10 Raketen auf Sderot – und nun?

Im Süden heulten am Wochenende wieder die Sirenen. Zum Glück gab es nur Sachschaden.

Nach einem relativ ruhigen Monat wurden wir am Wochenende wieder daran erinnert, in welcher Realität wir hier leben. Das heißt, die Bewohner des Südens, genauer gesagt die Bürger der Stadt Sderot wurden daran erinnert, als am Freitag nicht weniger als 10 Raketen aus dem Gazastreifen auf die Stadt gefeuert wurden. Acht von ihnen konnten vom Iron Dome abgewehrt werden, eine weitere Rakete landete auf freiem Gebiet. Doch eine Rakete erreichte ihr Ziel und schlug in eine Straße direkt am Eingang zu einem Wohnhaus ein.

Die Bewohner des Hauses waren zum Glück rechtzeitig in den Sicherheitsraum gegangen, sodass niemand durch den Einschlag der Rakete verletzt wurde. Doch auf der Straße war der Schaden erheblich. Ein Auto, das vor dem Eingangstor des Hauses stand, wurde von den Splittern der Rakete regelrecht durchsiebt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn im Augenblick des Einschlages ein Mensch dort entlanggegangen wäre.

Beschädigtes Auto nach dem Raketeneinschlag in Sderot

So ist eigentlich so gut wie nichts passiert, denn Raketen auf den Süden unseres Landes sind ja nichts Neues, seit vielen Jahren geht das schon so. Nach einem Raketenangriff folgt dann natürlich eine Reaktion der israelischen Armee. Sie griff später im Gazastreifen mehrere Ziele der Hamas an, denn sie wird für das Geschehen im Gazastreifen verantwortlich gemacht, seitdem sie die Kontrolle über den Streifen an sich gerissen hatte.

Niemand hat bisher die Verantwortung für den Raketenbeschuss übernommen. Allerdings wird angenommen, dass der Islamische Jihad dahinter stehen würde, da die Hamas an einem Fortbestand der relativen Ruhe interessiert sei. So kann es dem Islamischen Jihad doch eigentlich nur recht sein, wenn Israel als Reaktion ausgerechnet Ziele der Hamas angreift und zerstört.

Aus Gaza wurde berichtet, dass bei den israelischen Angriffen ein Mensch getötet und drei weitere Menschen verletzt worden seien. Die Hamas beschuldigte Israel daraufhin, für die gefährliche Eskalation der Gewalt verantwortlich zu sein, die die Rechte unschuldiger Zivilisten verletzen würden. Israel sei für die Konsequenzen ihrer Taten verantwortlich, hieß es in einer Erklärung der Terror-Gruppe.

Sicherheitshalber sollen die Iron Dome Abwehrsysteme neu ausgerichtet worden sein, um auf eventuelle weitere Raketenangriffe als Reaktion auf die israelische Reaktion vorbereitet zu sein.

In der ausländischen Presse wurde Israel nach der Reaktion auf den Raketenangriff eher als Aggressor anstatt als Opfer dargestellt. „Israel bombardiert Dutzende Ziele im Palästinensergebiet“ heißt es zum Beispiel in einer Meldung auf t-online.de. Den Grund dafür entdeckt man allerdings nur, wenn man auch das Kleingedruckte liest.

Aber auch das ist ja leider nichts Neues. Es ist also eigentlich nichts weiter passiert am Wochenende. Wir sind daran gewöhnt. Und es gibt ja auch die Sicherheitsräume und den Iron Dome. Es kann also wieder mit dem Alltag begonnen werden. Kann es das?

שרה דהן, תושבת שדרות, כותבת הערב מהמרחב המוגן:"הבת שלי! האושר הפרטי שלי! הילדה הקטנה שהבטחתי לשמור עליה מכל משמר! קפאה…

פורסם על ידי ‏‎ynet‎‏ ב- יום שישי, 1 בנובמבר 2019

Die Zeitung Jediot Achronot berichtet heute über die Kinder von Sderot, die keine andere Realität kennen als die der Raketenalarme und Explosionen der Raketenabwehr und hier und da mal ein Einschlag. Dabei wird ein Foto gezeigt, auf dem ein fünfjähriges Mädchen zu sehen ist, wie es sich im Sicherheitsraum auf den Boden legt mit den Händen über dem Kopf und nicht mehr ansprechbar ist. Seitdem sie mit ihrer Mutter von einem Raketenalarm mitten auf der Straße überrascht worden war, sei sie so, erzählt die Mutter in einem Gespräch mit der Zeitung.

Die Bewohner von Sderot verlangen eine Lösung, ein Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Mittlerweile gibt es auch Kritik aus den Reihen der Likud-Partei. Gideon Saar, der sich als ein möglicher Nachfolger Netanjahus sieht, schrieb auf seinem Twitterkonto, dass die Reaktion auf den Angriff auf Sderot weitaus schärfer sein müsse. Ziel Israels müsse der Abbau der militärischen Infrastruktur der Hamas und des Islamischen Jihads sein. Daher müsse die politische Krise so schnell wie möglich durch die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit beendet werden.

Allerdings sieht es momentan eher danach aus, dass Israels Bürger bald ein drittes Mal an die Wahlurnen gebeten werden. Eine weitere Eskalation im Süden könnte sich durchaus auf die Stimmenabgabe auswirken. Das Sicherheitskabinett wird heute über weitere Schritte in Bezug auf die Raketen aus dem Gazastreifen beraten. Im Radio wurde in den Morgennachrichten über eine mögliche Benennung von Naftali Bennet zum Verteidigungsminister gesprochen.

In Sderot hat heute wieder der Alltag begonnen. Bis zum nächsten Mal.

Kommentare: