Es sollte eine Wanderung werden, an die sich die Schüler noch lange erinnern würden. Doch nahe der libanesischen Grenze verwandelte eine Explosion den Ausflug in eine Katastrophe: Ein 14-jähriger Schüler starb, 24 weitere Jugendliche wurden verletzt. Was danach geschah, erzählt aber auch von Mut, Freundschaft und einer Verantwortung, die selbst für Jugendliche plötzlich selbstverständlich wurde.
Als aus einem Ausflug ein Albtraum wurde
Die Schüler der ORT-Schule in Ma’alot waren im Norden Israels unterwegs, als am Montag eine nicht explodierte Munition detonierte. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich vermutlich um einen Sprengkörper aus einer Streumunition, die von der Terrororganisation Hisbollah abgefeuert worden war.
Einer der Jugendlichen hatte den verdächtigen Gegenstand entdeckt. Offenbar war ihm nicht bewusst, welche Gefahr von ihm ausging. Dann kam es zur Explosion. Innerhalb weniger Augenblicke war nichts mehr wie zuvor: Schüler wurden verletzt, ihre Freunde brauchten Hilfe, und die Erwachsenen mussten sich in einer Situation zurechtfinden, auf die niemand vorbereitet sein konnte.
Der 14-jährige Elazar Yair Wilensky überlebte die Explosion nicht. Seine Mitschüler beschrieben ihn als neugierigen, klugen Jungen, der sich besonders für militärische Geschichte und Technik interessierte. Ein Ausflug, der eigentlich gemeinsames Lernen und Erleben ermöglichen sollte, endete für ihn tödlich.
Doch während die Rettungskräfte noch unterwegs waren, begannen die Jugendlichen, sich gegenseitig zu helfen.

Gürtel, Socken und der Mut, füreinander da zu sein
Einige Schüler versuchten, die Blutungen ihrer verletzten Freunde zu stoppen. Was ihnen an medizinischer Ausrüstung fehlte, ersetzten sie mit dem, was sie gerade zur Hand hatten: Gürtel, Socken und andere Kleidungsstücke. Sie warteten nicht einfach hilflos auf professionelle Hilfe. Sie taten, was sie konnten, um ihre Freunde zu schützen.
Der 15-jährige Yair Frankenthal, selbst verletzt und ehrenamtlicher Helfer beim israelischen Rettungsdienst Magen David Adom, kümmerte sich um seine Mitschüler. Als er bemerkte, dass ein schwer verletzter Junge keinen Puls zu haben schien, begann er mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Er setzte das Wissen ein, das er in seiner Ausbildung als Jugendhelfer erworben hatte.
Ein anderer Schüler rief seinen Vater per Videoanruf an. Der Vater erklärte ihm, wie er versuchen konnte, die Blutung zu stoppen, und half gleichzeitig dabei, Rettungskräfte zu alarmieren.
Als Mitglieder der örtlichen Zivilschutzgruppe am Unglücksort eintrafen, fanden sie Jugendliche vor, die ihre verletzten Freunde festhielten, versorgten und sich gegenseitig beistanden. Einer der Helfer berichtete später sichtlich bewegt, wie die Jungen versucht hatten, einander zu helfen, bis die Sanitäter eintrafen.
Mitten in diesem schrecklichen Ereignis zeigte sich etwas, das Hoffnung gibt: Die Schüler dachten nicht zuerst an sich selbst. Sie sahen ihre verletzten Freunde und versuchten zu helfen – mit dem Wissen, das sie hatten, und mit den wenigen Dingen, die ihnen zur Verfügung standen.
Die Fragen nach der Verantwortung für den Ausflug und nach den Gefahren durch zurückgelassene Munition müssen nun geklärt werden. Denn explosive Überreste früherer Kämpfe können noch lange nach dem Ende der Gefechte Menschenleben bedrohen.
Elazar wird nicht zurückkehren. Seine Mitschüler aber werden sich vermutlich für immer daran erinnern, was an diesem Tag geschah – und daran, wie sie in einer Situation, die sie überforderte, füreinander da waren.




