Israelisch-arabische Athletin wird als Verräterin beschimpft

Hanin Nasser ist israelische Meisterin im Hochsprung und vertritt Israel bei den U23 Europameisterschaften, wofür sie von arabischen Organisationen als Verräterin beschimpft wird.

Hanin Nasser gehört zu den besten Sportlerinnen Israels. Die 22-Jährige ist israelische Meisterin im Hochsprung und vertritt das Land bei den U23-Leichtathletik-Europameisterschaften in Stockholm, Schweden, die heute beginnen.

Doch dafür muss sie einen wahren Shitstorm über sich ergehen lassen, ganz besonders durch eine arabisch-israelische Jugendgruppe aus Haifa, die die vielversprechende junge Sportlerin des Verrats am palästinensischen Volk beschuldigt und sie auffordert, nicht an der Europameisterschaft teilzunehmen. Hanin Nasser ist eine muslimische Araberin.

Hanin Nasser

Die arabische Jugendgruppe hat in den letzten Tagen mehrere Posts auf ihrer Facebookseite veröffentlicht, in denen sie die Sportlerin auffordert, es sich noch einmal zu überlegen und ihre Teilnahme an der Europameisterschaft abzusagen. Durch ihre Teilnahme an der Europameisterschaft für den Staat Israel würde sie den Zionismus vertreten und dafür benutzt werden, den verbrecherischen Rassismus Israels reinzuwaschen.

Die Gruppe berichtet weiter, dass man Hanin Nasser Alternativen vorgeschlagen habe, ihre sportliche Begabung über andere internationale Sportverbände zu fördern. Nachdem es der Gruppe nicht gelungen war, Kontakt zu der Sportlerin zu bekommen, wandte sie sich in einem Brief an sie.

„Wir haben Informationen erhalten, wonach Du die Absicht hast, Israel in den kommenden Tagen bei einem internationalen Turnier zu vertreten. Während wir stolz auf Dich sind als Sportlerin, sind wir dennoch schockiert darüber, dass Du das Besatzungsland vertrittst und wir hoffen, dass Du es Dir nochmal überlegen wirst, damit das Besatzungsland die Gelegenheit verpasst, Deine Begabung im Hochsprung für die Verbesserung seines Ansehens mithilfe eines Sprunges auf die Wunden des palästinensischen Volkes zu nutzen“, heißt es unter anderem in einem Brief, dessen Inhalt auf dem Nachrichtenportal Mekor Rishon veröffentlicht wurde.

Um Hanin Nasser umzustimmen, wurden ihr verlockende Angebote gemacht:

„Bitte überlege es Dir noch einmal, liebe Hanin, bevor Du als ‘israelische Athletin’ vorgestellt wirst, die ein Kolonialsystem unterstützt, das hohe Zementzäune baut, um uns als palästinensisches Volk auf dem besetzten Gebiet zu trennen. Als Gegenleistung, wenn Du Dich dazu entscheidest, auf die Teilnahme zu verzichten, sind wir bereit, Dich bei Deiner sportlichen Karriere zu unterstützen und alles dazu mögliche zu mobilisieren, um Deinen und unseren Traum zu erfüllen.“

Entdeckt wurden die Facebook-Posts von der israelischen Organisation Im Tirzu. Mit der Bedrohung einer israelischen Sportlerin sei eine rote Linie überschritten worden, erklärte die Organisation und verlangte juristische Maßnahmen. „Jugend-Organisationen sollten die Botschaft der Koexistenz verbreiten, doch stattdessen folgen sie leeren Parolen für Trennung, Hass und Boykott.“

Der Israelische Leichtathletik-Verband erklärte als Reaktion, dass im Sport kein Platz für Politik sei. „Der Sport ist eine Plattform für die Einheit und das Zusammenbringen von Menschen. Wir sind stolz auf Hanin und glücklich, dass sie uns im Ausland vertritt und wünschen ihr viel Erfolg beim Turnier.“

Die Gruppe Together – Vouch for Each Other“ (Gemeinsam – Füreinander bürgen), die aus muslimischen, christlichen und drusischen Jugendlichen besteht, haben ein Foto veröffentlicht, in dem sie ihre Unterstützung für Hanin Nasser zum Ausdruck bringen.

 

Wir können uns dem nur anschließen und wünschen Hanin, die sich nicht von den Drohungen beeinflussen lassen hat, viel Erfolg.

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