Es werde Licht… im Libanon… mit israelischem Erdgas

Die Drohungen aus dem Libanon werden immer intensiver. Doch Israel lässt das kalt. Warum? „Der Strom im Libanon wird größtenteils aus israelischem Gas hergestellt“.

von Aviel Schneider | | Themen: Libanon
Die Skyline von Beirut im August 2021, die Hälfte der Gebäude war wegen akuten Strommangels ohne Strom. Foto: Shutterstock

Der Libanon leidet unter einer Energiekrise, die sich in letzter Zeit durch einen sprunghaften Anstieg der Energiepreise verschärft hat. Die Stromversorgung im Libanon ist auf zwei bis vier Stunden pro Tag beschränkt. Strom wird aus Heizöl und Diesel erzeugt, deren Preise seit Monaten infolge des russisch-ukrainischen Krieges in die Höhe schnellen.

„Der Libanon leidet unter großer Stromknappheit und importiert daher aus Jordanien Strom, welcher wiederum zu etwa 80 % aus israelischem Erdgas gewonnen wird. Man kann sagen, das Licht im Hause des Hisbollahchefs Hassan Nasrallah brennt mit israelischem Erdgas“, erklärte Dr. Amit Moore von Eco Energy für strategische Beratung und Dozent an der Reichman-Universität in Herzliya.

Moore betonte diesen Umstand, nachdem Hisbollahchef Nasrallah mehrmals gedroht hatte, er werde niemals eine israelische Bohrinsel über dem Karisch-Gasfeld zulassen. Die Libanesen behaupten, das Karisch-Gasfeld befinde sich in libanesischen Hoheitsgewässern, daher gehören die Bodenschätze dem Libanon und nicht dem „israelische Feind“.

Der Libanon bekommt jordanischen Strom, der zu 80 % aus israelischem Gas gewonnen wird. Bild: Flash90

Doch auch wenn die Drohungen aus dem Libanon in den letzten Wochen eskalieren, regt sich Israel deswegen nicht auf. Israelische Politiker und Experten auf dem Gasmarkt glauben, dass die libanesischen Drohungen eher politisches Geplänkel der Übergangsregierung in Beirut sind und die zweijährigen Verhandlungen zwischen Jerusalem und Beirut nur beschleunigen werden. „Die aktuellen Drohungen führender Politiker im Libanon und Nasrallahs werden nur aus politischem Kalkül geäußert“, erklärt Dr. Moore. „Letztendlich wird sich alles regeln.“

Das umstrittene Gasfeld Karisch (Hai) befindet sich vollständig in israelischen Hoheitsgewässern und liegt südlich der libanesischen Grenze im Meer. Seit mehr als zwei Jahren verhandeln Israel und der Libanon unter amerikanischer Vermittlung über das Gasfeld. Nach Ansicht von Geologen handelt es sich dabei um ein Gebiet mit einem hohen Potenzial für Erdgasfunde. Da es sich um ein umstrittenes Gebiet handelt, finden dort derzeit keine weiteren Gas- und Ölexplorationen statt. „Wenn der Streit um die Seegrenze zwischen beiden Ländern nicht beigelegt wird, hat der Libanon vieles zu verlieren, vor allem durch die Verzögerung der Gasexploration in den Blöcken 8 und 9 in seinen Hoheitsgewässern, in denen geologischen Untersuchungen zufolge große Erdgasreserven möglich sind“, so Moore. „Politische Ansprüche sind schön, aber die wirtschaftliche Realität ist notwendiger.“

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