Die Geschichte um den Fiedler auf dem Dach

Anatevka, das Musical von Jerry Bock, das auch unter dem Titel „Der Fiedler auf dem Dach“ bekannt ist, hat 55 Jahre nach seiner Erstaufführung am Imperial Theater in New York nichts an Beliebtheit eingebüßt.

Die Geschichte um den Fiedler auf dem Dach
Flash90

Seit dem 22. September 1964 wird dieses Musical jeden Tag irgendwo auf dieser Welt aufgeführt. Es basiert auf Geschichten von Scholem Aleichem und ist das erste Werk dieser Art, das auf amerikanischer Bühne keinen amerikanischen Helden der Geschichte hat. Fast ein Jahrzehnt lang hat es den Rekord für das am meisten aufgeführte Musical am Broadway gehalten. Neun Tony Awards wurden dem Werk verliehen, Aufführungen reichen bis von Japan bis nach Österreich, von Südafrika bis nach Mexiko. 1971 ist das Musical in Hollywood verfilmt worden. Regisseur Max Lewkowicz hat nun eine nostalgische Dokumentation mit dem Titel „Fiddler: A Miracle of Miracles“ veröffentlicht, die am 23. August diesen Jahres in Toronto uraufgeführt worden ist.

Die Geschichte, die im Musical erzählt wird, spielt im zaristischen Russland von 1905. Die meisten russischen Juden waren gezwungen, unter antisemitischen Einschränkungen in ihnen zugewiesenen Ansiedlungsrayons zu leben. Beim Fiedler auf dem Dach geht es um Traditionen und Assimilation im maroden Schtetl Anatevka. Dort lebt Tewje, ein armer Milchmann, zusammen mit seiner Frau Golda und fünf unverheirateten Töchtern, bis ein Pogrom sie vertreibt.

„Mit unserer Dokumentation“, erklärt Max Lewkowicz, „wollen wir verstehen, warum die Geschichte von Tewje dem Milchmann immer und immer wieder neu zum Leben erweckt wird, als beliebtes Entertainment und als kultureller Maßstab.“ Um diesem Ziel gerecht zu werden, hat Lewkowicz Persönlichkeiten interviewt, die etwas mit dem Musical zu tun haben. Zwei der Schlüsselfiguren in seinem Werk sind Sheldon Harnick, der die Liedtexte geschrieben hat, und Jerry Bock, der Komponist. Beide waren von der Stimmung der Geschichten Scholems, die ursprünglich auf Jiddisch geschrieben waren, genauso fasziniert, wie von der Stärke der Charaktere.

Harnick erzählt, dass es ihm am schwersten fiel, den Teil zu schreiben, wo Tewjes Tochter Chava einen Nichtjuden heiratet und mit ihrem russischen Ehemann in die USA auswandert. Chavas Entscheidung bricht Tewje das Herz, er wünscht ihr jedoch alles Gute in Amerika.

Lewkowicz glaubt, dass der Fiedler auf dem Dach trotz seiner speziell jüdischen Wurzeln eine universelle Botschaft beinhaltet, mit Themen, die von Tradition über Engstirnigkeit bis zu Unterdrückung und ethnische Säuberung reichen. Er hinterlässt den Eindruck, dass Jerome Robbins, der Choreograph, auf das Stück einen bedeutenden Einfluss hatte. Obwohl er sich mit seiner jüdischen Identität eher kritisch auseinandersetzte, war er nicht nur von der Ausgelassenheit einer chassidischen Hochzeit, die er besucht hatte, beeinflusst, sondern auch von den Bildern Marc Chagalls, beides Elemente, die er in das Musical mit einfließen ließ.

Lewkowicz verrät in der Dokumentation, dass Zero Mostel, der erste Tewje-Darsteller, genauso hitzig war, wie er. Norman Jewison, der nichtjüdische Regisseur der Filmversion, erzählt eine lustige Anekdote: „Was würdest du sagen, wenn ich ein Goy wäre?“, hatte er den Direktor des Filmstudios, Arthur Krim, gefragt. Krim war davon ausgegangen, dass Jewison jüdisch war und überrascht, als dieser mit der Wahrheit herausrückte. Es herrschte Totenstille. Dann antwortete Krim scheinfromm: „Deshalb haben wir dich ja ausgewählt.“ Jewison gab Chaim Topol, einem israelischen Schauspieler, der in London arbeitete, die Hauptrolle als Tewje. Topol, so sagt er, verströmte Kraft und Sexualität. Während einer Szene habe er unter schrecklichen Zahnschmerzen gelitten. Warscheinlich hat er deshalb solch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, meint Jewison.

 

Artikel aus dem Englischen von: sheldonkirshner.com

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