Israels Marine hat am Donnerstag ihr sechstes U-Boot, die INS „Drakon“, offiziell in Haifa empfangen. An der Zeremonie auf dem Marinestützpunkt nahmen unter anderem Staatspräsident Isaac Herzog, Verteidigungsminister Israel Katz, Generalstabschef Eyal Zamir und Marinekommandeur Eyal Harel teil. Auch Vertreter des deutschen Herstellers TKMS waren anwesend.
Die Ankunft der „Drakon“ markiert nach Angaben der israelischen Armee einen bedeutenden Schritt beim langfristigen Ausbau der Marine. Das U-Boot wurde in Deutschland gebaut und ist das dritte und letzte Boot der Dolphin-AIP-Klasse, das das israelische Verteidigungsministerium für die Marine beschafft hat.
Bei der Empfangszeremonie stellte Generalstabschef Zamir die Indienststellung des neuen U-Bootes ausdrücklich in den Zusammenhang mit der veränderten strategischen Lage im Nahen Osten. Zwar habe Israel die Fähigkeiten seiner Gegner in den vergangenen Jahren schwer getroffen, ihre Absichten hätten sich jedoch nicht grundsätzlich verändert.
„Auch in diesen Tagen sind unsere Augen auf das gerichtet, was im Iran und bei seinen Stellvertretern geschieht“, sagte Zamir. Das iranische Regime sei „angeschlagen und verwundet“, habe seine Absichten jedoch nicht geändert. Der Generalstabschef verwies dabei auch auf die Behinderung internationaler Schifffahrtswege sowie Angriffe auf Energie- und andere nationale Infrastruktur in der Region.
Amid the Ongoing War, the IDF Reveals Its Sixth Submarine—INS “Drakon”, Which Will Serve as a Strategic Combat Asset Across the Various Operational Arenas. pic.twitter.com/YaxEbsMmUg
— Ministry of Defense (@Israel_MOD) November 12, 2024
Mit der Aufnahme der „Drakon“ erreiche die israelische Marine nach Zamirs Worten „neue Höhen“ bei ihren operativen Fähigkeiten. Sie werde „verdeckter, weitreichender, tiefer und tödlicher“. Das U-Boot sei ein wesentlicher Bestandteil des Aufbaus einer langfristig einsetzbaren strategischen Seestreitmacht.
Die INS „Drakon“ ist mehr als 70 Meter lang und rund 30 Prozent größer als die bisherigen U-Boote der Dolphin-Serie. Sie verfügt über einen luftunabhängigen Antrieb, das sogenannte Air Independent Propulsion System (AIP). Dabei werden Sauerstoff und Wasserstoff zur Energiegewinnung genutzt, sodass die Batterien auch während längerer Tauchfahrten geladen werden können, ohne dass das Boot auftauchen oder Außenluft aufnehmen muss. Dadurch kann es länger unter Wasser und damit verborgen bleiben.
Der Bau des U-Bootes dauerte mehr als zwölf Jahre. Seine Reise von Deutschland nach Israel führte über rund 8.000 Kilometer beziehungsweise etwa 4.000 Seemeilen. Israelische Marineoffiziere und Ingenieure waren über Jahre hinweg in Deutschland an dem Projekt beteiligt und begleiteten auch die Erprobungsphase.
Nach Angaben israelischer Sicherheitsvertreter wird die „Drakon“ nach ihrer Ankunft noch nicht unmittelbar für operative Missionen eingesetzt. Zunächst sollen in Israel weitere Systeme integriert und abschließende Arbeiten vorgenommen werden. Dieser Prozess dürfte etwa zwei Monate dauern.
Die Bedeutung der U-Boot-Flotte hat für Israel in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Nach Angaben von Sicherheitsvertretern sind israelische U-Boote seit dem 7. Oktober 2023 jährlich rund 10.000 Stunden auf See im Einsatz. Die Boote operierten demnach inzwischen auch in Gebieten, in denen israelische U-Boote zuvor nicht eingesetzt worden waren. Dazu gehören Aufklärungs- und andere operative Missionen in weit von Israel entfernten Regionen.
Die Marine sieht sich dabei mit einem zunehmend komplexen Umfeld konfrontiert. Neben Iran und den Huthis im Jemen beobachten israelische Sicherheitskreise auch den Ausbau regionaler Seestreitkräfte und mögliche Gefahren für strategische Infrastruktur im Mittelmeer. Besondere Bedeutung haben dabei die internationalen Schifffahrtswege: Nach Angaben israelischer Sicherheitsvertreter werden rund 98 Prozent des israelischen Außenhandels auf dem Seeweg abgewickelt.
Auch Staatspräsident Herzog hob bei der Zeremonie die strategische Reichweite des neuen U-Bootes hervor. Die „Drakon“ und die weiteren U-Boote, die in den kommenden Jahren zur Flotte stoßen sollen, stünden für eine Marine mit größeren operativen Möglichkeiten. Israel werde diese Fähigkeiten, wenn nötig, auch Tausende Kilometer von seinen Grenzen entfernt einsetzen können.
Gleichzeitig verwies Herzog auf die besondere historische Dimension der deutsch-israelischen Zusammenarbeit. 81 Jahre nach dem Holocaust werde eines der technisch anspruchsvollsten Waffensysteme Israels gemeinsam mit Deutschland entwickelt und gebaut. Auch Zamir bezeichnete die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern als strategisch bedeutsam.
Mit der „Drakon“ endet zugleich eine Generation des israelischen U-Boot-Programms. Bereits im Bau befinden sich drei U-Boote der neuen Dakar-Klasse, die langfristig ältere Boote ersetzen und die Fähigkeiten der israelischen Marine weiter ausbauen sollen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen sie über größere Reichweiten verfügen und längere Einsätze ermöglichen.



