70 Jahre Israel – 70 Jahre Musik

Der Staat Israel feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. 70 Jahre Israel bedeuten auch 70 Jahre Musik in Israel. Die Entwicklung der israelischen Musik, der hebräischen Lieder läuft synchron mit der Geschichte des jüdischen Staates.

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Unter der Staatsgründung hörte man am liebsten „Eretz Israel Lieder“, israelische Heimatlieder und Liebeslieder. In den 50er und 60er jahren handelten die Lieder von den zionistischen Träumen und den Kriegen Israels und der Freundschaft auf dem Schlachtfeld. Das wohl herausragendste Lied ist „Hare’ut“ (Die Freundschaft) von Haim Guri und Sasha Argov, das gegen Ende des Unabhängigkeitskrieges geschrieben wurde und als unveräußerliches Kulturgut des hebräischen Liedes gilt.

Die Ensembles der Armee nahmen Anfang der 50er einen beachtlichen Raum in der Playlist ein, angefangen beim „Cheesebatron“ (noch vor Gründung der israelischen Armee), über die „Nahal-Gruppe“ und „Batzal Yarok“ (Grüne Zwiebel), weiter zu den „Tarnegolim“ (Hühner), den „Dudaim“ und „Shlishiat Gesher HaYarkon“ (Yarkon-Brücken-Trio), die die Stars der Zukunft großzogen. Die Armee-Ensembles hatten drei Jahrzehnte lang großen Einfluss auf das hebräische Lied, doch ab den 80er Jahren veränderte sich der musikalische Stil in Israel, so dass ihr Einfluss schwächer wurde, besonders wegen der Entscheidung des Generalstabschefs Rafael Eitan Ende der 70er Jahre, die Armee-Ensembles aufzulösen. Einige der bedeutendsten Dichter schreiben Lieder für diese Gruppen, darunter Naomi Shemer, Heim Hefer, Yair Rosenblum und Zoram Taharlev. Die größte Popularität genossen die Gruppen in den 60er Jahren, als in der jährlichen Bestenliste von „Kol Israel“, des Israelischen Radios, 10 Lieder der Armee-Ensemles unter den ersten 22 Liedern waren. Die übrigen Lieder stammten übrigens von ehemahligen Mitgliedern dieser Gruppen. „Shir LaSHalom“, „Hora Heachzut“, „Jeshnan Banot“, „Haiti Naar“, „Walz leHAganat Hazomeach“, „Ilo Ziporim“, „Elef Shir LaZafon“, „Bo eleinu LaJam“, „Anachnu shneini me oto HaKfar“ waren nur einige Hits der Armee-Gruppen.

„Bo eleinu LaJam“, Israelische Marine-Gruppe, 1972

Die 70er Jahre waren voll mit Ereignissen, die die israelische Gesellschaft beeinflusst haben, und damit auch die Musik. Die Naivität aus der Zeit vor dem Jom-Kippur-Krieg löste sich auf, eine neue israelische Musik wurde geboren, die Rock, Klassik und Jazz in sich vereinte und unter anderem von Künstlern wie Shlomo Grunich, Matti Kaspi und Shem Tov-Levi geschaffen wurde.

Die zionistischen Texte der Hoffnung wurden von Texten abgelöst, die die Persönlichkeit betrachten und sich ab und zu auch dem Staat widersetzten, als Folge der Enttäuschung im Land nach dem Jom-Kippur-Krieg. In diesen Jahren entwickelte sich der israelische Rock, die elektrische Gitarre übernahm den Platz des Akkordeons. Shlomo Artzi, Shalom Hanoch, Riki Gal, Gidi Gov, Arik Einstein und Hava Alberstein hatten in diesen Jahren großen Erfolg. Die Gruppen „Tamuz“ und „Kaveret“ wurden gegründet, Zvika Pik wurde zum beliebtesten Sänger des Landes und brach sämtliche Verkausrekorde, als er sein Album „Musik“ (1978) veröffentlichte.

„Musik“, Zvika Pik, 1978

Die Eurovision gilt als eine der bedeutensten Veranstaltungen in der Musikindustrie und Israel gewann in diesem Jahrzehnt gleich zweimal, mit „Abanebi“ von Jizhar Cohen und „Hallelujah“ mit Gaki Atari und der Gruppe „Milch und Honig“ (aus Hebräisch: Halav ve Dvash).

