Israelische Rabbis im Hahnenkampf

Ein vor kurzem entfachter Streit unter den Rabbinern über koschere Hühner zeigt viel über die religiösen Grundlagen Israels.

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Vor etwa drei Jahren begannen einige orthodoxe Unternehmer, eine belgische Hühnerart zu importieren.

Anfangs verkauften sie die Bargel Eier über dem Marktpreis und unter der strengsten Koscherauszeichnung Mehadrin (für Juden, die es mit ihrem Koscherzertifikat ernst nehmen).

Als die Eier unter den Verbrauchern gut ankamen, bauten die Unternehmer einen Schlachthof und begannen, die reinen Barkel Hühner zu importieren. Sie hatten bereits etwa 7000 Hühner geschlachtet, als sie vor ein jüdisches Gericht (Bet Din) geladen wurden, das bewerten sollte, ob die Hühner koscher sind oder nicht.

Die „Barkel Kontroverse“ wurde zu einem Witz für viele Israelis, die sie als ein weiteres Beispiel der Rückständigkeit der Rabbis und der Irrelevanz des jüdischen Gesetzes sahen. Ein Huhn ist ein Huhn, sagten sie vor laufenden Kameras, während ein bizarrer Test erläutert wurde, mit dem die „Koscherheit“ des Huhns bestimmt werden sollte. Damit es koscher ist, muss das Huhn in der Lage sein, auf einem Besenstiel zu stehen. Das Barkel Huhn fiel bei diesem Test durch und rettete damit sein Leben.

Aber Spaß beiseite, für Juden, die die göttlichen Gesetze ernst nehmen, ist das Essen eines unreinen Tiers eine sehr wichtige Sache. Heutzutage werden alle Hühner als reines Geflügel angesehen, ohne dass man viel darüber nachdenkt. Wenn man jedoch bedenkt, dass fleischfressende Vögel unrein sind, ist ein Huhn, das auch Fleisch ist, ein Grenzfall. Aus diesem Grunde essen karaitische Juden kein Huhn und viele andere essen nur Hühner, die seit mehreren Generationen als solche bekannt sind. Um die Sache noch komplizierter zu machen, haben Barkel Hühner haarähnliche Federn am Nacken, eine Besonderheit, die es in die Strauß-Kategorie einstufen könnte, was ein unreines Geflügel ist.

Das Barkel Huhn musste deswegen den Test der Tradition bestehen, sowie den der Wissenschaft. Im Bereich der Tradition hat der hoch angesehene Rabbi Moshe Sternbuch nach einer Untersuchung geurteilt, dass das Barkel Huhn, trotz gegenteiliger Beteuerung der Unternehmer, unter vorherigen Generationen unbekannt war. Das bedeutet, dass das Barkel eine Kreuzung ist und deswegen unrein ist.

Rabbi Sternbuch zeigte auch eine weitere Schicht dieses koscheren Hahnenkampfs auf. Die orthodoxe Gesellschaft ist insgesamt wirtschaftlich nicht so stabil wie andere und das ist für die beteiligten Rabbiner immer ein wichtiger Aspekt. Die anfängliche Erlaubnis von weniger angesehen Rabbinern für den Import des Huhns basierte auf einer mündlichen Vereinbarung, wonach das Fleisch nicht teurer sein darf als das von heimischen Hühnern. Die Tatsache, dass die Barkel Eier teurer waren und als „extra koscher“ angepriesen wurde, verärgerte viele einheimische Wettbewerber und vielleicht war dieser ganze Hahnenkampf ein eher unkoscherer Schwindel.

Wie es in Israel immer wieder vorkommt, stimmten andere Rabbiner nicht mit dem Urteil von Rabbi Sternbuch überein. Die Entscheidung des religiös-zionistischen Rabbis Yehuda Amichai basierte auf einer Untersuchung der Organe des Huhns, was zu einem anderen Ergebnis führte.

Für Außenstehende mag diese Diskussion etwas befremdlich erscheinen, aber für Juden, die koscher essen, gilt es ,ein göttliches Gebot zu erfüllen und deswegen ist diese Kontroverse selbst durchaus koscher.

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