Der Mandelbaum – Was sagt er aus? (Teil 2) Anat Hermony/Flash90
Religion

Der Mandelbaum – Was sagt er aus? (Teil 2)

Nur eine Grundkenntnis der hebräischen Sprache liefert den Schlüssel zu diesem Geheimnis

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In ganz Israel ist der Mandelbaum in den Monaten Januar und Februar der erste unter den Bäumen, der mit seinen weißen Blüten blüht. Die schöne Blüte des Mandelbaums erinnert an die Erzählung des Propheten Jeremia: “Das Wort JHWHs kam zu mir und sagte: ‘Jeremia, was siehst du?’ und ich sagte: ,Ich sehe einen Zweig von einem Mandelbaum.’ Da sagte JHWH zu mir: ‘Du hast gut gesehen, denn ich bin bereit, mein Wort zu erfüllen'” (Jeremia 1,11-12).

Auf den ersten Blick wirkt dieser Text rätselhaft, weil der rationale Zusammenhang zwischen der göttlichen Frage, der darauf gegebenen menschlichen Antwort und schließlich der endgültigen göttlichen Antwort keinen Sinn ergibt.

Nur eine Grundkenntnis der hebräischen Sprache liefert den Schlüssel zu diesem sprachlichen Geheimnis.

 

Linguistische Analogie

Im Hebräischen, wie es sich in Jeremias kurzer Rede widerspiegelt, gibt es tatsächlich eine literarische Verbindung zwischen dem Substantiv Mandel und dem Verb wachen. Diese Beziehung ist nicht thematisch, sondern eher phonetisch. Im hebräischen Originaltext gibt es ein “Wortspiel”, das dem Sprachkundigen sofort ins Auge fällt. Das Substantiv SCHAKED (Mandel) und das nahe Verb LISCHKOD (fleißig sein; wachen) stammen von der gleichen sprachlichen Wurzel (sch-k-d).

Während das Substantiv SCHAKED einen saisonalen Obstbaum bezeichnet, der nur einmal im Jahr Früchte trägt, konzentriert sich das zugehörige Verb LISCHKOD, das soviel wie “an einem Ziel festhalten” bedeutet, auf einen dauerhaften Prozess und verweist auf eine treue Haltung, die nicht auf eine einmalige Episode beschränkt ist.

Wenn man also einen Mandelbaum findet oder auch nur darüber liest, wird man durch die bildhafte Terminologie von sch-k-d realistisch an Gottes Treue und seinen sorgfältigen Fleiß erinnert. In der Tat, wenn man von der Mandelnuss isst, wird auch dies ein Zeichen der Erinnerung an den vertrauenswürdigen Gott.

Folgerichtig verwendet derselbe Prophet Jeremia das Verb sch-k-d im Zusammenhang mit der Beziehung Gottes zu Israel wie folgt: “Und es soll geschehen, wie ich über sie gewacht habe (sch-k-d), um auszureißen, abzubrechen, niederzuwerfen, zu zerstören und zu plagen, so will ich über sie wachen (sch-k-d), um zu bauen und zu pflanzen, spricht JHWH” (Jeremia 31:28; 44:27). Mit anderen Worten: Gott ist vollkommen gerecht und fair. Er weiß am besten, wann er bestrafen und wann er segnen muss.

Die Blüte der Mandelbäume ist eine der schönsten Zeiten des Jahres in Israel. Und sie trägt, wie die meisten Dinge im Heiligen Land, eine tiefe spirituelle Botschaft in sich.

Das Gebot des Messias

Im hebräischen Neuen Testament findet man eine große Vielfalt von Formen um das gleiche Verb sch-k-d. Wenn wir uns nur auf die Lehren des Herrn Jeschua konzentrieren, erscheint das Verb sch-k-d in den Evangelien und in der Offenbarung in mehr als einem Dutzend Versen, meist in der Imperativform. Nämlich als besondere Aufforderung an den Gläubigen, “zu wachen!” (lischkod auf Hebräisch). So befiehlt der Sohn Gottes, fleißig {sch-k-d} ein heiliges und reines Leben zu führen und auf seine baldige Wiederkunft vorbereitet zu sein.

In ähnlicher Weise wird den Jüngern des Herrn Jeschua mit demselben Verb sch-k-d befohlen: Wachet, denn ihr wisst nicht, welche Stunde euer Meister kommt” (Mt 24,42; 25,13). Und weiter: “Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet” (Markus 14,38).

Mit anderen Worten: Der Mandelbaum und seine Früchte regen uns an, über das Gebot des Herrn an alle nachzudenken und zu diskutieren – geistlich und körperlich wach zu bleiben und auf sein zweites Kommen vorbereitet zu sein. Der wahre Jünger muss immer auf der Hut sein und wachsam sein, denn der Erlöser wird unerwartet kommen “wie ein Dieb in der Nacht” (Mt 24,43-44; Offenbarung 16,15).

In der Tat sorgt der wache (sch-k-d) Schöpfer der Welt gut und gerecht für sein Volk Israel und auch für alle anderen, die ihm vertrauen und gehorchen. Er hat ständig offene Augen und ist eifrig bemüht, alle seine Verheißungen zu erfüllen: “Er, der über Israel wacht, wird weder schlummern noch schlafen. Die Sonne wird euch am Tag nicht schaden, und der Mond nicht in der Nacht. JHWH wird über dein Kommen und Gehen wachen, jetzt und in Ewigkeit” (Psalm 121,4-8).

In der Tat wird der Herr nicht vergessen, sein heiliges Wort zu erfüllen.

Wenn wir die alte hebräische Sprache verstehen, wird die wahre Bedeutung von sch-k-d und dem Mandelbaum, wie viele der Lehren unseres Messias Jeschua und der Propheten, für uns bedeutungsvoll und bietet wichtige Wegweiser, nach denen wir unser Leben im Glauben an Ihn leben können.

 

Teil 1

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