„Hallelujah“, Gali Atari & Milch und Honig, 1978

In den 80er Jahren wurde die israelische Musik von den populären Musikstilen der Welt beeinflusst, die Diskotheken erreichten ihren Höhepunkt. Das waren die Jahre, in denen die elektronische Musik immer mehr ihren Einzug hielt, die Gruppe „Tislam“ von Izhar Ashdot und Yair Nizani waren Pioniere des Rock’n’Roll. Auch die Gruppe „Benzin“ spielte Rockmusik und bekam eine große Fangemeinde und war ein guter Start für die spätere Solo-Karriere des Solisten der Gruppe, Jehuda Poliker, der Ende der 80er Jahre sein großartiges Album „Asche und Staub“ (Afar ve Avak) herausbrachte. Die Gruppe „Maschina“ entstand in den 80er Jahren und war stilistisch beeinflusst von der britischen Gruppe „Madness“. Sie brachte Hits wie „Nachtzug nach Kairo“ (Rakevet Leila le Kahir) und „Schick‘ mir einen Engel“ (Shalach li Malach) hervor.

„Schick‘ mir einen Engel“ , Maschina, 1987

Die Intifada brachte viele Künstler dazu, politische und gesellschaftskritische Lieder zu schreiben, darunter waren Hava Alberstein, Ehud Banai, Nurit Galron und Jehudit Kravitz. Auch mit grossem Erfol in diesen Jahren tätig waren Fortis, der den Punk nach Israel brachte, Bari Sacharov, Dani Robas und Shlomo Artzi.

Die Musik der 90er Jahre passte sich den Veränderungen und den technologischen Entwicklungen an, eine neue Generation von Künstlern wurde geboren, wie Aviv Gefen, der oft auf der Bühne des Roxanne Clubs zu Gast war. Gleichzeitig waren auch Gruppen wie „Ethnix“ und „Teepacks“ aktiv, die ethnische Musik mit Rock mischten. Die orientalische Musik, jahrelang im Untergrund, entwickelte sich in diesen Jahren zum Mainstream. Sänger wie Eyal Golan und Sarit Hadad (später Stars der orientalischen Musik) arbeiteten mit diesen Gruppen zusammen. Die Mischung aus orientalischer Musik mit Rock wurde noch in den 2000er Jahren fortgeführt mit „Knisiat HaSechel“ der Gruppe „Algier“ und Dudu Tassa, der irakische Musik arabischem Gesang mischte. Auch „Shabak’S“ und „Dag Nachash“ begannen zu dieser Zeit mit großem Erfolg und haben die Ära des hebräischen Hip Hop eingeleitet. Später waren es der Rapper Subliminal und die Künstler Tuna und Nechi Nech.

Der Sticker Song“ , Hadag Nachash, 2004

Der lautstarke Rock der 90er Jahre wurde von der relativ stillen, aber qualitativen Popmusik abgelöst, mit persönlichen Texten von Künstlern wie Joni Vollach, Daniel Salomon, Keren Peles, Aya Coren und Miri Mesika. Auch Texte aus der Torah bekamen im 21. Jahrhundert einen erhrenvollen Platz durch Künstlter wie Meir Banai, Eviatar Banai, Ehud Banai, Erez Lev Ari, Adi Ran und Ben Ari.

„Tor des Erbarmens“ (Shaar Harachamim) , Meir Banai, schon 1992 geschrieben, seitdem eines seiner erfolgreichsten Lieder.

Und wie sieht es heute aus? Statik und Ben El sind die Stars der Jugend und sind mit nur sechs Popsongs erfolgreich. Ein 15-jähriges Mädchen mit dem Namen Noa Kirell schaffte es an die Spitze der Hitparade. In der Liste der zehn meistgespielten Lieder von Akum (gleichzusetzen mit der GEMA in Deutschland) werden Sie kaum ein Lied finden, das nicht zum orientalischen Stil gehört (Mizrachi). Die Menorah-Halle in Tel Aviv beherrschen Künstler wie Omer Adam und Eden ben Saken (versuchen Sie einmal, Karten für ihre Konzerte zu ergattern!), während hervorragende Künstler wie Ivri Lieder, Shlomi Saban, Assaf Amdurski und Amir Sadon sich mit Auftritten im Zappa oder Hangar 11 begnügen.

„Tel Aviv“ , Omer Adam, 2013

Archivbild: Mitglieder des Israelischen Armee-Orchester (Foto: Miriam Alster/Flash90)

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