Homosexuellen-Therapie: Ist Israel bereits konvertiert?

Der israelische Bildungsminister hat heftige Diskussionen über die Konversionstherapie für Homosexuelle ausgelöst.

von Tsvi Sadan |
Foto: Tomer Neuberg/Flash90

Der israelische Bildungsminister Rafi Peretz, Vorsitzender der Partei Jüdisches Haus, war Hubschrauberpilot der Luftwaffe, bevor er später Oberrabbiner der israelischen Armee wurde. Doch heute ist Peretz ein politischer Neuling, weshalb er naiv davon ausgegangen ist, dass seine Ehrlichkeit in einem Fernsehinterview vor den bevorstehenden Wahlen nach dem Schnitt füe die Sendung fair dargestellt werden würde. Am Ende wurde von dem insgesamt dreistündigen Interview, das er der Reporterin der Channel 12 News, Dana Weiss, gab am vergangenen Samstag nur 15 Minuten ausgestrahlt. Und davon werden sich alle Menschen nur daran erinnern, wie er über die Konversionstherapie für Homosexuelle gesprochen hat.

Fairerweise sollte gesagt werden, dass Peretz nicht einmal angedeutet hat, dass jemand zu einer solchen Therapie gezwungen wurde. Andererseits sagte er, dass er Schwule, die sich an ihn gewandt hätten, auf ihre Bitte hin an professionelle Hilfe überwiesen habe, „und ich sah, dass diese [Konversionstherapie] möglich ist.“ Peretz fügte hinzu, dass er „jeden respektiert, schätzt und liebt, unabhängig von seiner sexuellen Ausrichtung.“ In einem Brief an die Parteimitglieder schrieb Peretz: „Seiein sie nicht verwirrt, sie greifen nicht an, was ich sagte, sondern was ich vertrete. Was wir hier haben, ist ein Kampf um das Recht, anders zu denken.“

Der Brief von Rabbi Peretz kam nach einer Reihe von Verurteilungen, angefangen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der seinen Bildungsminister zurechtwies und darauf bestand, dass „Konversionstherapie inakzeptabel ist“. Israels öffentlich als Homosexueller bekannte Justizminister Amir Ohana sagte, das die Ansichten von Peretz nicht die Meinung der israelischen Regierung vertreten würden und dies ist nicht der Weg des Likud sei. Es seinen die Vorurteile und Unwissenheit, die eine Konversionstherapie nötig hätten.

Überall im politischen Spektrum wird Peretz jetzt als homophober, bigotter und intoleranter Mann bezeichnet, der immer noch im dunklen Zeitalter lebt. Es kursieren Petitionen, in denen er zum Rücktritt als Bildungsminister aufgefordert wird, und in den sozialen Medien wird er mit Beschimpfungen und Beleidigungen überhäuft. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen: Gadi Taub, ein ehemaliger Linker, der unter Konservativen populär wurde, schrieb auf Facebook: „Rabbi Rafi, zieh weg… du bist ein Extremist, selbst in den Augen vieler Rechter… du wirst den rechten Block schaden. Das ist die Zeit … um jemand anderem die Führung zu überlassen … du bist die falsche Person, am falschen Ort, zur falschen Zeit … lass los.“

Die Proteste beschränken sich auch nicht auf Peretz‘ persönliche Meinung zur Konversionstherapie. Im Gegenteil, der ganze Vorfall wird ausgenutzt, um die LGBT-Agenda voranzutreiben. Im Mittelpunkt standen in letzter Zeit Transgender-Kinder. Die nationalen Fernsehmoderatoren Geula Even und Yaron London nutzten die Gelegenheit und eilten ins Studio, um Cohen Hemo zu interviewen, der von seiner unterstützenden Mutter begleitet wurde. Der 18-Jährige beschreibt sich selbst als „Genderqueer“, was er erklärte, indem er sagte: „Ich bin weder ein Mann noch eine Frau, ich bin beides und keines und ich bin alles auf einmal, wie auch immer ich mich fühle.“ Was in diesem Interview so interessant war, war die Reaktion der Gastgeber, ihr Lächeln und Applaus vermittelten ihre völlige Akzeptanz, nicht der Person, sondern des Phänomens als solches.

Und diese völlige Änderung des Denkens ist nichts weniger als eine Bekehrung, die uns zu Justizminister Ohana zurückbringt, der klar von der Notwendigkeit gesprochen hat, all jene zu bekehren, die sich noch an einen biblischen Sinn für Moral halten. Und dies bedeutet, dass es bei dem gegenwärtigen Scharmützel um Peretz ‚Äußerungen, wie er und Ohana zugegeben haben, wirklich darum geht, wer das Recht hat, die andere Seite zu bekehren, und wer nicht. Ohne Zweifel delegitimiert die israelische Gesellschaft heute Peretz‘ Recht, seine Ansichten zu predigen.

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