Jubeljahr

von Michael Selutin

Ein äußerst merkwürdiges Gesetz

Israelis pflücken Anemonen im Elah Tal Foto: Gershon Elinson/Flash90

Bild: Israelis pflücken Anemonen im Elah Tal

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

In unserem Thora-Wochenabschnitt Behar werden uns die Gesetze des Jubeljahrs vorgestellt. Jedes siebte Jahr ist ein Schabbatjahr für den Grund und Boden. Dann soll man auf seinem Stück Land weder säen noch ernten. Es macht aus landwirtschaftlicher Sicht durchaus Sinn, das Land ein Jahr lang ruhen zu lassen. Das Verbot gilt nur für die Anhäufung der Ernte, man darf sich also noch weiterhin Dinge pflücken, die man zum Verbrauch benötigt. Des Weiteren werden die Felder für die arme Bevölkerung geöffnet, die sich an den Produkten bedienen darf.

Das Jubeljahr ist für eine auf Landwirtschaft basierende Volkswirtschaft trotzdem eine Bürde, man muss sich das in etwa so vorstellen: Im Jahr sieben passiert nichts auf den Feldern in Israel, im Jahr acht darf erst wieder gesät werden und im neunten Jahr des Zyklus wird erst geerntet.

Aber es geht noch weiter, denn nach sieben mal sieben Jahren steht das Halljahr an. Man darf also im Jahr 49 sein Land nicht nutzen, da es ein Jubeljahr ist und im Jahr 50 folgt das Halljahr, in dem das Land ebenfalls ruht. Da man in diesen Jahren auch nicht säen darf, wird erst wieder im Jahr 51 ausgesät und erst im Jahr 52 gibt es etwas zu essen. So klingt es in der Bibel:

„Und du sollst dir sieben Sabbatjahre abzählen, nämlich siebenmal sieben Jahre, so daß dir die Zeit der sieben Sabbatjahre 49 Jahre beträgt.

Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt im Land eine Freilassung ausrufen für alle, die darin wohnen. Es ist das Halljahr, in dem jeder bei euch wieder zu seinem Eigentum kommen und zu seiner Familie zurückkehren soll. Denn das fünfzigste Jahr soll ein Halljahr für euch sein. Ihr sollt nicht säen, auch seinen Nachwuchs nicht ernten, auch seine unbeschnittenen Weinstöcke nicht lesen. Denn ein Halljahr ist es; es soll euch heilig sein; vom Feld weg dürft ihr essen, was es trägt.

Darum haltet meine Satzungen und bewahrt meine Rechtsbestimmungen und tut sie; so sollt ihr sicher wohnen in eurem Land! Und das Land soll euch seine Früchte geben, daß ihr eßt bis zur Sättigung und sicher darin wohnt. Und wenn ihr sagt: Was sollen wir im siebten Jahr essen? Denn wir säen nicht und sammeln auch unseren Ertrag nicht ein! – so [sollt ihr wissen:] Ich will im sechsten Jahr meinem Segen gebieten, daß [das Land] den Ertrag für drei Jahre liefern soll; so daß, wenn ihr im achten Jahr sät, ihr [noch] vom alten Ertrag essen werdet bis in das neunte Jahr; daß ihr von dem Alten essen werdet, bis sein Ertrag wieder hereinkommt.

Ihr sollt das Land nicht für immer verkaufen; denn das Land gehört mir, und ihr seid Fremdlinge und Gäste bei mir.“

(3. Mose, 25, 8-23)

Ist das nicht eine unglaubliche Passage? Man könnte sie sogar als Beweis für die Göttlichkeit der Bibel sehen, denn welcher menschliche Autor würde versprechen, dass das Land im sechsten Jahr des Jubelzyklus einen dreifachen Ertrag bringen wird? Und wenn ein Halljahr ansteht, befindet sich die gesamte Landwirtschaft Israels fast vier Jahre lang im Lockdown.

Feld im Norden des Landes

Solch ein landwirtschaftliches System ist möglicherweise ein noch größeres Wunder, als das, welches wir zu Pessach feiern, als zehn Plagen Ägypten heimsuchten und das Schilfmeer gespalten wurde. Die Israeliten lebten zwischen ihrem Einzug ins Heilige Land unter Josua und der Vertreibung durch die Römer etwa 1000 Jahre in Israel. In dieser Zeit ist kein Fall bekannt, wo hungrige Bauern vor dem Königspalast demonstrierten. Allerdings ist uns aus den Schriften der Propheten bekannt, dass das Jubeljahr nicht immer eingehalten wurde. Man muss dazu sagen, dass die jüdischen Propheten, genauso wie die jüdischen Mütter, lieber kritisieren als loben und wahrscheinlich wurde es irgendwann schon eingehalten. Es wäre interessant wie solch eine vierfache Ernte im Jahr 48 des Jubelzyklus aussah.

Heute versuchen wir in Israel das Jubeljahr wieder einzuführen, viele Landwirte halten sich schon daran. Andere nutzen ein Schlupfloch im Gesetz, das während der schweren Anfangsjahre Israels angewandt wurde. Solche Farmer verkaufen ihr Land übergangsweise an Nichtjuden und pachten es dann von ihnen für dieses Jahr, natürlich nur auf Papier. Andere halten nichts von diesem biblischen Gesetz, was sehr verständlich ist, denn welcher Landwirt verzichtet schon gerne zwei Jahre lang auf sein Einkommen. Auf jeden Fall darf man nicht das Ende des obigen Zitats vergessen:

„…das Land gehört mir, und ihr seid Fremdlinge und Gäste bei mir.“

Wenn wir das beherzigen und das Jubeljahr halten, erfüllt sich vielleicht auch ein anderer oben zitierter Vers:

„Darum haltet meine Satzungen und bewahrt meine Rechtsbestimmungen und tut sie; so sollt ihr sicher wohnen in eurem Land! Und das Land soll euch seine Früchte geben, daß ihr eßt bis zur Sättigung und sicher darin wohnt.“

Ein Anemonenfeld im Pura Naturreservat

 

Das Wetter für heute in Israel

Vereinzelte Regenschauer im Norden und Zentrum des Landes, die im Norden von Gewittern begleitet werden können. Die Temperaturen werden noch etwas sinken, sodass es für die Jahreszeit zu kühl sein wird.  Gegen Nachmittag wird der Regen stufenweise nachlassen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 12 Grad, Tel Aviv 17 Grad, Haifa 14 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Beersheva 17 Grad, Eilat am Roten Meer 25 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,15 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 35 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende, einen gesegneten Schabbat und ein frohes Fest, morgen ist der siebte und letzte Tag von Pessach. Machen Sie es gut.

 

Schabbat Achalon und Chag Sameach aus Bet Schemesch!

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