ANALYSE: Wer geht besser mit der Krise um?

Israel schlägt sich im Kampf gegen das Corona-Virus fast genauso gut wie seine Nachbarn

ANALYSE: Wer geht besser mit der Krise um?
Wisam Hashlamoun/Flash90

 

In den israelischen Fernsehmedien wird ununterbrochen über die Corona-Krise im jüdischen Staat berichtet. Die Regierung zieht nun sogar eine vollständige einwöchige Ausgangssperre für israelische Bürger in Erwägung. Hier ein Vergleich zu den arabischen Ländern und was diese zur Eindämmung der Krise unternehmen.

 

Ägypten

Beginnen wir mit Ägypten, wo bis heute nicht mehr als 366 Corona-Fälle und 19 Todesfälle gemeldet wurden. Das ist eine bemerkenswert niedrige Zahl, wenn man bedenkt, dass Ägypten eine Bevölkerung von mehr als 97 Millionen Menschen hat und wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass die ägyptische Regierung bislang keine strengen Maßnahmen wie eine Abriegelung des Landes durchgesetzt hat.

Erst am 19. März ordnete der ägyptische Premierminister Mostafa Madbouly an, dass alle Restaurants, Cafés, Casinos, Nachtclubs, Bars, Einkaufszentren, Geschäfte und mobilen Lebensmittelwagen schließen müssen, aber nur von 19 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, und das täglich bis zum 31. März. Erst letzte Woche waren Universitäten und Schulen zwei Wochen lang geschlossen worden. Alle ein- und ausgehenden Flüge wurden am vergangenen Donnerstag ausgesetzt.

Am Sonntag wurde auf einer gefälschten Facebookseite, die angeblich zum ägyptischen Innenministeriums gehörte, bekannt gegeben, dass die Regierung eine landesweite Ausgangssperre beschlossen habe. Das Innenministerium dementierte umgehend.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah el-Sisi trat am Samstag zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung, nachdem er zwei Wochen in Quarantäne gewesen war, weil bei ihm eine Infizierung mit dem COVID-19-Virus nicht ausgeschlossen werden konnte. Der Präsident hatte sich nach einem Treffen mit zwei ägyptischen Generälen, die später an dem Coronavirus starben, in die Isolation begeben müssen. Einige ausländische Reporter sind der Meinung, dass das Ausmaß der Corona-Krise in Ägypten viel größer ist, als die Regierung zugibt, da es sehr viele Corona-Fälle im ägyptischen Militär zu geben scheint.

Die relativ milden Maßnahmen der el-Sisi-Regierung stehen in Zusammenhang mit der maroden Wirtschaft Ägyptens, die völlig zusammenbrechen könnte, wenn Ägypten die Maßnahmen des jordanischen Königs Abdullah II. übernehmen würde. 

 

Jordanien

Königs Abdullah II. verhängte letzte Woche eine dreitägige landesweite Ausgangssperre über die jordanische Bevölkerung, die nun unbefristet verlängert wurde.

Zu Beginn der Ausgangssperre am vergangenen Samstag in Jordanien ertönten landesweit die Sirenen. Die jordanische Armee setzt nun die Maßnahme durch, wobei jeder, der gegen die Ausgangssperre verstößt, erschossen oder ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis gebracht werden kann, so berichten israelische Medien.

Auch in Jordanien wird die Wirtschaft durch die Corona-Krise schwer geschädigt, da die Regierung nicht mehr in der Lage sein wird, Schulden zurückzuzahlen oder den Armen, die einen bedeutenden Teil der Bevölkerung ausmachen, zu helfen.

Jordaniens Regierung hat nun damit begonnen, Lebensmittelpakete vor die Haustür zu liefern und ein Hilfspaket von gerade einmal 22 Millionen Dollar für arme Familien angekündigt. Analysten sagen, dass die Corona-Krise die ernsthafteste Bedrohung für die jordanische Wirtschaft seit der Staatsgründung darstellt.

 

Libanon

Auch der Libanon sieht sich mit einer nie dagewesenen Wirtschaftskrise konfrontiert, die bereits zu einem Zahlungsausfall bei Euro-Anleihen in US-Dollar geführt hat und nun mit dem Ausbruch der Corona-Krise umgehen muss.

