„Nach den Feiertagen“ ist jetzt

Gerne wird bei uns vieles auf die Tage nach den Feiertagen verschoben.

„Nach den Feiertagen“ ist jetzt
Gershon Elinson / Flash90

„Nach den Feiertagen“ ist wohl einer der beliebtesten Sätze hier bei uns in Israel. Zweimal im Jahr haben wir die Möglichkeit, Dinge, die wir tun müssen, auf die Zeit nach den Feiertagen zu verschieben. „Nach den Feiertagen werde ich endlich unseren Keller aufräumen, nach den Feiertagen werde ich das Projekt beenden.“ Auch Handwerker und Techniker verschieben größere Arbeiten immer gerne auf die Tage nach den Festen. „Acharei Ha Chagim“, heißt das auf Hebräisch.

Und nun liegen die Feiertage hinter uns, „Acherei HaChagim“ ist jetzt. Es gibt keine Ausreden mehr, der Alltag hat uns wieder. Ich habe mich regelrecht schnell an diesen israelischen Brauch gewöhnt. Aber jetzt müssen Taten folgen. So habe ich endlich einen neuen Reisepass für meine Tochter beantragt und einen Termin bei der Stadt vereinbart. Ich habe sogar damit begonnen, unseren Keller etwas aufzuräumen, denn ich habe ja jetzt keine Ausrede mehr. So oft hatte ich dies wieder verschoben, von einem Feiertag zum nächsten. Doch das geht jetzt nicht mehr. Die nächsten freien Feiertage werden erst zu Pessach sein, bis dahin ist es einfach zu lang.

Auch unsere Politiker benutzen diesen Satz sehr gerne. „Nach den Feiertagen“ werde man sich um alles kümmern. Doch zunächst muss gefeiert werden. Während dieser ewig langen Festtage haben wir fast völlig vergessen, dass wir vor einem Monat wieder einmal gewählt hatten. Wir hatten gar keine Zeit, uns über den Verlauf der Gespräche für eine Regierungskoalition zu interessieren. Erst seit gestern, nach den Feiertagen also, ist uns wieder bewusst geworden, in was für einem politischen Chaos wir uns eigentlich befinden. Werden uns diese Tage nach den Feiertagen endlich aus dieser unmöglichen politischen Lage befreien?

Auch in unserer Redaktion herrscht wieder ein reges Treiben. Es ist schön, wieder im normalen Alltagstrott zu sein. Jetzt kann alles wieder mit voller Energie angegangen werden. Draußen werden noch einige Laubhütten abgebaut, danach werden auch die letzten Spuren der Feiertage verschwunden sein. Aber wir haben ja noch den Shabbat, auf den wir uns jede Woche freuen können.

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