#MeToo als Stimmenfänger?

Auch das passiert in Israel: Eine Affäre um einen Knesset-Abgeordneten der Arbeitspartei (Teil der Zionistischen Liste), der von einer Frau beschuldigt wurde, sie vor 15 Jahren sexuell belästigt zu haben, schlägt noch immer große Wellen in den israelischen Medien.

#MeToo als Stimmenfänger?

Eine Affäre um einen Knesset-Abgeordneten der Arbeitspartei (Teil der Zionistischen Liste), der von einer Frau beschuldigt wurde, sie vor 15 Jahren sexuell belästigt zu haben, und dann vom Parteivorsitzenden Avi Gabai von allen politischen Aktivitäten suspendiert und als Sexualverbrecher bezeichnet wurde, schlägt noch immer große Wellen in den israelischen Medien.

Der Abgeordnete, Eitan Broshi hat seinen Parteivorsitzenden nun der üblen Nachrede verklagt, da dieser sich nicht für seine Worte entschuldigen wollte. Die Identität der Frau wird noch immer nicht preisgegeben, so das Broshi, der behauptet, sich nicht an einen derartigen Vorfall erinnern zu können, keine Möglichkeit hat, weiter auf diese Anschuldigung einzugehen. Dennoch äußerte sich ein großer Teil seiner Fraktionskollegen gestern gegen ihn und fordern wie der Parteivorsitzende, seinen sofortigen Rücktritt als Abgeordneter. Nach außen sieht diese Affäre innerhalb einer Partei nicht gut aus.

Vor einigen Wochen war Broshi bereits in einer anderen unangenehmen Affäre verwickelt, als er während eines Besuchs seiner Fraktion im Grenzgebiet zum Gazastreifen einer Fraktions-Kollegin an ihrem Hinterteil berührte. Er entschuldigte sich danach für seinen “Ausrutscher”, seine Partei-Kollegin nahm die Entschuldigung an und es kehrte wieder Ruhe in die Fraktion der Zionistischen Liste ein. Bis zu dieser neuen Affäre.

Der Vorfall soll sich, der Aussage der noch anonymen Frau zufolge, wie gesagt vor 15 Jahren ereignet haben, als Eitan Broshi Vorsitzender des Landkreises Jezreel-Tal gewesen war. Broshi selbst sagte über seinen Anwalt, dass er sich nicht an einen solchen Vorfall erinnere und verlangte vom Parteivorsitzenden Avi Gabai eine Entschuldigung, die dieser verweigerte.

Die Atmosphäre in der ohnehin in den Umfragen nicht gut dastehenden Zionistischen Liste ist nicht gut. Ob das Beharren ihres Vorsitzenden, den Abgeordneten Eitan Broshi schon jetzt als Sexualverbrecher zu bezeichnen, der Partei Stimmen geben wird, wird die Zukunft zeigen. Avi Gabai stellt sich offen auf die Seite der Opfer, so etwas sieht immer gut aus. Allerdings wurde Eitan Broshi bis jetzt nicht die Gelegenheit gegeben, sich zu verteidigen, er kann es auch nicht, weil ihm noch immer der Name der Frau, die von ihm belästigt worden sein soll, verschwiegen wird. Vor einem Gericht gilt ein Mensch als unschuldig, bis seine Schuld erwiesen worden ist, in der Arbeitspartei scheint dies anders gesehen zu werden.

Bild: Knessetangeordneter Eitan Broshi von der Zionistischen Liste (Foto: Hadas Parush/Flash90)

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