Analyse: Wird die Türkei Israels nächster Feind?

Das türkische Regime tritt in die Fußstapfen Teherans und macht Israel zu einem hartnäckigen Feind

von Yochanan Visser |
Foto: Emad Nassar/FLASH90

Die Türkei beteiligt sich aktiv als Mitglied der vom Iran angeführten anti-israelischen Achse. Sie agiert zwar relativ unabhängig in Aktionen gegen den jüdischen Staat, verstärkt jedoch stetig ihre Zusammenarbeit mit der Hamas.

Letzte Woche hat der türkische Präsident Erdogan Israel auf einer Konferenz der Organisation für Islamische Kooperation scharf kritisiert und dem jüdischen Staat „die gnadenlose Ermordung unschuldiger Mädchen, Väter, Mütter, älterer Menschen, Kinder und Jugendlicher auf den Straßen Palästinas“ vorgeworfen. Dann traf sich der türkische Diktator mit Hamas-Chef Ishmail Haniyeh und anderen hochrangigen Mitgliedern der Terrororganisation.

Haniyeh und andere Hamasführer, darunter Erzterrorist Saleh al-Arouri, auf den Amerika ein Kopfgeld von 5 Mio. US-Dollar ausgesetzt hat, befinden sich derzeit auf einer Tour, die sie nicht nur in die Türkei, sondern auch nach Katar, Malaysia und Pakistan bringen wird.

Nachdem sich Erdogan mit Haniyeh in Istanbul getroffen hatte, schwor er, auch weiterhin seine „Brüder in Palästina“ zu unterstützen. Und das, obwohl er im Jahr 2015 ein Abkommen mit Israel geschlossen hat, das ihn dazu verpflichtet, gegen terroristische Aktivitäten der Hamas vorzugehen, die von türkischem Boden gegen den jüdischen Staat ausgehen.

Der britische „The Telegraphmeldete vergangenen Mittwoch, dass die Türkei „hochrangigen Hamasmitgliedern gestatte, Terrorattacken gegen Israel von Istabul aus zu planen“. Die britische Zeitung könne dies durch Mitschnitte israelischer Polizeiverhöre belegen, die ihr vorliegen, und die aufzeigen, dass „hochrangige Hamasmitglieder die größte Stadt der Türkei nutzen, um Operationen in Jerusalem und im besetzten Westjordanland zu steuern, darunter Attentatsversuche wie der Anschlag auf den Jerusalemer Bürgermeister Anfang des Jahres“. The Telegraph bezieht sich auf den ehemaligen Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat, der sich während seiner Amtszeit einen Namen als Terroristenjäger gemacht hat.

Erdogan ignoriert derweil regelmäßige Anfragen seitens Israels, die ihn bitten, die Hamas davon abzuhalten, die Türkei als Basis für ihre Terrorattacken gegen den jüdischen Staat zu nutzen. Stattdessen erlaubt er der sunnitischen islamistischen Gruppe weiter ihren Aufenthalt im 80 Mio. Einwohner Land.

Sowohl ägyptische als auch israelische Geheimdienstberichte gehen davon aus, dass allein im letzten Jahr dutzende hochrangige Hamasmitglieder ihre Büros in die Türkei verlegt haben. Ein palästinensischer Araber aus Gaza sagte dem britischen Blatt, dass es „jede Menge Hamasleiter gibt, die mit ihren Familien und Kindern nach Istanbul gegangen sind. Wieso darf die Führungsriege der Hamas den Gazastreifen verlassen, wo doch die Menschen weder Arbeit noch Dienstleistungen haben?“, fragte der Anwohner.

Die Situation ist sogar noch weitaus gravierender.

Im Juni dieses Jahres deckte Suheib Yousef terroristische Aktivitäten von in der Türkei lebenden Hamasmitgliedern. Subeib Yousef ist der Sohn des geistlichen Leiters der Hamas, Hassan Yousef, und Bruder von Musab Yousef, der für den israelischen Geheimdienst Schin Bet gearbeitet hat. Suheib berichtete gegenüber dem TV-Kanal 12 in Israel, dass der sogenannte „politische Flügel“ der Hamas in der Türkei in Wahrheit eine Geheimdienst- und Militäroperation ist, und zwar unter dem Schutz einer zivilen Gesellschaft.

Suheib, der sich mit dem Journalisten Ohad Hemo von Kanal 12 in einer Moschee in einem asiatischen Land zu einem Interview traf, hat der Hamas den Rücken zugekehrt und die Türkei verlassen. Er hält sich momentan in dem asiatischen Land auf, wo er Asyl beantragt hat.

Erdogan sieht sich selbst in der Rolle des einzig wahren Patrons der palästinensischen Araber und als Führer der sunnitischen Muslime im Nahen Osten. In den letzten paar Monaten hat er Israel wiederholt verbal angegriffen und das Land mit Nazideutschland verglichen. Zeitgleich trifft er Entscheidungen, die den Nahen Osten weiter destabilisieren und die NATO-Mitgliedschaft der Türkei infrage stellen. Letzte Woche hat Erdogan eine Absichtserklärung mit der libyschen Regierung unterschrieben. Es geht um maritime Zonen im Mittelmeer. Dieser Schritt, von Ägypten, Israel und Zypern stark kritisiert, trägt zu der bereits angespannten Situation in der Region maßgeblich bei.

Kurz nachdem er den Deal mit der von der UN anerkannten Regierung Libyens geschlossen hatte, machte Erdogan klar, dass er Israel den Bau einer Gas-Pipeline nach Europa nicht erlauben würde. Für Israels Gas-Exporte wäre eine solche Pipeline sehr wichtig. Ein Beamter der israelischen Botschaft in der Türkei wurde zu einem Gespräch bestellt, nachdem die Absichtserklärung in Kraft getreten war. Ihm wurde gesagt, der Bau einer Pipeline bedarf der Zustimmung Erdogans.

Ebenfalls vor ein paar Tagen haben türkische Marineschiffe ein israelisches Schiff bedrängt, das vor der Küste Zyperns nach weiteren Gasfeldern forschte. Das israelische Schiff wurde gezwungen, das Gebiet zu verlassen – trotz einer offiziellen Zusammenarbeit mit den zypriotischen Behörden.

Die Türkei hält bis heute den norden Zyperns illegal besetzt und hält eigentlich keine wirtschaftlichen Rechte an den Küstenwassern um Zypern. Die Regierung in Nicosia dagegen hat eine Vereinbarung mit Israel unterzeichnet, in der eine Zusammenarbeit mit Israel zwecks Suche nach weiteren Gasfeldern nahe der Insel festgelegt worden ist.

„Die Türken versuchen, sich als diejenigen zu etablieren, die (in der Region) den Ton angeben“, kommentierte ein israelisches Regierungsmitglied gegenüber TV-Kanal 13 in Israel.

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