Wir Israelis können einander gehörig auf die Nerven gehen. Zu laut, zu neugierig, zu direkt und immer bereit, uns einzumischen. Wir nennen es manchmal selbstironisch unsere große israelische Schechuna, unsere Nachbarschaft. Doch wenn es ernst wird, geschieht etwas Erstaunliches: Aus Einmischung wird Verantwortung, aus Chuzpe wird Mut und aus Fremden werden innerhalb von Sekunden Brüder und Schwestern. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Schechona – Nachbarschaft – und Schechina – Gottes Gegenwart – aus derselben hebräischen Wurzel stammen. Auf dem Flydubai-Flug konnte man erleben, was das bedeutet.
Nicht selten sagen wir das über uns selbst, durchaus kritisch. Und man kann verstehen, warum. Wir mischen uns in das Leben der anderen ein, stellen Fragen, um die uns niemand gebeten hat, geben Ratschläge, auch wenn keiner danach gefragt hat, und beginnen ein Gespräch mit einem Menschen, den wir erst vor drei Minuten kennengelernt haben, und wissen schon, wo er wohnt, was er beruflich macht, wie viele Kinder er hat und was er über die aktuelle Lage denkt. Es gibt nicht viel Distanz zwischen uns und auch nicht viel Förmlichkeit....
Artikel nicht lesbar?
Sie sind bereits Mitglied? Melden Sie sich an, um weiterzulesen.




