Sollten die Rabbiner Autorität über messianische Juden haben?

Messianische Juden, die einen orthodoxen Hintergrund haben, sehen Dinge in einem anderen Licht, als jene, die mehr mit der „Kirche“ verbunden sind

Rabbiner
Yaaco Cohen/FLASH90

In Israel gibt es eine anhaltende Debatte unter messianischen Juden, ob die Rabbis und ihre Gesetze über das Leben der Juden, die an Jesus glauben, Autorität haben sollten. Ein bekannter jüdischer Gläubiger eines einflussreichen israelischen Dienstes weist diese Vorstellung ab. Er glaubt nicht, dass Rabbis noch Autorität über Juden ausüben können, die an Jesus glauben. Shay Kedem Calabrese, ein israelischer Jude und Nachfolger Jesu mit einem orthodox-jüdischen Hintergrund, hat den messianischen Juden eine durchdachte Antwort zukommen lassen, die wir hier abdrucken möchten:

 

Ein bekannter Spruch besagt, „mit der Geschichte kann man nicht streiten“.

Als einer, der in der Welt der rabbinischen Literatur des ersten Jahrhunderts aufgewachsen ist, kann ich euch versichern, dass es ausgehend vom jüdischen Geist des Zweiten Tempel bis zum heutigen Tag eine durchgehende Linie gibt, trotz all der Veränderungen und Dynamiken, die das Judentum über die Jahre geformt haben.

Jene, die sagen, dass die Rabbis (wobei der Begriff unangebracht ist, weil ein „Jude“ so viel mehr als ein „Rabbi“ ist) immer noch die Autorität über unser Leben haben, haben recht, egal was ich über diese Rabbis denke. Die Wahrheit ist, dass das reiche Erbe der jüdischen Literatur die Diaspora-Juden bewahrt und geformt hat. Dieses Erbe hat die jüdischen Gemeinden befähigt, aus ihrer „verschlossenen“ Welt herauszuwachsen, und sie dazu ermutigt, zu schreiben und kreativ zu sein. Es ist den Rabbis zu verdanken, dass wir ein literarisches Genre oder eine philosophische Basis für ein moralisches jüdisches Leben.

Das jüdische „Bücherregal“ ist breiter als die „Beschränktheit“, von der viele annehmen, sie bestimme, was ein Rabbi ist. Daher die Unwissenheit, mit der sich Juden herumschlagen müssen, und die ihnen von solchen entgegenschlägt, die sagen, „Sie haben den Messias getötet“.

Dies ist einfach nicht wahr. Noch einmal, wir, die wir an Jesus glauben, müssen andere dazu ermutigen, offen und durchdacht zu handeln, statt Unwissen, Ablehnung und Hass zu fördern.

In der jüdischen Literatur findet man rabbinische Halacha-Richtlinien für das Leben. Die halachische Literatur ist jedoch nur ein Teil von mindestens zehn anderen, die ich aufzählen kann. Es sind diese Schriften, die uns Juden bewahrt und unsere Weltansicht geformt haben, die an uns wie unsichtbarer Kleber haften, ein Volk, das über die vier Enden der Erde verstreut ist. Wir alle haben die gleichen Gebete (mit geringen Abweichungen). Wir alle lesen dieselbe Thora (mit sehr geringen Abweichungen). Und jeder, der die „Rabbis“ beschuldigt, beschuldigt im Grunde genommen die Geschichte und sollte seine Augen auftun und sehen, dass wir die Nachkommen dieser Bärtigen sind, die jetzt sicher in Zion auf den Eimern voller Tränen sitzen, Tränen der Sehnsucht nach dem Land, das heute uns gehört.

Übrigens waren die ersten Einwanderer ins Land Israel und in die Jerusalemer Gemeinde praktizierende Thora-Juden, die die Mitzvot (rabbinische Gebote) eingehalten haben. Sie ließen Polen und die aschkenasische Welt hinter sich und kamen im 18. Jh. ins Land Israel. Es waren Schüler des Gaon von Vilna, einem bekannten osteuropäischen Rabbi. Es waren keine messianischen Gruppen, die ins Land kamen, um die Wüste zum Blühen zu bringen und die Sümpfe auszutrocknen.

An dieser Stelle noch eine weitere historische Wahrheit: Rabbi Akiva Schlesinger, der aus Ungarn einwanderte, gründete die Stadt Petach Tikva, benannt nach einem Vers aus Hosea: „Danach werde ich sie zurückbringen und ihr die Weinberge wiedergeben“. Zusammen mit Rabbi Yoel Moishe Solomon bestimmte er, dass es „eine gute Tat ist, sich im Land anzusiedeln“. Keiner von ihnen ging davon aus, dass neue Siedler sich in einer Jeschiwa oder in religiösen Lehranstalten niederlassen sollten.

Was die rabbinische Autorität angeht, habt ihr, meine Freunde, ebenso ein enormes Unwissen, weil ihr nur an das Ende des Bleistiftes schaut, auf einen modernen, verbrauchten „Rabbi“, der im Vergleich zu den großen rabbinischen Denkern verblasst. Und ihr sagt, „Das ist der Rabbi“. Ein großer Fehler.

Die folgenden Zeilen stammen von David Gutman, die er während seines ersten Passah-Festes in Eretz Israel in seinem Haus in Petach Tikva sagte:

„Diese Nacht ist eine Nacht der Erinnerung an Israel und die Wunder, die unser Gott unseren Vorvätern getan hat, als sie Ägypten verließen, aus der Sklaverei in die Freiheit, aus der Knechtschaft in die Erlösung, Erlösung des Geistes und Erlösung des Leibes. In dieser Nacht müssen wir den „Schehechejanu“-Segen beten, und zwar mit doppelter Absicht: Um die erste landwirtschaftliche Siedlung in unserem Heiligen Land zu beleben und um einen Pfad zu ebnen, damit andere uns darauf folgen können. Heute sind wir die ersten Vögel, die das Licht der Morgendämmerung ankündigen, und Gott ist das Licht, das uns Hoffnung gibt und seinen heiligen Weg zeigt. An diesem Ort (Israel), ist uns das Morgenlicht erschienen und schon bald schien die Sonne auf uns herab, jene die den Herrn fürchten, die Sonne der Gerechtigkeit, die Heilung in ihren Flügeln birgt. Die erhabene Seele Israels wird zurückkehren in die Welt und einmal mehr privilegiert sein, Propheten und Gerechte für den Höchsten hervorzubringen und für die Erlösung der Welt“. Diese sind Juden.

 

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