Sind zwei Raketen einen Bericht wert?

Gedanken nach zwei weiteren Raketen und einem Versehen der israelischen Armee.

Sind zwei Raketen einen Bericht wert?
Abed Rahim Khatib/Flash90

Am Freitagabend machte sich wieder einmal mein Handy bemerkbar. Es tanzte auf meinem Tisch im Wohnzimmer. Ich lasse es zu Hause meistens nur vibrieren. Ich unterbrach den Film auf Netflix, um zu sehen, warum sich mein Handy gemeldet hatte. Im Süden war wieder mal Raketenalarm ausgelöst worden. „Wieder eine Rakete im Süden“, sagte ich zu meiner Frau, dann haben wir den Film weiter geschaut.

Später habe ich dann noch einmal die Nachrichten überflogen, insgesamt zwei Raketen wurden vom Gazastreifen in Richtung Israel abgeschossen. Beide landeten auf freiem Feld. Nichts war passiert. Nebenbei nahm ich auch zur Kenntnis, dass es am Grenzzaun wieder Unruhen gab. „Die Situation im Süden scheint sich wieder etwas anzuspannen“, dachte ich mir. Die Raketen waren wohl eine Reaktion auf einen Vorfall, wo die israelische Armee einen Hamas-Angehörigen erschossen hatte. Danach stellte sich heraus, dass dieser damit beschäftigt war „Demonstranten“ vom Grenzzaun fernzuhalten. Die Armee entschuldigte sich für den Irrtum.

Klingt nicht gut, ja, das ist richtig. Und dieser Fall ist sicher wieder Kanonenfutter für die Israel Kritiker. Und die Hamas erlaubte sich eine Reaktion darauf. Heute früh wurde im israelischen Radio der Funkverkehr zwischen Hamas-Leuten veröffentlicht, woraus eindeutig hervorgeht, dass die Hamas hinter dem Abschuss der beiden Raketen steht.

Israel hat auf den Raketenangriff diesmal nicht reagiert. Grund dafür mag wohl das versehentliche Erschießen des Hamas-Angehörigen sein. Auf israelischer Seite war man mit der Entschuldigung vor der Hamas nicht unbedingt glücklich. „Und was ist mit unseren Kindern?“, fragte man sich im Grenzgebiet zum Gazastreifen. „Man entschuldigt sich für den Tod von Terroristen aber man entschuldigt sich nicht bei unseren Kindern, die schon seit Jahren in Angst leben?“

Keine einfache Situation. Und ich begann heute früh die neue Woche mit der Frage, ob ich überhaupt über die zwei Raketen vom Freitag berichten soll. Es war ja nichts passiert. Die Raketen landeten auf freiem Feld. Es scheint im Süden sehr viele dieser freien Felder zu geben. Macht es einen Unterschied, ob nun noch zwei Raketen mehr auf israelischem Gebiet explodiert sind? Auch war da ja dieses dumme Missgeschick, wo der Hamas-Mensch, der sich den Meldungen zufolge darum bemühte, andere vom Grenzzaun fernzuhalten, von israelischen Soldaten ins Visier genommen und erschossen worden war. Ja, das hätte nicht passieren dürfen. Aber die ganze Situation im Süden ist nicht einfach. Ein Pulverfass, das in jedem Moment explodieren könnte. Tausende angebliche Demonstranten am Grenzzaun, so oft hatten viele von ihnen versucht, gewaltsam die Grenze zu überschreiten, Steine und Sprengsätze auf israelische Soldaten geworfen, manchmal auch auf die Soldaten geschossen.

Nichts Neues im Süden. „Demonstranten” am Grenzzaun, Freitag. (Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90)

Ich ertappe mich immer mehr dabei, diese angespannte Lage im Süden als normal hinzunehmen. Würden wir diese ganze Sache jedoch nach Deutschland verlegen, alle Fernsehstationen der Welt würden nur noch darüber berichten. Aber die Raketen wurden ja nur auf Israel geschossen, mehr nicht. Israel muss erst darauf reagieren, um wieder in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu kommen. „Israel bombardiert den Gazastreifen“, diese Schlagzeile verkauft sich immer gut, oder?

Beim Schreiben meiner Gedanken bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass man über jede Rakete, die auf uns geschossen wird, berichten muss. Es ist nicht normal, es kann einfach nicht normal sein. Dieser ganze Zustand ist nicht normal. Und leider passieren dann auch mal Fehler.

Ich hoffe, über keine weiteren Raketenangriffe berichten zu müssen, aber sollte es dazu kommen, werden Sie davon erfahren. Gestern haben bunte Luftballons übrigens für neue Brände im Süden gesorgt. Auch das ist nicht normal.

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