Tacheles mit Aviel – Die Burg der Juden, Soldaten, Pilger, Jesus und das Volk Israel

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Wer mich kennt, weiß das. Mit Klartext und ohne Umschweife werde ich Themen auf den Kern der Sache bringen.

von Aviel Schneider | | Themen: Christen
Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem Theophilos III. leitet am 18. Januar 2023 in der Nähe der Stadt Jericho im Westjordanland eine traditionelle Epiphanias-Taufzeremonie in Qasr el Yahud, dem Ort, an dem Jesus getauft worden sein soll.
Am östlichen Jordanufer in Jordanien nehmen ebenso Christen an der Feier statt. Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Jedes Jahr im Januar strömen Tausende von christlichen Pilgern in die Jordansenke, um das jährliche Fest Epiphanias an der Taufstelle am westlichen Jordanufer Qaser al-Yahud zu feiern. Insbesondere feiern die orthodoxen Kirchen die Erscheinung Gottes auf Erden, dort wo Johannes der Täufer Jesus getauft hat. Die Erscheinung Gottes führt jährlich Christen von der römisch-katholischen Kirche bis zur äthiopisch-orthodoxen Kirche in die „Burg der Juden“. Und wie der Name andeutet, so sind außer christlichen Traditionen der Taufe Jesu auch jüdische Traditionen mit dem Jordanfluss verbunden, wie der Einzug der Kinder Israels ins Gelobte Land und die Himmelfahrt des Propheten Elija. Ein christliches Taufspektakel inmitten der Wüste und der Minenfelder.

Aber selbst der Einzug der Kinder Israels in das Gelobte Land hat etwas mit der Taufe und der Wiedergeburt zu tun. Sie mussten den Jordanfluss überqueren, um in das neue Königreich einzutreten. Vorher, als die Kinder Israels aus Ägypten geflohen sind, mussten sie durch das Schilfmeer ziehen (2.Mose 14). Vor dem geschlossenen Schilfmeer sagte Gott „heute an jenem Tag werdet ihr meine Erlösung (Jeschua – ישועה) sehen. Nachdem die Kinder Israels gerettet waren und das Schilfmeer wieder geschlossen war, sagte Gott: „An diesem Tage wurde Israel erlöst, von der Ägypter Hand“. In beiden Versen benutzt der hebräische Bibeltext die Wortwurzel Jeschua, Erlösung. In den deutschen Bibel wird nicht erlösen oder Erlösung erwähnt, sondern Hilfe, retten, schaffen oder Heil. Damit geht der Punkt der Erlösung verloren. Dieselbe Symbolik von Wasser und Erlösung erscheint in der Geschichte der Kinder Israels, sobald sie Wasser durchqueren. Und wer weiß, vielleicht war die Taufstelle Jesu derselbe Ort, wo das Volk Israel mit seinem Einzug ins Land getauft wurde.

christliche Pilger im Jordan Fluss
christliche Pilger im Jordan Fluss

Zurück in die Zukunft und Epiphanias. Epiphanias ist nach Ostern das älteste christliche Fest und geht auf die Tradition der Ostkirche im zweiten Jahrhundert zurück, die an diesem Tag auch heute noch die Geburt Christi feiert. Der Begriff Epiphanias stammt aus dem Griechischen und beschreibt die Erscheinung Gottes in Jesus. Es fasziniert mich jedes Mal, wenn man tausende Christen in der endlosen Schlange in der biblischen Wüste sieht. Sie warten alle geduldig, bis sie das Flussufer erreicht haben und ihre leeren Mineralflaschen mit Wasser aus dem Jordan füllen und mit sich nehmen. Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III, leitete unter Aufsicht der israelischen Soldaten die christliche Zeremonie. Juden begleiten die Christen während den Feiern an der christlichen Taufstelle. Hört sich seltsam an, aber die ersten die sich dort alle getauft haben, waren Juden.

Was denken sich wohl die israelischen Soldaten, die für die Sicherheit der christlichen Pilger an der Taufstelle am Jordan Fluss verantwortlich sind.

Alle Soldaten werden vorher aufgeklärt, wer die Christen sind, und was das Fest für sie bedeutet. Viele dieser Soldaten hören zum ersten Mal mehr über den christlichen Glauben und die Tradition. Die meisten Soldaten wissen grundsätzlich, dass Jesus und seine Jünger alles Juden waren. Was sie aber nicht verstehen ist, wie ein Gott als Mensch erscheinen kann. Aus jüdischer Sicht- und Denkweise ist das Blasphemie, denn es gibt nur einen Gott, der Heilige Israels, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sobald man an mehr Götter glaubt, ist das Götzendienst. Und das beschäftigt die Soldaten, während sie die Christen in der Menschenschlange beobachten. Was in ihren Köpfen vor sich geht, weiß ich nicht, aber für die meisten ist das fremd und seltsam. Eine Tradition unter vielen, wie im Judentum.

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem Theophilos III leitete unter Aufsicht der israelischen Soldaten die christliche Zeremonie.
Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem Theophilos III leitete unter Aufsicht der israelischen Soldaten die christliche Zeremonie.

Die Geschichte der Kirchen reicht bis in die byzantinische Zeit zurück. In den 1930er Jahren wurden in der Jordansenke einige neue Kirchen gebaut, darunter eine winzige römisch-orthodoxe Kirche mit wunderschönen Fresken an den Wänden. Nach der jüdischen Staatsgründung 1948 und nach dem Sechstage-Krieg 1967 wurde die Jordansenke und besonders das Gebiet nördlich des Toten Meeres zum Kriegsgebiet und war mit Minen übersät, da viele Infiltratoren die Grenze von Jordanien nach Israel überschritten hatten. Nachdem Israel mit Jordanien 1994 einen Friedensvertrag abgeschlossen haben, blieb die „Burg der Juden“ weiterhin ein militärisches Sperrgebiet, bis Israel vor kurzem eine Sonderaktion zur Minenräumung durchführte und damit die christliche Welt zur Taufstelle am Jordanfluss einlud. Wer möchte kann die „Burg der Juden“ am Jordanfluss auch als Taufstelle Israels betrachten, denn wenn die Bibel den Durchgang durch Wasser, ob Meer oder Fluss, als Erlösung betrachtet, dann hat das wahrscheinlich einen Grund.

Eine Antwort zu “Tacheles mit Aviel – Die Burg der Juden, Soldaten, Pilger, Jesus und das Volk Israel”

  1. spenglersilvia sagt:

    Nicht nur, wer möchte, sollte diese Jordanstelle als Taufstelle der Juden ansehen, sondern es ist dringend nötig, dass die Christenheit das erkennt.
    Ich kann die Soldaten gut verstehen – so wie wir über die Jahrtausende mit
    dem Augapfel Gottes umgegangen sind.
    Nicht von uns, sondern vom jüdischen Volk ist die Retterbotschaft ausgegangen.
    Ich wünschte, dass endlich echte Versöhnung durch unsere Buße stattfindet
    und Israel befriedet wird und Gottes Weisung durch uns Menschen befolgt wird.
    ER ist der Vater und hat das Sagen.
    Shalom wünsche ich Israel!

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