Geteiltes Eis ist halbes Eis

Großzügigkeit ist eine jüdische Tugend, jedoch nicht bei Kindern

Geteiltes Eis ist halbes Eis
Yossi Aloni/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

Kinder müssen das Konzept von privatem Eigentum meist langsam und schmerzlich lernen. Als Baby denken sie, alles gehört ihnen, später lernen sie, dass ihre Geschwister das gleiche denken und man sich irgendwie arrangieren muss. Je älter sie werden, desto mehr verstehen sie, was ihnen gehört, was sie lediglich benutzen dürfen, was sie auf keinen Fall anfassen dürfen, was ihren Geschwistern gehört und so weiter. Es ist gut, wenn Kinder diese Konzepte verinnerlicht haben und die Grenzen des Privatbesitzes deutlich erkennen können.

Als unsere Jüngste lernte, dass es Spielzeug gibt, das nur ihr gehört, sammelte sie ihre eigenen Spielsachen um sich herum und ließ niemanden ran. „Mein!“ schrie sie immer, wenn ihre großen Schwestern auch mit den Sachen spielen wollten. Manchmal erwischte sie eine Schwester mit ihrem Spielzeug, dann riss sie es ihr aus der Hand, rief „Mein!“ und versteckte es in ihrem Bett. Ich habe gelesen, dass dies ein normaler Prozess in der Kinderentwicklung ist und habe es anfangs nicht kommentiert. Später mussten wir ihr jedoch beibringen, auch mal zu teilen.

Denn klare Grenzen des Besitzes sind nur die Basis für eine Eigenschaft, die wir auf hebräisch Chessed nennen. Man könnte diesen Begriff vielleicht mit Liebenswürdigkeit oder Güte übersetzen. Es bedeutet einfach anderen zu helfen, den Menschen Gutes zu tun, also aktiv ein „Geber“ zu sein. Dies war die herausragende Eigenschaft des jüdischen Vorvaters Abraham, dessen Zelt immer für Gäste offen war und der alles tat, um den Menschen Gutes zu tun. Dieser Charakterzug hat sich auf seine Nachkommen vererbt, und zu jeder jüdischen Gemeinde gehört eine Abteilung, die für Wohltätigkeit für Arme zuständig ist. Bereits im 12. Jahrhundert schrieb Moses Maimonides, “Wir haben noch nie eine jüdische Gemeinde gesehen oder von ihr gehört, die keinen Wohltätigkeitsfonds hat.”

Israelis bereiten Lebensmittelpakete für bedürftige Familien vor

In Chessed inbegriffen ist eine Eigenschaft, die wir Großzügigkeit nennen und wir lernen in unserem Thora-Wochenabschnitt, Wajechel-Pekudei, dass die Israeliten in der Wüste würdige Nachkommen Abrahams waren. Als der Bau der Stiftshütte begann, forderte Mose die Israeliten auf, für den Bau zu spenden. Er erklärte genau, was benötigt wurde und hoffte, dass alles zusammenkommen würde:

„Und sie brachten immer noch jeden Morgen ihre freiwilligen Gaben.

Da kamen alle weisen Männer, die an allem Werk des Heiligtums arbeiteten, jeder von seiner Arbeit, die sie machten, und sie redeten mit Mose und sprachen: Das Volk bringt zu viel, mehr als zum Werk dieses Dienstes notwendig ist, das der Herr auszuführen geboten hat!

Da gebot Mose, daß man durch das Lager ausrufen und sagen ließ: Niemand, es sei Mann oder Frau, soll mehr etwas anfertigen als freiwillige Gabe für das Heiligtum! So wurde dem Volk gewehrt zu bringen; denn das Angefertigte reichte aus für das ganze Werk, das zu machen war, und es war noch übrig.“

(2. Mose. 36:3-7)

Die Israeliten hörten gar nicht auf zu spenden! Nicht nur das, Mose und die Handwerker, die an der Stiftshütte arbeiteten, behielten den Überschuss nicht für sich, sondern sagten dem Volk, es solle nicht mehr spenden. Können wir uns einen Politiker vorstellen, der dem Volk sagt, „hört auf zu geben, die Staatskassen sind voll“? (Angenommen es gibt so etwas wie volle Staatskassen)

Das Spenden ist Teil des jüdischen Lebens

Dementsprechend gehört es zur jüdischen Erziehung, das Teilen und Geben sehr ernst zu nehmen, und wie wir wissen, ist der beste Weg Kinder zu erziehen, indem man es ihnen beispielhaft zeigt. Wenn mich jemand auf der Straße oder an unserer Haustür um Geld bittet, habe ich immer einen Schekel für ihn. Das wird mich nicht arm machen, auch wenn vor den Feiertagen ziemlich oft an unsere Tür geklopft wird und Leute um Spenden bitten. Ich gebe meist einem Kind das Geld und es übergibt es dann dem Mann an der Tür. Die Kinder sehen, dass ich großzügig mit meinem Geld bin. Leider kann ich den Männern an der Tür keine Süßigkeiten geben, denn meine Kinder sehen zwar, dass ich Geld gebe, aber heißt das auch, dass sie ihre Süßigkeiten miteinander teilen müssen? Geld schmeckt nicht so gut, man kann es also ruhig weggeben, aber Süßigkeiten?!

Den gedanklichen Schritt von Großzügig mit Geld zu Großzügig mit Süßigkeiten wollen sie einfach nicht vollziehen, und sie streiten sich oft um ihre Süßigkeiten. Dabei sind sie doch Nachkommen Abrahams und es sollte bei ihnen angeboren sein? Vielleicht muss ich einfach nur etwas mehr Geduld aufbringen. Und jetzt das Wetter.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt mit einem weiteren Rückgang der Temperaturen. Am Vormittag vereinzelte Regenschauer vom Norden bis zum nördlichen Negev. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 11 Grad, Tel Aviv 18 Grad, Haifa 16 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 23 Grad, Beersheva 16 Grad, Eilat am Roten Meer 26 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,23  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen noch 43 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. Machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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