In kaum einer anderen Region sind Religion, Geschichte und nationale Identität so eng miteinander verflochten. Was für westliche Beobachter längst Vergangenheit ist, bleibt hier politische Gegenwart. Biblische Verheißungen und koranische Überlieferungen prägen nicht nur das Denken der Menschen, sondern auch ihre Wahrnehmung von Krieg, Frieden, Freundschaft und Feindschaft. Eine bemerkenswerte israelische Fernsehdiskussion über Saudi-Arabien und die Huthi zeigt, wie selbstverständlich aktuelle militärische Ereignisse religiös gedeutet werden. Dabei geht es um eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich der Nahe Osten verstehen, wenn man die religiösen Überzeugungen ausblendet, mit denen seine Menschen die Wirklichkeit erklären?
In einer israelischen Fernsehdiskussion ging es um Raketen, brennende Ölanlagen und die Huthi im Krieg gegen Saudi-Arabien. Doch plötzlich war die Bibel mitten im Gespräch. Der Journalist Zvi Yehezkeli fragte, warum die Saudis die Juden hassten. Dr. Edy Cohen, Israel-Heute-Redakteur, antwortete mit einer biblischen Deutung: Gott habe gesagt: „Ich will die segnen, die dich segnen, und die verfluchen, die dich verfluchen.“ Weil in Saudi-Arabien gegen Juden gebetet worden sei, brenne nun das Land, sagte er.
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