Mindestens 248 libanesische Bürger sind mit dem COVID-19-Virus infiziert, vier Todesfälle wurden bereits bestätigt. Diese Daten könnten jedoch falsch sein, da die Hisbollah, die den Libanon effektiv kontrolliert, Krankheitsfälle in ihren Reihen nicht publik macht.

Wie in Jordanien und Ägypten wurde auch im Libanon die Armee eingesetzt, um eine öffentliche Abriegelung zu erzwingen. Armeehubschrauber kreisen über die Stadtteile der Hauptstadt Beirut und warnen die Bevölkerung über Lautsprecher, zu Hause zu bleiben.

Die libanesische Regierung räumt ein, dass sie es nicht geschafft hat, die Krise einzudämmen und dass sie nicht in der Lage ist, Unternehmen und Bürger, die ihre Arbeitsplätze verloren haben, zu entschädigen (mittlerweile mindestens 200.000). Das libanesische Gesundheitsministerium warnt, dass das Schlimmste noch bevorsteht. Das Gesundheitssystem sei nicht in der Lage, eine große Zahl an COVID-19-Patienten zu versorgen.

 

Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien hat die Regierung von König Salman eine landesweite Ausgangssperre für die nächsten drei Wochen verhängt, allerdings nicht wie in Ägypten nur tagsüber. Wer sich nicht an die Anordnung hält, muss mit einer Gefängnis und einer Geldstrafe von 2663 Dollar rechnen, die bei Wiederholungstätern verdoppelt wird. Das ölreiche Königreich meldet 562 Infizierte und 19 Todesfälle. Die muslimischen heiligen Stätten in Mekka und Medina sind geschlossen worden.

 

Syrien

In Syrien scheint die Regierung des Diktators Baschar al-Assad das ganze Ausmaß der Corona-Krise unter Verschluss zu halten. Gesundheitsminister Nizar al-Yaziji hat bislang nur einen Fall von Corona bei einer 20-jährigen Frau bestätigt.

Die kurdische autonome Region wurde vollständig abgeriegelt. Regierungsfeindliche Quellen melden, dass die Zahl der Infizierten viel höher sei, als Assads Regime berichtet, insbesondere unter den vom Iran unterstützten Milizen, die Gelder, Waffen und Ausbildung von der vom Corona-Virus schwer getroffenen iranischen Quds-Truppe erhalten.

Ein Corona-Ausbruch von dem Ausmaß wie in Israel wäre für Syrien katastrophal. In dem Land gibt es 11 Millionen Vertriebene, mehr als 550.000 Menschen sind seit Beginn des 9 Jahre andauernden Bürgerkriegs getötet worden.

Die Vereinten Nationen und die humanitären Hilfsorganisationen in Syrien sind sich einig, dass das syrische Gesundheitssystem nicht in der Lage sein wird, die Pandemie zu bewältigen. Viele Krankenhäuser und Kliniken sind von Assads Armee in Schutt und Asche gebombt worden, um den Rebellen die medizinische Versorgung zu entziehen.

 

Marokko

In den meisten arabischen Ländern widersetzen sich die Menschen den Maßnahmen der Regierung zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Dies erklärt die Ausgangssperren und die Stationierung von Armeeeinheiten in etlichen arabischen Ländern. In Marokko zum Beispiel nahm die Armee mit Gewalt eine große Anzahl von Personen fest, die gegen die Ausgangssperre verstoßen hatten und gemeinsam sangen, Allah würde sie vor dem tödlichen Virus schützen.

Die Regierung in Marokko behauptet, man habe nur 108 Fälle von Corona in dem 35 Millionen Einwohner zählenden Land, drei Menschen seien bereits verstorben. Marokko hat nur zwei Einrichtungen, in denen Infizierungen festgestellt werden können, und nicht mehr als 1642 Intensivstation-Betten.

 

Israel

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass Israel im Vergleich zu den arabischen Ländern, die hinsichtlich ihrer Statistik ehrlich sind, eigentlich viel schlechter dasteht. Das könnte etwas mit der noch nicht durchgesetzten vollständigen Abschottung des jüdischen Staates zu tun haben. Besucher werden beispielsweise beim Betreten von Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern in Israel nicht auf Anzeichen wie z.B. Fieber getestet.