Als muslimische Führer christliche Politiker davon überzeugten, Zionisten zu sein

“Natürlich wollen wir, dass Zionisten nach Palästina kommen. Wir wissen, was passieren wird.”

Als muslimische Führer christliche Politiker davon überzeugten, Zionisten zu sein
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Wer hätte gedacht, dass arabische muslimische Führer einst westliche christliche Politiker davon überzeugten, sich an dem zionistischen Unternehmen der Wiederherstellung eines jüdischen Staates im Nahen Osten zu beteiligen? Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was heute vor sich geht, wo die meisten arabischen Führer routinemäßig die Legitimität der Existenz Israels infrage stellen?

Im Jahr 1919, kurz nach ihrem Sieg über die Osmanen im Ersten Weltkrieg, schienen die führenden arabischen Politiker der Welt die enormen Vorteile einer Rückkehr des jüdischen Volkes ins Heilige Land und die Wiederherstellung seiner Souveränität in diesem Land erkannt zu haben. Ironischerweise waren es christliche Politiker aus dem Vereinigten Königreich, die überzeugt werden mussten. Und das, obwohl es angeführt von bibelgläubigen Männern wie Lord Arthur Balfour ihre eigene Regierung war, die den Ball für diese Idee eines jüdischen Staates ins Rollen gebracht hatte.

Unter den britischen Delegierten auf der Pariser Friedenskonferenz war auch Philip Noel-Baker, der später den Friedensnobelpreis erhalten sollte. Zu dieser Zeit war Noel-Baker ein junger aufsteigender Stern in der britischen Politik, und seine Unterstützung für verschiedene Aspekte der ausgehandelten Abkommen und Verträge wurde als wichtig angesehen. Aber er war nicht davon überzeugt, dass die Zusagen, die dem jüdischen Volk in der Balfour-Erklärung von 1917 gegeben wurden, verwirklicht werden könnten, genauer, dass die Araber einen jüdischen Staat im Nahen Osten akzeptieren würden.

Noel-Baker wird in dem Buch End of Empire“ folgendermaßen zitiert:

„Ich glaubte nicht, dass die Araber eine jüdische nationale Heimat in Palästina akzeptieren würden, aber einer meiner Kollegen brachte mich zum Emir Feisal nach Genf. T.E. Lawrence, der große Freund der arabischen Führer, war bei ihm, und Feisal sagte, dass die Ankunft der europäischen Juden mit ihrer Energie und ihrem Unternehmungsgeist und ihren modernen wissenschaftlichen Fähigkeiten gut für Palästina und gut für die Araber sein würde. Es war dieses Gespräch, das mich zum Zionismus bekehrte.“

Feisal (r.) in Syrien mit Chaim Weizmann, Führer der zionistischen Bewegung und später erster Präsident des Staates Israel.

Der Emir Feisal, Herrscher von Mekka, wurde im Gefolge des Ersten Weltkriegs als der de facto Führer der gesamten arabischen Welt angesehen. T.E. Lawrence ist der Mann, den wir gemeinhin als „Lawrence von Arabien“ kennen.

Zwanzig Jahre später, 1939, erschien Noel-Baker vor dem Parlament, um sich den britischen Bemühungen zur Eindämmung der jüdischen Einwanderung ins Heilige Land zu widersetzen. Er stellte erneut fest, dass der Zustrom von Juden von der arabischen Führung sowohl akzeptiert als auch begrüßt worden war.

1981 wurde Noel-Baker für den israelischen Dokumentarfilm „Pillar of Fire“ interviewt. Darin erinnert er an dieses augenöffnende Treffen mit dem Emir Feisal und Lawrence von Arabien:

„Bei einem Mittagessen wurde ich von diesen beiden Männern zum Zionismus bekehrt. Feisal hielt seine Reden, und Lawrence übersetzte aus dem Arabischen. Und der Emir Feisal sagte zu mir: ‘Natürlich wollen wir, dass Zionisten nach Palästina kommen. Wir wissen, was geschehen wird. Sie werden riesige Summen von amerikanischem und anderem Kapital einbringen, sie werden die größten Wissenschaftler der Welt heranziehen, alle großen Wissenschaftler sind jüdisch, und das Gebiet Palästina, das jetzt so trocken und zu einem großen Teil eine Wüste ist, wird zu einem Garten werden und wie eine Rose blühen. Wir werden uns ihre Experten ausleihen, wir werden zusammenarbeiten, wir werden dasselbe in allen Ländern tun, die wir Araber in Wüsten verwandelt haben’.“

Es ist eine Schande, dass die Vision des Emir Feisal nie verwirklicht wurde und stattdessen von gewaltsamen Revolutionen und Radikalismus verschlungen wurde.

Klar ist jedoch, dass die heutige arabische Ablehnung Israels und das Beharren darauf, dass Juden ausländische Kolonisatoren sind, die keinen legitimen Platz im Nahen Osten haben, ein relativ neues Phänomen ist. Vor 100 Jahren noch waren die Führer der arabischen Welt erpicht darauf, die Juden in ihrer Heimat willkommen zu heißen.