(JNS) Das Büro einer linksgerichteten Politikerin, die gute Chancen hat, Berlins Bürgermeisterin zu werden, hat versehentlich einen Text weitergeleitet, in dem sie ihre Angst um die Sicherheit ihrer Familie zum Ausdruck bringt, nachdem sie einen Unterstützer namentlich genannt hatte, dem Verbindungen zu palästinensischen Terroristen vorgeworfen werden. Das berichtete der Spiegel am Donnerstag.
Elif Eralp, deren Partei Die Linke bei den Wahlen im vergangenen Monat in Berlin als stärkste Kraft hervorging, schrieb in einer privaten Korrespondenz mit ihrem Pressesprecher: „Ich kann mich und meine Familie nicht für den Spiegel gefährden. Was machen wir jetzt? Können wir das gesamte Interview zurückziehen?“
Die Äußerung bezog sich auf das Beharren des Magazins, eine Erwähnung von Ibrahim Ibrahim durch Eralp zu veröffentlichen. Ibrahim soll ein Unterstützer der palästinensischen Terrororganisationen Hamas und PFLP sein und hatte an Veranstaltungen der Partei Die Linke teilgenommen.
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, der Mitte-rechts-Partei des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel als Reaktion auf die Affäre, dass die potenziellen linken Koalitionspartner der Linken die Gespräche über die Bildung einer Koalition mit der Partei abbrechen müssten.
„Wenn die Frau, die Berlin regieren soll, aus Angst um sich und ihre Familie davor zurückschreckt, Terror-Sympathisanten öffentlich beim Namen zu nennen, während Teile ihrer eigenen Partei mit genau diesen Kreisen gemeinsame Sache machen, dann müssen die vernünftigen Kräfte bei Grünen und SPD [Sozialdemokratische Partei Deutschlands] endlich die Notbremse ziehen“, sagte er.
Eralp kam während eines Interviews, das sie Anfang dieser Woche dem Spiegel gegeben hatte, auf Ibrahim zu sprechen. Der Journalist fragte Eralp nach Antisemitismusvorwürfen gegen einige Unterstützer der Linken. Sie erklärte, die Partei sei dem Kampf gegen Antisemitismus verpflichtet, und fügte hinzu, sie habe „nicht damit gerechnet, dass bei einzelnen Veranstaltungen bestimmte Grenzen überschritten werden könnten“. Der Interviewer fragte sie, ob sie sich damit auf Ibrahim beziehe. Sie bestätigte dies.
Ibrahim wurde als Vertreter der PFLP bezeichnet. Bei der Wahlabendfeier der Linken in Neukölln am 20. September wurde er gemeinsam mit Ferat Koçak, einem Bundestagsabgeordneten der Linken, und Vanessa Emde, einer neu gewählten Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses, fotografiert.
Der Spiegel legte Eralps Büro die Zitate aus dem Interview zur Freigabe vor. Ihr Büro verlangte, sämtliche Erwähnungen Ibrahims zu streichen. Der Spiegel lehnte dies ab.
Die E-Mail des Pressesprechers an den Spiegel enthielt versehentlich eine interne Korrespondenz, in der Eralp dem Sprecher mitteilte, dass sie es bereue, Ibrahim erwähnt zu haben, und in diesem Zusammenhang ihre Angst um die Sicherheit ihrer Familie zum Ausdruck brachte.
Das Berliner Landeskriminalamt habe Eralp geraten, „niemals konkrete Namen zu nennen“, teilte sie ihrem Pressesprecher mit. Dieser Rat folgte auf Belästigungen gegen Eralp im Zusammenhang mit Vorwürfen, ihre Partei unterhalte Verbindungen zu Kriminellenbossen. Doch „jetzt geht es um Menschen mit Verbindungen zur Hamas“, erklärte Eralp laut Spiegel in der internen Korrespondenz.
Ibrahim Ibrahim wird von der Beobachtungsorganisation Democ als langjähriger PFLP-Aktivist und von der WerteInitiative, einer deutschen jüdischen Interessenvertretung, als Sprecher der PFLP bezeichnet. Die PFLP, die Volksfront zur Befreiung Palästinas, ist als Terrororganisation eingestuft.
Wenige Tage nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl reiste Ibrahim laut einem Bericht des Tagesspiegels nach Istanbul, um an einer Konferenz mit Vertretern der Hamas teilzunehmen. Neben der Hisbollah wird auch die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft.
Während einer Rede im vergangenen Jahr bezeichnete Ibrahim den getöteten Hamas-Führer Yahya Sinwar, der für das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel verantwortlich war, als „standhaften Anführer“ und „Märtyrerhelden“. Das geht aus einem Bericht der Beobachtungsorganisation Democ über Ibrahim aus jenem Jahr hervor. Ibrahim erklärte außerdem, der getötete Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah verdiene „enormen Respekt“, wie aus dem Bericht von 2025 hervorgeht.



