(JNS) Der Plan, das Volkswagen-Werk in Osnabrück im Nordwesten Deutschlands in einen Produktionsstandort des israelischen Rüstungsunternehmens Rafael zur Herstellung von Komponenten für das Luftverteidigungssystem Iron Dome umzuwandeln, ist entgegen anderslautenden Berichten weiterhin aktuell.
Das deutsche Wirtschaftsmagazin WirtschaftsWoche berichtete in den vergangenen Tagen, dass die Verhandlungen trotz Meldungen über ein angebliches Veto Katars fortgesetzt werden. Darüber berichtete auch Globes.
Die WirtschaftsWoche schrieb am 16. Juli, dass die „Verhandlungen weiterhin laufen“ über die Umwandlung des Werks in eine Rafael-Fabrik zur Produktion von Lastwagen und weiteren Komponenten für das Luftverteidigungssystem Iron Dome. Zudem hieß es, das letzte Wort über den Deal sei noch nicht gesprochen.
Frühere Berichte hatten erklärt, der Qatar Investment Fund, der 17 Prozent der Anteile an Volkswagen hält, habe sich gegen das Geschäft ausgesprochen und es offenbar zu Fall gebracht. Der deutsche Medienbericht deutet jedoch darauf hin, dass die Gespräche weitergeführt werden.
JNS erfuhr, dass die vielfach verbreitete Darstellung eines endgültigen katarischen Vetos nicht zutrifft und dass Katars Stimmrechtsanteil von 17 Prozent an Volkswagen derzeit nicht genutzt wird, um die Transaktion zu blockieren.
Globes berichtete, dass das Eingreifen des Qatar Investment Fund „in Deutschland Kritik ausgelöst“ habe. Besonders kritisch werde gesehen, dass Katars Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd bereits zuvor zu einem sicherheitspolitischen Faktor für Israel geworden sei. Dies war unter anderem als Begründung dafür angeführt worden, den Verkauf der israelischen Reederei Zim Integrated Shipping Services zu verhindern, an der der Staat Israel eine sogenannte „Goldene Aktie“ hält, um wesentliche nationale Sicherheits- und Logistikinteressen zu schützen.
Laut WirtschaftsWoche sei „nicht klar, ob der Widerstand des Qatar Investment Fund gegen den Deal einem absoluten Veto gleichkommt“.
Der Vorsitzende des Betriebsrats des Volkswagen-Werks in Osnabrück, in dem rund 2.400 Beschäftigte arbeiten, sagte der WirtschaftsWoche: „Es muss eine kluge Lösung gefunden werden.“ Er rief das Land Niedersachsen, das rund 20 Prozent der Volkswagen-Aktien hält, dazu auf, gezielt am Standort Osnabrück eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. Dies würde den Weg für den Rafael-Deal freimachen.
Ein von der WirtschaftsWoche befragter Sicherheitsexperte vermutete, Katar könnte im Gegenzug für die Aufgabe seines Widerstands Zugeständnisse von der deutschen Bundesregierung verlangen. Er sagte dem Magazin: „Wir leben in Zeiten, in denen schwierige Vereinbarungen mit komplizierten Akteuren getroffen werden müssen.“
Der Streit erregte erstmals am 17. Juni 2026 internationale Aufmerksamkeit, als Reuters berichtete, dass Katar als Volkswagen-Aktionär die Verhandlungen über den Verkauf des Werks in Osnabrück an Rafael erschwere.
Reuters meldete damals, Katar habe Einwände gegen die Transaktion erhoben. Der Ausgang sei jedoch weiterhin ungewiss gewesen, und die Verhandlungen würden trotz der Spannungen fortgesetzt.
Am 10. Juli behauptete die deutsche Zeitung Bild, Katar habe das Geschäft faktisch mit einem Veto gestoppt, und stellte die Übernahme als endgültig gescheitert dar, anstatt sie lediglich als erschwert zu beschreiben.
Der Hintergrund des Streits hängt mit den allgemeinen finanziellen Schwierigkeiten von Volkswagen zusammen. Calcalist berichtete am 12. Juli, Europas größter Automobilhersteller habe sowohl auf internationalen Märkten als auch in Deutschland Marktanteile an chinesische Hersteller verloren und zugleich Schwierigkeiten, sich bei Elektrofahrzeugen eine führende Position zu sichern. Diese Entwicklung habe das Unternehmen zu schmerzhaften Restrukturierungsmaßnahmen gezwungen, darunter Stellenabbau und Werksschließungen in Deutschland.
Dem Bericht zufolge sei das Werk in Osnabrück zu einem Symbol für Volkswagens Strategie geworden, überschüssige Produktionskapazitäten in alternative industrielle Nutzungen umzuwandeln, anstatt Werke vollständig zu schließen. Die teilweise Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter würde sowohl den steigenden Verteidigungsausgaben Europas entsprechen als auch rund 2.300 Arbeitsplätze sichern.
Rafael baut seine Präsenz in Europa im Zuge der umfassenden Wiederaufrüstung des Kontinents nach Russlands Invasion in der Ukraine und angesichts weiterer regionaler Sicherheitskonflikte kontinuierlich aus.
Am 23. Juli unterzeichnete Griechenland einen Vertrag im Wert von 3,5 Milliarden Euro über den Erwerb der Luftverteidigungssysteme David’s Sling und SPYDER von Rafael vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit der Türkei. Am 29. Juni gab Rumänien einen Vertrag über 2,3 Milliarden Euro für das SPYDER-System bekannt, und im November 2023 kaufte Finnland das System David’s Sling für 317 Millionen Euro.




