Israel Heute Morgen

Gestern blau, heute grau. Das Wetter hat sich über Nacht völlig verändert. Ein paar Worte und Gedanken über die geplatzten Träume, schon in einem Monat mit dem Schnellzug von Tel Aviv nach Jerusalem fahren zu können, die neueste Bestechungsaffäre, die immer größere Wellen schlägt und Netanjahu in die Enge zu treiben scheint, und natürlich das Wetter für heute in Israel.

Guten Morgen liebe Leser!

Gestern blau, heute grau. Das Wetter hat sich über Nacht völlig verändert. Als ich heute früh aufstand, hörte ich, wie der Regen auf unsere Markisen im Garten klatschte. Den Regenschirm habe ich damm aber doch zuhause gelassen, ich war optimistisch, denn der für heute vorhergesagte Regen soll später vornehmlich in den südlichen Teilen des Landes fallen. Wie Sie auf dem heutigen Titelfoto sehen können, war es noch immer sehr grau, als ich unsere Redaktion erreichte. Aber jetzt sehe ich draußen schon wieder etwas vom blauen Himmel. Gut, dass der Regenschirm zuhause geblieben ist.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt und diesig. Vor allem im Süden des Landes Möglichkeit von Regenschauern, begleitet von vereinzelten Gewittern. Gefahr von Überflutung der Wadis im Süden. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 16 Grad, Tel Aviv 20 Grad, Haifa 19 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Eilat am Roten Meer 23 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere zwei Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei -213.68 m unter dem Meeresspiegel.

Heute habe ich übrigens meinen Bus um 6:15 Uhr wieder geschafft, wir, meine Tochter und ich, sind heute einfach 5 Minuten früher aus dem Haus gegangen. Das reichte. Überhaupt werde ich wohl noch länger als erwartet mit dem Bus nach Jerusalem fahren müssen, anstatt mit dem Zug. Vor etwa einem Monat war unser Verkehrsminister noch so optimistisch, als er feierlich verkündete, dass der Schnellzug zwischen Tel Aviv und Jerusalem seinen Betrieb Ende März aufnehmen werde. Wir hatten uns alle schon darauf gefreut, in nur 28 Minuten von Tel Aviv nach Jerusalem zu fahren. Doch gestern wurden wir dann wieder in die Realität zurückgeholt und aus den Träumen gerissen. Nichts da mit Schnellzug. Der Beginn des Fahrbetriebs wurde jetzt erst einmal um sechs Monate verschoben. Es würden noch einige Genehmigungen fehlen, die für den Betrieb der Bahn nötig seien, hieß es in der Meldung. Diese Genehmigungen haben mit der Sicherheit zu tun und dazu müssen noch mehrere Tests gemacht werden. Ich frage mich nur, ob man daran nicht schon früher hätte denken können oder sogar müssen. Leider ist es hier bei uns oft so. Da wird gross etwas angekündigt und erst danach beginnt man, sich ernsthaft mit der Sache zu beschäftigen. Das war bei der Jerusalemer Straßenbahn so und auch bei unserem erneuerten Ben-Gurion-Flughafen, dessen Eröffnung immer wieder verschoben wurde. Aber das kennt man in Deutschland wohl auch nur zu gut, stimmt’s?

Vor einiger Zeit fuhr ich mit dem Bus an der Eisenbahnbrücke vorbei, ich freute mich schon, bald auf ihr fahren zu können. Jetzt müssen wir weiter darauf warten.

Und jetzt zurück zu dem Thema, das immer mehr Wellen schlägt, in den Medien wird kaum noch über etwas anderes gesprochen. Alle reden nur noch vom dem politischen Erdbeben, das eventuelle Ende einer Ära in Israel. Alle reden nur noch über die „Akte 4000“.

Gestern wurden erste Einzelheiten der Aussage des Kronzeugen bekanntgegeben. Shlomo Filber war einmal die rechte Hand Netanjahus. Und nun redet er. In den Nachrichten wurde berichtet, wie er von der Polizei überzeugt wurde, Kronzeuge zu werden. Er solle sich doch einmal umschauen, wie alle um ihn herum reich geworden seien, nur er nicht. Er sei ausgenutzt worden. Danach soll er eingebrochen sein, geweint und dem Deal des Kronzeugen zugestimmt haben. Zuhause waren wir erstaunt, wir beendeten unser Gespräch und hörten aufmerksam zu, was im Fernsehen berichtet wurde. Da soll zum Beispiel der ehemalige italienische Ministerpräsident Berlusconi dem damals als Außenminister fungierenden Netanjahu eine teure Uhr geschenkt haben. Shlomo Filber, der ihn damals begleitete, sagte danach sofort, dass er die Uhr natürlich nicht behalten könne, und nahm sie, um sie dann an den Staat zu geben, wo das Geschenk dann registriert und aufbewahrt wird. So ist das mit Geschenken, die man im Rahmen einer öffentlichen Position bekommt. Sarah Netanjahu soll vor Wut geschrien haben, sie wollte die Uhr zurück haben. Ich gebe zu, dass das wirklich unglaublich klingt.Danach soll Filber von seinem Posten im Außenministerium entlassen worden sein. Später kam er zu Netanjahu zurück und wurde seine rechte Hand und Generaldirektor des Kommunikationsministeriums. Danach soll Filber erzählt haben, wie er von Netanjahu persönlich Anweisungen bekommen hätte, die er dann an die Telefongesellschaft Bezeq weiterleitete. Die Polizei soll Filber Aufnahmen vorgespielt haben, in denen der Eigentümer von Bezeq, Shaul Elovitch, dem Chef des Nachrichtenportals Walla Anweisungen bezüglich der Berichterstattung über Netanjahu gab. Oh Oh, kann ich da nur sagen.

Bericht über die Affäre in der Zeitung “Jediot Achronot” – „Netanjahu hat mir klar gemacht, um wen ich mich zu kümmern habe“, lautet die Überschrift, ein Zitat das Kronzeugen, darunter der Bericht über die Uhr.

Und wie geht es jetzt weiter? Bis jetzt zeigt sich Netanjahu noch immer sehr selbstsicher, alles sei nur erfunden, nur um ihn zu stürzen. Der Likud-Abgeordnete Oren Hazan forderte Netanjahu gestern auf, die Regierungsgeschäfte erst einmal einem anderen zu übertragen, dafür wurde er von vielen seiner Parteifreunde kritisiert. Wir müssen jetzt einfach warten. Langweilig wird es nicht sein. In der Opposition bereitet man sich bereits auf den Wahlkampf vor.

Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Donnerstag. Kaum u glauben, dass wir morgen schon wieder Freitag haben. Die Zeit geht eben schnell, wenn es nicht langweilig ist. Also, machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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