Vorurteile

Kurz vor Beginn ihres Praktikums bei uns erzählt Eliane Müller noch einmal von ihren Eindrücken, die sie während ihres bisherigen Aufenthalts im Land bekommen hat.

Wachmann am Eingang zur Universität
Eliane Müller

Wenn man nach Israel fliegt und vorher anderen Menschen von seinem Vorhaben berichtet, bekommt man ganz interessante Antworten. Meist sind die Reaktionen sehr gegensätzlich. Entweder man stößt auf vollkommenes Unverständnis oder aber die andere Person ist total begeistert. Da mein jetziger Besuch nicht mein erstes Mal in Israel ist, war ich darauf schon vorbereitet. Allerdings verstärkt sich das Ganze auch noch einmal extrem, wenn man ganz allein als junges Mädchen für einen längeren Zeitraum nach Israel geht.

„Ist es dort nicht gefährlich?!“, fragte mich eine Freundin, die hier für so viele andere Menschen steht. Und ich kann sie sogar etwas verstehen. Wenn man nie hier war und wenn man nur Informationen der üblichen Medien bekommt, dann entsteht so ein Bild leicht. Mir liegt es schon lange am Herzen, dieses Bild etwas zurechtzurücken und so versuche ich seit einiger Zeit in meinem Bekanntenkreis und auf sozialen Medien wichtige Informationen objektiv weiterzugeben. Ich höre und schreibe von Raketen, Infiltrationen, Drohnenangriffen und Terrorattacken.

Umso überraschter war ich allerdings, als ich nervös meine Dozentinnen und Dozenten meiner Heimatuniversität von der Idee unterrichtete, mein Auslandssemester in Israel zu verbringen. Auf deren Reaktionen war ich nicht vorbereitet. Durchweg positiv antworteten sie mir, erzählten von ihren eigenen Reisen nach Israel oder dass sie Israel auch unbedingt einmal besuchen wollen. Sie gaben mir Adressen, wo ich mich bewerben oder hinwenden konnte und unterstützten mich sehr im Vorbereitungsprozess. Ohne das Ganze auch nur einmal zu hinterfragen.

Doch wie sieht das Leben hier jetzt aus? Ist es sicher, fühlt man sich sicher? Als jemand, der schon mehrmals in Israel war und hier Freunde hat, weiß ich auch, dass angesprochenen Berichte in den Medien nicht das alltägliche Leben hier widerspiegeln. Es wird ja nur berichtet, wenn etwas Negatives passiert. Die Berichte spiegeln also nur einen Teil des Lebens hier wider. Und zwar den unschönen. Doch das Leben in Israel macht so viel mehr aus. Und so konnte ich meiner Freundin ruhig und ehrlich antworten: „Ich habe mich bisher jedes Mal in Israel sehr wohlgefühlt. Und passieren kann außerdem überall etwas.“

Wer schon einmal in Israel war, weiß, dass es hier oft Sicherheitskontrollen gibt und überall Soldaten und Zivilisten mit Waffen anwesend sind, solange man nicht in irgendwelchen kleinen Gassen oder dunklen Wäldern verschwindet. Und das sollte man in Deutschland sowieso auch nicht tun. Für manche wirken diese Maßnahmen eventuell erst einmal einschüchternd, doch man gewöhnt sich schnell an sie — sie werden zur Routine — und man lernt, sie zu schätzen.

Die Universität kennt wahrscheinlich die gleichen Befürchtungen, die ich angesprochen hatte, und versendete deshalb vor meiner Abreise ein Schreiben mit deren Sicherheitsvorkehrungen: Sicherheitspersonal vor dem Gelände und noch einmal bei den Gebäuden und bei den Wohnheimen rund um die Uhr einen Sicherheitsbeamten vor Ort. Es wurde auch darum gebeten, diese Informationen an besorgte Eltern, Familienangehörige und Freunde weiterzugeben. Eltern und angegebene Kontaktpersonen würden außerdem so schnell wie möglich von der Universität über das Wohlbefinden der Studierenden informiert, falls in Israel etwas passiert.

Für meine Sicherheit ist hier also mehr als genug gesorgt. Und gerade hier in Haifa sieht man, dass das Zusammenleben zwischen Juden, Christen und Moslems auch gut funktioniert. Auf dem Campus und in der Stadt leben sie nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander. Und egal bei wem, mir begegnet immer wieder diese hilfsbereite, freundliche und offene Art, die man von Israelis kennt. Da hilft mir zum Beispiel der arabische Busfahrer und wartet sogar, bis mein Anschlussbus angekommen ist, um sicherzugehen, dass ich gut ankomme, wo ich ankommen will.

Das alltägliche Leben in Israel ist also eher von Zusammenleben, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit geprägt. Die Schönheit des Landes und dessen Sehenswürdigkeiten und Geschichte nicht zu vergessen. Natürlich gibt es auch dunkle Seiten und Momente. Das Leben hier ist nicht nur weiß, allerdings auch nicht nur schwarz, sondern sehr bunt.

 

 

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