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„Ein Zeichen dafür, wie sehr Israel an Stärke gewonnen hat“

Ein Plan zur Etablierung israelischer Rüstungsproduktion in einem ehemaligen Volkswagen-Werk stellt einen Meilenstein für die Rüstungsexporte dar, erklärt ein ehemaliger Geheimdienstoffizier gegenüber JNS.

Das Volkswagen-Werk in Osnabrück, Deutschland, am 4. September 2024. An dem Standort sollen künftig Komponenten für Luftverteidigungssysteme des israelischen Rüstungskonzerns Rafael produziert werden. Foto: EPA/CHRISTOPHER NEUNDORF

(JNS) Der israelische Rüstungsriese Rafael Advanced Defense Systems wird in einem Volkswagen-Werk in Osnabrück im Nordwesten Deutschlands eine Produktionsstätte errichten, um dort Komponenten für die Luftverteidigung und andere militärische Ausrüstung herzustellen.

Die Landesregierung von Niedersachsen und Aurelius Capital, eine in Tel Aviv ansässige Investmentgesellschaft mit den Schwerpunkten Verteidigung, Cybersicherheit und KI, haben sich auf wesentliche Bedingungen für den Kauf der Volkswagen Osnabrück GmbH geeinigt, wobei Rafael als industrieller Ankerpartner fungieren soll. Der Deal steht noch unter dem Vorbehalt endgültiger Vereinbarungen und behördlicher Genehmigungen.

Raphael BenLevi, Major der Reserve und Senior Fellow am Misgav-Institut für Nationale Sicherheit, der sieben Jahre lang im Nachrichtendienst der israelischen Streitkräfte (IDF) und bei der israelischen Luftwaffe gedient hat, erklärte gegenüber JNS, der Deal stelle einen Meilenstein in den Beziehungen Israels zu Europa im Bereich der Rüstungsexporte dar.

„Das ist eine sehr positive Entwicklung, und es besteht Potenzial für weitere Geschäfte dieser Art“, sagte BenLevi.

Er fügte hinzu, dass der Deal Israels bestehende Verteidigungsbeziehungen zu Berlin stärke und neue Märkte in anderen Teilen des Kontinents erschließe.

„Der Deal vertieft die Sicherheitszusammenarbeit mit Deutschland, das ein zentraler Partner Israels in Europa ist, öffnet aber auch die Tür für Verkäufe an weitere europäische Länder im Bereich der Raketenabwehr“, sagte BenLevi.

Der ehemalige IDF-Offizier wies zudem auf eine symbolische Dimension der Vereinbarung hin.

„Aus historischer Perspektive versuchten vor 50 Jahren viele Juden, Volkswagen als deutsches Nationalunternehmen zu boykottieren, und heute verkauft Volkswagen sein Werk an das israelische Unternehmen Rafael zur Herstellung von Waffen“, sagte BenLevi. „Dies ist ein Zeichen dafür, wie sehr Israel seitdem an Stärke gewonnen hat.“

Vom Automobilbau zur Luftverteidigung

Das Werk in Osnabrück rückte bereits vor einigen Monaten als Standort für eine mögliche Partnerschaft mit Rafael in den Fokus, als Reuters im Juni über Gespräche zur Umstellung des Standorts auf Rüstungsproduktion berichtete.

Dem Bericht zufolge erschwerte damals die Beteiligung Katars an Volkswagen die Verhandlungen. Die Qatar Investment Authority ist einer der Großaktionäre des deutschen Automobilherstellers.

Am 7. September unterzeichneten Volkswagen, das Land Niedersachsen und Aurelius Capital eine Absichtserklärung, wonach Aurelius eine Mehrheitsbeteiligung und Niedersachsen eine Minderheitsbeteiligung an der Volkswagen Osnabrück GmbH übernehmen würden. Das Werk beschäftigt derzeit rund 1.800 Mitarbeiter; durch die geplante Transaktion sollen voraussichtlich etwa 1.400 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Im Rahmen der Vereinbarung unterzeichneten Aurelius und Niedersachsen getrennt voneinander eine Absichtserklärung mit Rafael, um den Standort zu dem auszubauen, was Volkswagen als Zentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen bezeichnete.

Der Schwerpunkt wird zunächst auf der Herstellung von Systemen und Komponenten für die Luftverteidigung Deutschlands und anderer europäischer Länder liegen.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sagte, die Vereinbarung gebe dem Werk eine echte Zukunft.

„Mit dieser Absichtserklärung eröffnen wir dem Volkswagen-Standort Osnabrück eine echte Zukunftsperspektive“, sagte Lies und fügte hinzu, dass die Vereinbarung „Teil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung des Standorts Osnabrück ist, die auch von der Volkswagen AG unterstützt wird“.

Yoav Tourgeman, Präsident und CEO von Rafael, erklärte, die Partnerschaft ziele darauf ab, eine langfristige Produktion in Deutschland zu etablieren.

„Die Technologie, die das Herzstück dieser Partnerschaft bildet, ist für die Verteidigung von heute, morgen und weit darüber hinaus ausgelegt“, sagte Tourgeman. „Heute bauen wir eine langfristige industrielle Beziehung zu unseren deutschen Partnern auf, mit der Idee, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert wird, um Deutschland und Europa zu schützen.“

Israelische Rüstungsverkäufe in Europa nehmen zu

Rafael hat seine Präsenz in ganz Europa im Zuge der Aufrüstung des Kontinents nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine ausgebaut.

Am 31. August unterzeichnete Griechenland mit Israel ein Abkommen im Wert von rund 3 Milliarden Euro (3,5 Milliarden US-Dollar) über das mehrschichtige Luftverteidigungssystem „Achilles Shield“. Das Paket umfasst die Systeme „David’s Sling“ und „SPYDER“ von Rafael sowie das „BARAK MX“-System und Radarsysteme von Israel Aerospace Industries.

Rumänien unterzeichnete im Juni ein Rahmenabkommen im Wert von rund 2 Milliarden Euro (2,3 Milliarden US-Dollar) über das „SPYDER“-Luftverteidigungssystem von Rafael.

Auch Deutschland hat seine Beschaffung israelischer Verteidigungstechnologie in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet.

Der Erwerb des „Arrow 3“-Luftverteidigungssystems von Israel Aerospace Industries, das darauf ausgelegt ist, ballistische Raketen außerhalb der Atmosphäre abzufangen, hat nach einer im Januar unterzeichneten Erweiterung im Wert von 3,1 Milliarden US-Dollar inzwischen ein Volumen von mehr als 6,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Damit handelt es sich um das größte Rüstungsexportabkommen in der Geschichte Israels.

Das deutsche Unternehmen ThyssenKrupp Marine Systems baute zudem die „INS Drakon“, Israels sechstes U-Boot der Dolphin-Klasse, das am 24. September auf dem Marinestützpunkt Haifa eintraf.

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Patrick Callahan

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