2000 Jahre alte Jerusalemer Pilgerstraße feierlich eingeweiht

Die Palästinensische Autonomiebehörde und linksgerichtete Friedensaktivisten protestierten gegen die Einweihung der 2000 Jahre alten Straße, die die Verbindung des Jüdischen Volkes zu Jerusalem weiter festigt.

Nati Shohat/Flash90

Gestern wurde ein 350 Meter langer Abschnitt der Jerusalemer Pilgerstraße in der Davidstadt feierlich eröffnet. Die antike Straße stammt aus der Zeit des zweiten Tempels und diente den Juden als Zugangsweg vom Siloah Teich zum Tempel.

In den letzten sechs Jahren wurden während der Ausgrabungen zahlreiche Zeugnisse jüdischen Lebens aus der Zeit des zweiten Tempels entdeckt. Die bei den Arbeiten freigelegten Gebäude entlang der Straße zeugen davon, dass die Bevölkerung, die hier gelebt hat, wohlhabend war. Die bedeutendsten Entdeckungen, die diese Annahme unterstützen, wurden gestern während der feierlichen Einweihung präsentiert. Unter den Funden sind Silbermünzen, Schmuck und Tongefäße zur Aufbewahrung von Ölen und Parfums. Dreimal im Jahr sollen jüdische Pilger auf dieser Straße auf ihrem Weg zum Tempel gegangen sein.

Das archäologische Projekt wurde von der City of David Foundation geleitet. Die freigelegte Straße soll bald für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Gesamtlänge der acht Meter breiten Pilgerstraße beträgt 600 Meter. Die jetzt eingeweihten 350 Meter gehören zum südlichen Teil der Straße. Dr. Yuval Baruch von der israelischen Altertumsbehörde erklärt:

„Heute kann man zum ersten Mal eine der Hauptstraßen des alten Jerusalems entlanggehen, sich ein Bild von seinen Sehenswürdigkeiten machen und Antworten auf faszinierende historische Fragen erhalten, die seit mehr als 100 Jahren über die Geschichte Jerusalems während des Zweiten Tempels gestellt wurden. Dies ist eine natürliche Fortsetzung der früheren archäologischen Ausgrabungen, mit denen europäische und amerikanische Forscher Ende des 19. Jahrhunderts begonnen hatten.

Aufgrund der Ergebnisse dieser Ausgrabungen stellten wir zum ersten Mal fest, dass sich die biblische Stadt Davids auf dem östlichen Hügel von Jerusalem, der Hauptstadt von König David befand, wo sich die Verwaltungseinrichtungen des Königreichs Juda konzentrierten. Während der Zeit des Zweiten Tempels lag das Gebiet innerhalb der Grenzen der erweiterten Stadt – einer Nachbarschaft namens Untere Stadt. Zu den wichtigen Funden, die damals entdeckt wurden, gehörten Abschnitte der Treppensteinstraße aus der Zeit des Zweiten Tempels, die über 600 Meter von den südlichen Toren der Stadt und dem Gebiet des Shiloah-Pools entfernt nördlich in Richtung des Heiligen Beckens gebaut wurden. Vor sechs Jahren haben wir die archäologischen Ausgrabungen entlang der Straße wieder aufgenommen. Die Straße wurde in ihrer ganzen Pracht Tausenden von Besuchern, die auf ihr gehen werden, zugänglich gemacht.“

David Friedman mit Jason Greenblatt und US-Senator Lindsey Graham (Flash90)

Bei der feierlichen Einweihung der Pilgerstraße waren auch der amerikanische Botschafter in Israel, David Friedman und der US-Sonderbeauftragte Jason Greenblatt anwesend, was von linksgerichteten Friedensaktivisten und von der Palästinensischen Autonomiebehörde scharf kritisiert wurde. Seitens der Organisation „Peace Now“ wurde gesagt, dass die Trump-Administration mit ihrer Teilnahme an der Zeremonie das Narrativ der jüdischen Siedler in dem Gebiet des heiligen Beckens annehmen würde, was die Chancen untergrabe, über dieses Gebiet im Rahmen eines Friedensabkommens zu verhandeln.

Das “Außenministerium” der Palästinensischen Autonomiebehörde warf Israel vor, die Geschichte zu verfälschen. Israel würde daran arbeiten, die Identität der Stadt und seine historische und legale Realität zu verändern. Und US-Botschafter Friedman würde zusammen mit dem Sonderbeauftragten Jason Greenblatt die Verfälschung der Geschichte unterstützen.

Vor der Zeremonie kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Aktivisten von „Peace Now“, bei der es auch zur Festnahme eines Aktivisten kam.

Peace Now Aktivisten protestieren gegen die Einweihungsfeier (Flash90)

Auch aus Jordanien kamen kritische Worte in Bezug auf die Eröffnung der Pilgerstraße, die als illegal und unverantwortlich bezeichnet wurde. Aktionen wie diese seien „niederträchtige Verstöße“ gegen das Internationale Recht und die Menschenrechte, sagte der Sprecher des jordanischen Außenministeriums Sufian Quda. Weiter forderte er die internationale Gemeinschaft auf, moralische und politische Verantwortung zu übernehmen, und diese Praktiken zu stoppen und die Bedeutung in der Achtung des Status von Ostjerusalem als ein integraler Teil der palästinensischen Gebiete zu betonen, die seit 1967 unter der Besatzung sind.

Die Terror-Organisation Hamas sagte, die Aktionen von Friedman und Greenblatt seien die Fortsetzung der aggressiven US-Politik gegen das Palästinensische Volk und seine heiligen Stätten.

Der US-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, Jason Greenblatt, wies gestern die Kritik zurück, das die amerikanische Teilnahme an der Feier zur „Judaisierung“ Jerusalems beitrage. In einem Kommentar auf seinem Twitterkonto schrieb er: „Wir können nichts ‘judaisieren’, was die Archäologie beweist, wir können es zur Kenntnis nehmen und ihr könnt damit aufhören zu tun, als sei es nicht wahr. Ein Frieden kann nur auf der Wahrheit basieren.“

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