Am Vorabend des Jom Kippur brach eine politische Krise zwischen Israel und Russland aus, nachdem eine russische Ilyushin IL-20 von einer syrischen S-200-Rakete abgeschossen wurde, die eine israelisches F-16-Kampfflugzeug in der Nähe des russischen Flugzeugs treffen sollte.
Russland berichtete, dass die 15 Mann starke Besatzung des Aufklärungsflugzeugs IL-20 bei dem Vorfall ums Leben gekommen sei und Israel dafür verurteilte, das russische Flugzeug als Deckung für den Angriff benutzt zu haben.
Um ca. 22 Uhr Montagnacht näherten sich vier israelische F-16-Kampfflugzeuge einer syrisch-iranischen Militäreinrichtung in der Nähe von Latakia im Nordwesten Syriens und feuerten Raketen auf das Ziel ab.
Die israelische Luftwaffe (IAF) startete den Raketenangriff, als die F-16-Jets über eine französische Fregatte flogen, was die Russen glauben ließ, dass das französische Marineschiff in den Angriff mit verwickelt gewesen war.
„Israelische Flugzeuge haben bewusst eine gefährliche Situation für Schiffe und Flugzeuge in der Gegend geschaffen“, heißt es in einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums.
„Als Folge wurde das russische IL-20 Aufklärungsflugzeug, deren effektive reflektierende Oberfläche größer als die der F-16 ist, von einer C-200-Rakete abgeschossen“. Weiter hieß es in der Erklärung, dass die IAF-Flugzeuge das größeres russisches Flugzeug als Schutzschild gegen eintreffende syrische Flugabwehrraketen benutzt hätten.
Die Russen berichteten auch, Israel habe nur eine Minute vor Beginn der Aktion seiner F-16 Jets über eine spezielle Hotline eine Vorwarnung gegeben und beschuldigte Israel, bewusst diese Provokation durchgeführt zu haben.
„Dies entspricht absolut nicht dem Geist der russisch-israelischen Partnerschaft. Wir behalten uns das Recht auf eine angemessene Antwort vor“, warnte das russische Verteidigungsministerium.
Der Vorfall veranschaulichte die sehr komplexe Situation in Syrien, wo Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition gegen ISIS, Russland, Syrien, die Türkei und Israel Einsätze und Angriffe im syrischen Luftraum durchführen, während eine Vielzahl von Milizen und anderen Streitkräften gegeneinander kämpfen.
Der Iran baut seine Streitkräfte weiterhin aus und setzt auch weiterhin fortgeschrittene Waffen in Westsyrien ein, während die USA und die Türkei versuchen, ihre Militärpräsenz im Land zu erweitern.
Die Russen haben einen Luftwaffenstützpunkt und einen Marinehafen im Nordwesten Syriens und haben ihr hochmodernes Flugabwehrschild S-400 stationiert, das sie am Montagabend nicht benutzt haben.
Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das russische Militär die Situation deeskalieren wollte. Stattdessen entscheiden sich die Russen für eine politische Krise mit Israel. Der russische Verteidigungsminister Sergei Shoigu telefonierte mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Liberman und sagte ihm, dass Israel für den Abschuss der IL-20 und den Tod von 15 russischen Soldaten verantwortlich sei.
Wenige Stunden später wurde Gary Koren, der israelische Botschafter in Russland, zu einem Gespräch im Moskauer Außenministerium vorgeladen.
Es wird erwartet, dass die Krise Auswirkungen auf Israels Fähigkeit haben wird, Luftangriffe gegen iranische Ziele in Syrien durchzuführen. Bis jetzt haben die Russen die IAF-Angriffe gegen diese Ziele ignoriert und sie nur verurteilt.
Premierminister Benjamin Netanjahu hat viel in die Beziehungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin investiert, um die Operationsfreiheit gegen den Iran in Syrien aufrechtzuerhalten. Das könnte sich jetzt ändern.
Die russische Reaktion zeigt, dass Putin den Tod von 15 seiner Soldaten nicht ignoriert und die israelischen Luftangriffe gegen iranische Ziele in Syrien offenbar als Bedrohung für das russische Militär betrachtet.




