gerade jetzt sehen müssen.

„Vor seinem Tod segnete Mose, der Mann Gottes, die Israeliten mit diesen Worten:
Der Herr kam vom Berg Sinai,
wie die Sonne erhob er sich über dem Gebirge Seïr.
Über den Bergen von Paran zeigte er sich ihnen in seinem Glanz.
Unzählige Engel begleiteten ihn,
und Feuer fuhr aus seiner rechten Hand.
Der Herr liebt die Stämme Israels,
schützend hält er alle Menschen in seiner Hand, die zu ihm gehören.
Sie werfen sich vor ihm nieder
und achten auf seine Worte.“

(5.Mose 33,1-3)

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