Microsoft und Apple fühlen sich in Israel wohl

Wer hätte 1948 gedacht, dass sich das karge Land in eine Technologie-Supermacht verwandeln würde.

von Michael Selutin |
Microsoft development center in Herzliya Pituah, Foto: Gili Yaari/Flash90

Als die Juden Anfang des 20. Jahrhunderts in großer Zahl nach Israel zurückkehrten, fanden sie Wüsten, Mücken-verseuchte Sümpfe und ein allgemein unentwickeltes Land vor. Während sie sich gegen feindliche Staaten verteidigten, bauten die Pioniere das Land auf und erreichten eine Situation, in der sie sich ohne fremde Hilfe von ihrer Landwirtschaft ernähren konnten. Auf dieser Grundlage entstanden Universitäten, eine erfolgreiche Verteidigungsindustrie und erste internationale Firmen, bis schließlich das jüdische Land zu einer Quelle von Innovationen wurde, aus der bis heute eine unglaubliche Anzahl an Ideen und Entwicklungen sprudeln.

Von dieser Quelle der Kreativität und Durchsetzungskraft wollen auch die großen Namen der Technologiebranche teilhaben und sie bauen in Israel Forschungs- und Entwicklungszentren auf. Solche Zentren sind der Kern einer Technologiefirma, die immer auf dem neuesten Stand sein muss, um sich in dieser Branche zu behaupten. Sie sind nicht für Verkauf und Vertrieb verantwortlich, sondern dafür ihre Firma mit verbesserten und neuen Produkten wettbewerbsfähiger zu machen. Eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist also das größte Kompliment, das ein Technologieunternehmen einer Gesellschaft machen kann.

 

Kreativität führt zu Innovationen

Der Chiphersteller Intel beschäftigt seit vielen Jahren tausende Israelis in seinen Standorten im Land und ist der größte ausländische Arbeitgeber Israels. Nun rüsten allerdings auch Apple und Microsoft ihre Standorte im Heiligen Land auf und sie scheuen dabei keine Kosten.

Microsoft hat in Herzlia ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum gebaut, das 46.000 Quadratmeter groß ist und in dem über 2000 Mitarbeiter beherbergt werden. Es dauerte 18 Monate diesen Campus zu bauen und er kostete etwa 350 Millionen Schekel (fast 100 Millionen Euro). Dieses Innovationslabor wird intern als „Die Werkstatt“ bezeichnet, da die dortigen Angestellten an neuen Technologien tüfteln und innovative Produkte entwickeln sollen. Die Werkstatt ist dafür designt Kreativität zu fördern. Sie bietet den Mitarbeitern Zugang zu fortschrittlicher Ausrüstung und besonders in den Bereichen Informationssicherheit, erweiterte Realität und künstliche Intelligenz für Innovationen sorgen.

 

Die Arbeitsplätze in den Gebäuden sind in „Nachbarschaften“ unterteilt, was die Teamarbeit fördert und Möglichkeiten für die Mitarbeiter schafft, sich mit Menschen außerhalb ihrer Gruppe zu treffen. Eine Fülle von natürlichem Licht, ergonomischen Möbeln und natürlicher Vegetation ist in die Innenräume integriert. Das Gebäude verfügt über Spielzimmer, Krankenpflegezimmer, Arbeitsbalkone, ein Basketball- und Volleyballfeld, einen Yogaraum, einen 1000 Quadratmeter großen Fitnessraum, ein Musikzimmer und einen Hundepark. Zu den weiteren Annehmlichkeiten gehören Postdienste, Wäschereidienst und ein Lebensmittelgeschäft. Für die Ernährung sorgt ein preisgekrönter israelischer Chef, der natürlich leckere und gesunde Mahlzeiten in den sechs Restaurants, zwei Cafés und zum Mitnehmen anbietet.

 

Ein Mikrokosmos der Technologiebranche

Apple gibt sich bisher noch etwas bescheidener und hat in Haifa ein Gebäude von „nur“ 28.000 Quadratmetern gepachtet. Es befindet sich zurzeit noch im Bau und soll Ende 2022 fertiggestellt werden. Dieses Gebäude befindet sich im MATAM Park Haifas, wo unter anderem auch Intel, Yahoo, Amazon und Google ihre Forschungs- und Entwicklungszentren haben. Wichtig ist auch die Nähe des Parks zur Technion Universität, das zu den besten technologisch orientierten Universitäten der Welt zählt. Denn darum geht es bei all den Bauprojekten in Israel: der Wettbewerb um die talentiertesten Köpfe Israels und wahrscheinlich der Welt.

Matam Hi Tech Park in Haifa

Israel hat einen langen Weg von der kargen Landschaft zu einer blühenden Technologie-Oase hinter sich und das Wirtschaftswunder scheint kein Ende zu nehmen. Solange die Universitäten des Landes weiterhin kreative Ingenieure, Programmierer und Unternehmer ausspucken, solange werden die großen Namen der Technologiebranche versuchen diese Leute für sich zu gewinnen. Vorausgesetzt natürlich, die talentierten Israelis wollen kein eigenes Unternehmen aufbauen, das mit den großen internationalen Firmen konkurriert.

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